Montag, 18. Mai 2026

Praktische Umsetzung: Solarthermie kann sparen helfen

Bei der letzten Wartung unserer Wärmepumpe machte mich der Installateur darauf aufmerksam, dass sie im Protokoll einen phantastischen Wert bezeugte. Statt des üblichen 1:3 Faktors (Jahresarbeitszahl)  für eine übliche Wasser-Luft-WP, zeigte sie im Protokoll  den Faktor 1:4,8. 

Bei der "Ursachen"-Suche zeigte sich: "Schuld" hat wohl die altgediente, 25 Jahre alte Solar-Anlage zur Warmwasserproduktion, die wir zusammen mit der neuen PV-Anlage auf dem Dach nutzen. Gut dass wir sie nicht durch PV-Module ersetzt haben, wie das oft als Ratschlag kommuniziert wird.

Utopia hier Von Annika Flatley  16. Mai 2026

Wärmepumpe mit Solarthermie kombinieren: Wann lohnt sich die Hybridheizung?

Wärmepumpen können die meisten Häuser allein effizient heizen. Solarthermieanlagen können sie manchmal sinnvoll ergänzen, aber längst nicht immer lohnt sich die Investition. Hier bekommst du eine praktische Entscheidungshilfe inklusive typischer Planungsfallen.
Die Kombination einer Wärmepumpe mit Solarthermie verspricht auf den ersten Blick weniger Stromverbrauch und mehr erneuerbare Wärme im Haus. Beide Anlagen nutzen Umweltenergie, um Wärme zu erzeugen.

In der Praxis entscheiden dein Haus und deine Bedürfnisse, ob sich das Hybridsystem wirklich lohnt. Wie viel Warmwasser braucht der Haushalt? Wie viel Platz bietet das Dach? Wie viel Leistung muss die Heizung erbringen? Diese Fragen gilt es sorgfältig klären, um zu vermeiden, dass du in Technik investierst, die am Ende kaum Ersparnisse bringt. 

Warum überhaupt Wärmepumpe und Solarthermie kombinieren?
Solarthermie nutzt die Wärmeenergie der Sonne, um Wasser zu erhitzen. Kollektoren auf dem Dach wandeln Sonnenstrahlung in Wärme um. Dafür gibt es so gennante Flachkollektoren oder Röhrenkollektoren. Eine Solarflüssigkeit transportiert die Wärme zu einem Speicher, wo sie zur Warmwasserbereitung oder für die Heizung genutzt werden kann. Sie kann Gebäude in der Regel nicht allein mit Wärme versorgen, wohl aber die Energiekosten senken.

Eine Wärmepumpe nutzt ebenfalls Wärmeenergie aus der Umwelt, meist aus der Luft, seltener aus Erdreich oder Grundwasser, um daraus Heizwärme zu erzeugen. Die Umweltwärme wird in einem Kältemittel-Kreislauf weiter erhitzt und anschließend an die Heizwasserleitungen des Hause abgegeben. Dieser Prozess braucht Strom. In der Regel kann eine Wärmepumpe als alleinige Heizung Gebäude effizient beheizen. 

Bei der Frage, ob sich eine Kombination mit einer Solarthermie lohnt, geht es also meist vor allem darum, Stromkosten zu sparen und möglichst viel erneuerbare Energie zu nutzen.

In der Theorie ist es möglich, die nötige Leistung der Wärmepumpe und damit den Strombedarf zu senken, in dem man einen Teil der Wärme mittels Solarthermie erzeugen lässt. In der Praxis braucht es aber optimale Voraussetzungen, damit die Rechnung aufgeht.

Passt eine Wärmepumpe mit Solarthermie zu deinem Haus?
Solarthermie ist dann am wirtschaftlichsten, wenn du die Wärme auch wirklich nutzen kannst. Das klappt besonders gut beim Warmwasser. Die größten Ersparnisse beim Heizen bringt Solarthermie in der Übergangszeit im Frühjahr und Herbst. Im Winter fällt der Ertrag deutlich kleiner aus, im Sommer heizt man in der Regel kaum.

Im ersten Schritt kannst du für dein Haus einen kurzen Realitäts-Check machen. Er ersetzt keine Planung, kann aber Orientierung bieten, ob Solarthermie überhaupt in Frage kommt.

