Donnerstag, 14. Mai 2026

Die Freizügigkeit gehört zu Europas größten Errungenschaften - gilt das auch noch für Deutschland?

Man liest die Neuigkeit und denkt unwillkürlich: ok, und was passiert in Deutschland ?

Man erwartet fast schon ein großes Drama, wenn man nur an die -aufgrund der permanenten Unpünktlichkeit - gekappten Bahnverbindungen ins Nachbarland Schweiz denkt...

Wie soll Deutschland da mithalten? Und wie passen die aktuellen Grenzkontrollen dazu? Finden die nur auf der Straße statt?
Muss Deutschland jetzt gegen den guten Vorschlag stimmen, weil es in der Praxis sowieso nicht mithalten könnte? 

Euronews  hier  Dianne Apen-Sadler 13/05/2026 

Eine Reise, ein Ticket: EU vereinfacht Bahnreisen über Grenzen

Zugtickets für grenzüberschreitende Reisen in der EU sollen dank eines Vorschlags der Europäischen Kommission bald einfacher zu kaufen sein.

Das neu vorgestellte Passagierpaket ermöglicht es Reisenden, mit einem einzigen Buchungsvorgang Fahrscheine über mehrere Bahnunternehmen hinweg zu erwerben.

„Die Freizügigkeit gehört zu Europas größten Errungenschaften“, sagte Apostolos Tzitzikostas, Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, in einer Erklärung. „Heute gehen wir einen Schritt weiter: Reisen in allen 27 Mitgliedstaaten werden einfacher, digitaler und stärker auf die Bedürfnisse der Fahrgäste zugeschnitten.“

„Mit digitalen Werkzeugen und integrierten Mobilitätsdiensten können Europäerinnen und Europäer mit einem Klick grenzüberschreitende, multimodale Reisen planen, vergleichen und buchen. Zugleich profitieren sie von stärkeren Fahrgastrechten, mehr Transparenz und besserem Schutz in allen Phasen der Reise.“

Was bedeuten die neuen Regeln für Fahrgäste?

  • Neben einfacheren Buchungen stärkt das Paket auch die Rechte der Fahrgäste. Wer seinen Anschluss verpasst, ist künftig geschützt – selbst wenn die Züge von verschiedenen Bahnunternehmen betrieben werden.

  • Fahrgäste erhalten das Recht, ohne zusätzliche Kosten zu ihrem Endziel umgeleitet zu werden, und sie bekommen eine Entschädigung für die gesamte Verspätung.

  • Sie haben Anspruch auf Unterstützung, etwa auf Mahlzeiten und gegebenenfalls auf eine Unterkunft, falls wegen des verpassten Anschlusses eine Übernachtung nötig wird.

  • Der Vorschlag verpflichtet zudem Online-Ticketplattformen mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent, bei der Buchung alle verfügbaren Angebote anzuzeigen – auch die der Konkurrenz.

Nach Einschätzung der Europäischen Kommission fehlt es dem heutigen Markt an Transparenz. Die neuen Regeln sollen es neuen Anbietern erleichtern, ihre Fahrkarten zu vertreiben.

Außerdem müssen Bahnunternehmen ihre Tickets künftig mindestens fünf Monate vor Reiseantritt online zum Verkauf stellen.

Wann tritt das Passagierpaket in Kraft?

Die Europäische Kommission legt den Verordnungsvorschlag nun dem Rat der Europäischen Union und dem Europäischen Parlament vor.

Anschließend befassen sich beide Institutionen mit dem Paket und beschließen es. Nach Angaben des Europäischen Rates werden rund 85 Prozent der Gesetze am Ende der ersten oder zu Beginn der zweiten Lesung angenommen.

Die EU-Staaten müssen zudem die Umsetzung der Vorgaben der Richtlinie über intelligente Verkehrssysteme zur gemeinsamen Nutzung von Daten über den multimodalen Verkehr beschleunigen.




