- ⚡ Klar: Wasserkraft - hierfür hat Deutschland nicht die richtige Geographie
- ⚡ Strukturen: weniger Menschen und Industrie pro Fläche helfen - auch hier hat es Deutschland schwerer
- ⚡ Intelligenter Stromverbrauch: Hier hat Deutschland keine so gute Ausrede. Es gibt zu wenige Smart Meter, zu wenig Flexibilisierung im Stromverbrauch, zu viele Netzbetreiber und Grundversorger.
Michael K.
Deutschland baut europaweit am meisten Erneuerbare-Anlagen zu und könnte das eigene 80%-Ziel bis 2030 dennoch signifikant verfehlen.
Laut einer aktuellen Montel-Studie dürfte der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis dahin lediglich bei rund 67 % liegen.
Aber woran liegt das?
Zum Vergleich: Dänemark und Norwegen erreichen prognostiziert jeweils mehr als 100 %.
Im Handelsblatt-Artikel geht Sophia Ulrich der Frage nach, ob das skandinavische Modell auch in Deutschland funktionieren würde bzw. was Deutschland besser/anders machen müsste.
Das Ziel, so viel steht fest, ist gleichwohl mehr als erreichbar.
Die Antwort auf die erste Frage lautet kurz gesagt: Das Modell ist nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar.
Die skandinavischen Länder profitieren insbesondere von:
- geringer Bevölkerungsdichte und großer Fläche;
- ihrer geographischen Lage. Neben Sonne und Wind spielt insbesondere die Wasserkraft eine entscheidende Rolle (Wasserkraftwerke als Rückgrat);
- einer bereits deutlich stärkeren Integration und Flexibilisierung der Stromnachfrage, u.a. durch die Einbindung von Rechenzentren sowie Smart Metern im Haushaltsbereich zur besseren Verbrauchssteuerung.
Die Antwort auf die zweite Frage ist naturgemäß komplex, lässt sich aber wie folgt zusammenfassen:
Deutschland produziert an wind- und sonnenreichen Tagen bereits heute mehr Grünstrom als verbraucht wird. Mangels Netz- und Speicherkapazitäten müssen Anlagen jedoch vielfach abgeregelt werden. Für das Gelingen der Energiewende entscheidend sind daher insbesondere:
- Batteriespeicher und flexible Kraftwerkskapazitäten (nicht nur wasserstofffähige Gaskraftwerke);
- eine bessere Integration der Nachfrageseite;
- der beschleunigte Netzausbau.
Dazu auch die weiterführenden Gedanken von Hendrik Neumann (Amprion GmbH) im Artikel (siehe Link) – äußerst lesenswert, da realistisch, pragmatisch und gleichzeitig zukunftsorientiert.
Gleichzeitig (und das ist ebenso wichtig) profitiert Deutschland letztlich auch vom skandinavischen Grünstrom sowie generell von der rasanten Energiewende anderer Staaten über das europäische Verbundnetz. Überschüsse können exportiert und europaweit genutzt werden.
Die kommenden Jahre werden daher nicht nur für den Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend sein, sondern vor allem auch für die dahinterstehende Infrastruktur und (systemdienliche) Anlagen.
Ich freue mich darauf, diese (nationale wie internationale) Entwicklung der Energiewende weiterhin – und mit großer Freude sowie Motivation – juristisch zu begleiten und ein Stück weit dazu beizutragen; und letztlich profitieren wir ja alle vom Gelingen der Energiewende. 😊
Kommentar Dr. Franz Hitzelsberger
Völlig richtig, nur eine Ergänzung.
Bitte vergessen Sie bei den Erneuerbare Energien-Anlagen die Wärme-Anlagen nicht.
Es wird immer so getan als würde es nur um Strom gehen. Was weit gefehlt ist, da die Hälfte unseres Energieverbrauchs auf Wärme entfällt.
Wir werden nicht alle Gas/Öl-Heizungen auf Strom umstellen. Dazu braucht es weitere Techniken wie
- Biomasse
- Solarthermie
- (oberflächennahe) Geothermie
- Abwärmenutzung, insbesondere des Abwassers
Allein (oberflächennahe) Geothermie und Abwasser-Abwärme können zwei Drittel unseres Wärmebedarfs decken!
Und der größte erneuerbare Energieträger ist aktuell nicht Wind oder gar PV. Es ist Biomasse, v.a. Holz.
Ordinäres Holz liefert immer noch ein Vielfaches an Kilowattstunden wie PV.1
Michael K.
Die Aussage im Artikel/Beitrag lautet nur, dass beide Länder bis 2030 im Jahresmittel mehr Ökostrom produzieren würden, als sie selbst verbrauchen. Grundlage dafür sind – wie üblich – die offiziellen Ausbaupläne der Länder sowie Modellrechnungen.
Ein Land kann dabei trotz positiver Jahresbilanz weiterhin zeitweise Strom importieren müssen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die nationale Bilanz, sondern das europäische Verbundnetz.
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