  • Warmwasserprofil: Lebst du allein oder zu zweit mit kurzen Duschzeiten oder nutzt dein Haushalt täglich viel Warmwasser? Je höher der Warmwasserbedarf, desto eher rentiert sich Solarthermie.

  • Dachfläche: Gibt es genug zusammenhängende, gut zugängliche Fläche, die nicht schon für Photovoltaik verplant ist?

  • Ausrichtung und Schatten: Zeigen die Kollektoren ungefähr Richtung Süden, Südosten oder Südwesten und sind weitgehend frei von Schatten?

  • Platz im Haus: Hast du Raum für einen geeigneten Speicher, Rohrleitungen und Technik?

  • Sanierungsplan: Stehen ohnehin Arbeiten an Dach oder Heizung an, sodass die Montage damit verbunden werden kann?

  • Falls du auch für die Wärmepumpe noch in der Planungsphase bist: Läuft deine Heizung mit niedrigen Temperaturen? Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Heizwassers, das zu Heizkörpern oder Fußbodenheizung fließt. Je niedriger sie ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe, als Richtwert gelten maximal 55 Grad Celsius.

Wenn du sich eine Wärmepumpe effizient betreiben lässt und du einen eher hohen Warmwasserbedarf sowie ein geeignetes Dach hast, ist die Kombination einen zweiten Blick wert.

Wenn dein Haus dagegen viel Schatten, wenig Platz und oder hohe Heiztemperaturen hat, ist es meist lohnender, zuerst in Sanierungsmaßnahmen zu investieren, um dann eine leistungsfähige Wärmepumpe als Alleinheizung zu installieren. 

Wärmepumpe mit Solarthermie ergänzen: Warmwasser, Heizung oder beides?

Bei einer Hybridheizung kombinierst du zwei Wärmeerzeuger in einem System. In der Regel bleibt die Wärmepumpe die Hauptheizung. Die Solarthermie liefert zusätzliche Wärme. Ob das sinnvoll ist, hängt stark davon ab, wofür du sie einsetzt.

Variante 1: Solarthermie nur fürs Warmwasser
Die Solarthermie dient in diesem Fall ausschließlich dazu, das Trinkwasser zu erhitzen und in einem Warmwasserspeicher zu speichern. Das ist für viele Haushalte die einfachste und alltagstauglichste Lösung. Denn warmes Wasser zum Duschen, Spülen usw. braucht es das ganze Jahr über, auch im Sommer, wenn die Solarthermie besonders viel Wärme liefert und man die Wärmepumpe nicht zum Heizen braucht.

Fachleute beziffern den „solaren Deckungsgrad“, also den Anteil der Warmwasserbereitung, welchen eine gut ausgelegte Solarthermie übernehmen kann, auf etwa 60 Prozent. Oft kann die Solarthermie den Warmwasserbedarf im Sommer nahezu allein decken und die Wärmepumpe muss in dieser Zeit gar nicht laufen. Das senkt die Stromkosten deutlich.

Variante 2: Solarthermie zur Heizungsunterstützung
Eine ausreichend dimensionierte Solarthermie kann zusätzliche Wärme für die Heizung liefern. In Kombination mit einer Wärmepumpe gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

Die Solarwärme kann die Anlage in den Pufferspeicher der Heizung einspeisen, so dass die Wärmepumpe insgesamt weniger Heizwärme erzeugen muss. Eine intelligente Steuerung kann dafür sorgen, dass die Wärme der Solarthermie bevorzugt genutzt wird, so dass die Wärmepumpe nur liefern muss, wenn es nicht genug Sonnenstrahlung gibt. Der solare Deckungsgrad liegt typischerweise etwa zwischen 15 und 30 Prozent.

Oder die Solarthermie macht die erzeugte Wärme für die Wärmepumpe als Umweltwärmequelle nutzbar, indem sie dem Kältemittelkreislauf der Wärmepumpe vorgelagert wird. Das ist sowohl bei Luft-Wasser-Wärmepumpen als auch bei Erdwärmepumpen möglich. Weil die Wärmepumpe dann mit einer höheren Ausgangstempertur arbeitet und eine geringere Temperaturdifferenz überwinden muss, arbeitet sie effizienter.
Beides kann vor allem in der Übergangszeit helfen, Strom für die Wärmepumpe zu sparen.