TAZ  hier  Eric Bonse  13.5.26

EU-Kommission stellt Bahnstrategie vor: „Eine Reise, eine Fahrkarte, volle Rechte“

Brüssel will das Bahnfahren über Ländergrenzen hinweg einfacher machen. Der Plan hat viele Fans, aber ausgerechnet die Branche ist skeptisch.

Die EU will Bahnreisen in Europa vereinfachen. Künftig soll ein einziges Ticket reichen, um von einem EU-Land in ein anderes zu kommen. Außerdem sollen die Rechte der Bahnreisenden gestärkt werden. Dies hat die EU-Kommission in Brüssel angekündigt.

Bisher sind bei Bahnreisen ins europäische Ausland meist mehrere Fahrkarten nötig, die auf verschiedenen Portalen und Apps gekauft werden müssen. Länderübergreifende Preisvergleiche sind kompliziert, die Transparenz ist gering, und bei Verspätungen – wie sie vor allem in Deutschland immer wieder auftreten – ist die Haftung unklar.

All das soll sich ändern, verspricht EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas. Künftig gelte: „One journey, one ticket, full rights“ – eine Reise, eine Fahrkarte, volle Rechte.
Wenn sein „Bahnreisen-Paket“ umgesetzt wird, könnten die Preise um fünf Prozent sinken, so Tzitzikostas. Zudem würden mehr Menschen mit dem Zug fahren.

Allerdings müssen sich die 27 EU-Staaten und das Europaparlament erst noch auf die Reform einigen. Danach dürfte es noch einmal ein bis zwei Jahre dauern, bis sie in Kraft tritt. Im kommenden Sommerurlaub wird es also nichts mehr, im nächsten wohl auch noch nicht.

Skepsis in der Bahnbranche

Die größte Hürde liegt ausgerechnet bei den Bahngesellschaften. Sie müssten ihre Reservierungssysteme öffnen, die Kundendaten weitergeben und die Preisgestaltung transparenter machen. „Es gibt keinen anderen Fall, in dem jemand verpflichtet wird, das Produkt der Konkurrenz zu verkaufen“, kritisierte der Chef des Verbands europäischer Bahnbetreiber, Albert Mazzola, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Deutsche Bahn begrüßte den Vorstoß aus Brüssel „im Grundsatz“. Allerdings müssten „faire Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger“ gelten. Die Bahn hat schon selbst in ein internationales Buchungssystem investiert, das den grenzüberschreitenden Fahrkartenkauf leichter machen soll. Bestehende Systeme müssten „angemessen berücksichtigt“ werden, heißt es.

Es gilt aber auch, alternative Routen zu berücksichtigen. So ist eine Bahnfahrt von Brüssel zum Europaparlament in Straßburg schneller mit der französischen SNCF als mit der Deutschen Bahn. Die beiden Staatsunternehmen machen sich Konkurrenz und dürften daher versuchen, bei den anstehenden Verhandlungen ihre Regierungen einzuspannen.

Das Europaparlament hat die Vorschläge der EU-Kommission begrüßt. „Mit der Bahn zu reisen, sollte genauso einfach sein, wie einen Flug zu buchen“, forderte die Grünen-Abgeordnete Lena Schilling.

„Wichtig ist, dass der Vorschlag der Kommission auch ländliche Räume miteinbezieht“, sagte der CSU-Parlamentarier Markus Ferber. Verbindungen von Berlin nach Paris seien prima, die Mehrheit der Europäer lebe aber fernab der Großstädte. Die EU-Kommission will daher auch den Busverkehr in die geplante Neuregelung einbinden.

Der europäische Verbraucherverband Beuc sprach sich für eine zügige Umsetzung aus. „Dieser Vorschlag kann dazu führen, dass sich die Verbraucher wieder ins Bahnfahren verlieben“, so Beuc-Direktor Agustín Reyna.



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