Sonntag, 31. Mai 2026

Ressourcenverhältnisse sind auch immer Machtverhältnisse. Wer hat, entscheidet.

Katja Paar / LinkedIn

Wieviel Ungleichheit verträgt die Demokratie? 

Deutschland steht im europaweiten Vergleich was Einkommen betrifft ganz gut da.
Der Gini-Koeffizient (➽ unten erklärt) liegt bei 0,3, was ungefähr dem europäischen Durchschnitt entspricht.
(Quelle: Destatis, statistisches Bundesamt)

Wenn man auf Vermögen schaut, sieht das gleich ganz anders aus.

Hier liegt der Wert etwa bei 0,77 (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung) – in den USA sogar bei 0,85. Bedeutet: Ein kleiner Teil besitzt sehr viel, während die Mehrheit durch Arbeit, Konsum, politische Entscheidungen und Investition oft ungewollt dazu beiträgt, dass sich große Vermögen weiter bei einigen Wenigen konzentrieren.

➽ Gini-Koeffizent explained: 

0 bedeutet: Alle haben gleichviel. 

1 bedeutet: Einer hat alles, die anderen haben nichts. 

Je niedriger der Wert, desto gleicher die Verteilung.

Folgt man dem Wirtschafts- und Sozialhistoriker Guido Alfani (Bocconi Universität, Mailand), ist 0,85 in etwa der gleiche Wert wie in Frankreich vor der Revolution.

Wir erinnern uns: Glanz, Privilegien, König Ludwig XVI., Marie-Antoinette, Versailles. (Später dann Bastille, Guillotine – aber das lass ich jetzt mal weg)

Während uns bei absoluten Monarchien immer sofort klar ist, wer Entscheidungsmacht hat, scheint das in Demokratien der Souverän zu sein, also die Wählerinnen und Wähler. 

Aber Ressourcenverhältnisse sind auch immer Machtverhältnisse. Wer hat, entscheidet. 

Elon Musk hat 17 Mio USD ausgegeben um einen Richter in Wisconsin einzusetzen. 17 Mio USD sind etwa 0,002% seines Vermögens (830 Mrd USD). 

„Dann sollen sie halt Kuchen essen.“

Dass Marie-Antoinette das wirklich gesagt hat, ist unwahrscheinlich. Dass dieser Satz trotzdem bis heute bekannt ist, wundert mich aber nicht. Er spiegelt den Moment, in dem Lebensrealitäten so weit auseinanderdriften, dass die einen die anderen kaum noch verstehen. 

Wenn Ressourcen so ungleich verteilt sind, dass es keine gemeinsame Realität mehr gibt, ist das nicht mehr nur ein Wirtschaftsthema, sondern eine Frage der Demokratie selbst.

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