Die allermeisten Solarthermie-Anlagen sind so installiert, dass sie sowohl Warmwasser als auch Heizwärme liefern können. Das braucht aber mehr Kollektorfläche, einen deutlich größeren oder weiteren Speicher und eine technisch komplexere Einbindung ins System als eine reine Warmwasser-Solarthermie. Der Zusatznutzen ist stark vom Haus und der Region abhängig.

Faustregel: In kleineren Gebäuden und Haushalten ist die reine Warmwasser-Solarthermie in der Regel der lohnendere erste Schritt als eine große heizungsunterstützende Anlage. Wenn du dagegen ohnehin einen großen Speicher brauchst und viel Warmwasser verbrauchst, kann mehr Solarfläche und eine Einbindung ins Heizsystem sinnvoll sein.

Dafür muss der Fachbetrieb die nötige Leistung der Anlage allerdings genau berechnen und die Komponenten sorgfältig aufeinander abstimmen. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) entscheidet vor allem die Planung von Speicher und Hydraulik darüber, ob Solarwärme wirklich ankommt.

Solarthermie: Wie groß müssen Kollektorfläche und Speicher ungefähr sein?

Wie groß die Solarthermie sein muss, hängt nicht nur von deinem Dach ab, sondern maßgeblich von deinem Bedarf. Zwei typische Fehler sind zu knapp oder zu groß bemessene Anlagen. Ist die Kollektorenfläche zu klein, sparst du kaum Strom. Ist sie zu groß, produziert sie im Sommer Überschüsse, die du nicht nutzen kannst. In diesem Fall steigt die Komplexität der gesamten Heizungsanlage, ohne dass die Einsparung mitwächst.

Als grobe Orientierung arbeiten Planer:innen mit deinem Warmwasserbedarf, dem gewünschten Deckungsgrad durch Solarthermie und dem zu erwartenden Ertrag am Standort. 

Als Faustregel für die notwendige Fläche nennt das Portal CO2Online:

  • Solarthermie für Warmwasser: 1,5 m2 Flachkollektor bzw. 1 m2 Röhrenkollektor pro Person

  • Solarthermie für Heizung und Warmwasser: 3 m2 Flachkollektor bzw. 2 m2 Röhrenkollektor pro Person
    Allerdings kommt es bei der genauen Auslegung auch auf den Zustand des Gebäudes an. Du solltest sie dir daher vorab im Rahmen einer Energieberatung genau berechnen lassen.

Die Größe des Pufferspeichers hängt unter anderem davon ab, was die Solarthermie genau leisten soll, wie viel Leistung die Wärmepumpe liefert und wie hoch der Warmwasser- und Wärmebedarf des Haushalts ist. Expert:innen berechnen die optimale Dimensionierung anhand von Gebäude- und Verbrauchsdaten.
  •  Als grobe Faustregel gelten in etwa 60 bis 100 Liter pro Person für die Warmwasserbereitung und etwa 60 Liter pro Quadratmeter Kollektorfläche für die Heizungsunterstützung. 

Wichtig: Für die Kombination mit einer Wärmepumpe ist außerdem entscheidend, wie effizient diese aus Strom Wärme macht. Das drückt die Jahresarbeitszahl (JAZ) aus. Sie zeigt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom bereitstellt.
Typischerweise liegt sie zwischen 3 und 5. Hat deine (geplante) Wärmepumpe bereits ein hohe JAZ, kannst du mit einer zusätzlichen Solarthermie womöglich nicht so viel Strom einsparen, dass sich die Anlage wirklich rechnet.

Was kostet eine Solarthermie-Anlage und welche Förderung gibt es?

Ob sich die Ergänzung einer Wärmepumpe mit einer Solarthermie finanziell auszahlt, ist am Ende eine Frage der Zusatzkosten (inklusive Fördermittel) und der tatsächlichen Stromersparnis. Die Zusatzkosten umfassen neben den Kollektoren auch einen Speicher, die Regelungstechnik und die physische Einbindung in die Heizungsanlage. CO2Online nennt für Solarthermie als typischen Kostenrahmen

  • Für Flachkollektoren: ca. 300 – 500 Euro pro m2 Kollektorfläche 
  • Röhrenkollektoren: ca. 600 – 800 Euro pro m2 Kollektorfläche
Die Kosten für ein typisches Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche lägen damit durchschnittlich bei etwa 5.000 Euro für eine reine Warmwasser-Solarthermie und bei rund 10.000 Euro für Anlagen, die Heizung und Warmwasser liefern.

Die Nachrüstung von Solarthermie-Anlagen ist sind grundsätzlich über das Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG EM) förderfähig. Es gelten weitgehend die gleichen Fördersätze wie für Wärmepumpen:

  • 30 Prozent Grundförderung
  • 20 Prozent Geschwindigkeitsbonus, wenn du selbst im Gebäude wohnst und eine alte Heizung vor 2029 durch eine Solarthermie bzw. Solarthermie-Hybridanlage ersetzt
  • 30 Prozent Einkommensbonus bei unter 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen
  • Maximale Förderung: 70 Prozent

Was kosten Wärmepumpen und welche Förderung gibt es?

Die Anschaffungs- und Installationskosten sind stark von den individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes abhängig. Als grober Richtwert für Luft-Wasser-Wärmepumpen gelten rund 30.000 Euro – wobei die Spanne groß ist und von etwa 15.000 bis 45.000 Euro reicht.

Die Fördersätze für das Nachrüsten einer Wärmepumpe sind aktuell die gleichen wie für die Solarthermie, mit einer Ergänzung:

  • 30 Prozent Grundförderung
  • 20 Prozent Geschwindigkeitsbonus, wenn du selbst im Gebäude wohnst und eine alte Heizung vor 2029 durch eine Wärmepumpe ersetzt
  • 30 Prozent Einkommensbonus bei unter 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen
  • 5 Prozent Effizienzbonus, wenn die Wärmepumpe ein natürliches Kältemittel nutzt oder als Wärmequelle Wasser, Erdreich oder Abwasser erschließt
  • Maximale Förderung: 70 Prozent
  • Übrigens: Auch eine professionelle Energieberatung durch zertifizierte Effizienzexpert:innen wird mit 50 Prozent oder bis zu 650 Euro im Ein- und Zweifamilienhaus gefördert.

Wichtig: Fördervoraussetzungen und Fördersätze können sich ändern. Aktuell ist die Förderung günstig, wie sie sich in Zukunft entwickelt ist aber unklar. Behalte daher unbedingt die Bedingungen im Blick.


Die Alternative: Ist Photovoltaik plus Wärmepumpe die bessere Kombination?

Mittlerweile reichen Wärmepumpen in den meisten Fällen als alleinige Heizung aus, um Gebäude effizient zu beheizen. Technisch notwendig sind Hybridsysteme – wie jenes aus Solarthermie und Wärmepumpe – nur selten.

Ob eine Kombination aus Solarthermie und Wärmepumpe sich wirklich rechnet, entscheidet sich am Einzelfall und hängt davon ab, dass beide Komponenten korrekt dimensioniert und aufeinander abgestimmt sind.

Wenn die Dachfläche eher klein ist und nur für eine Solar-Variante Platz bietet, lohnt sich oftmals die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik mehr. Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt Strom, den die Wärmepumpe nutzen kann, um Heiz- und Brauchwasser zu erwärmen. Gleichzeitig versorgt die PV-Anlage auch den Rest des Haushalts mit Solarstrom und kann beispielsweise ein E-Auto günstig laden.

Eine Photovaltaik-Anlage reduziert also einerseits die Stromkosten für die Wärmepumpe und den Rest des Haushalts. Andererseits erhöht eine Wärmepumpe den Eigenverbrauch des Solarstroms und damit die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage. Verschiedene Studien sind bereits zu dem Schluss gekommen, dass die Kombination aus PV und Wärmepumpe langfristig die niedrigsten Gesamtkosten aller Heizsysteme verursacht und sich am schnellsten amortisiert.

Tipp: Wenn du eine gut dimensionierte Photovoltaik-Anlage hast oder planst, kann sich auch ein PV-Heizstab lohnen, um die Heizkosten weiter zu senken. Er kann überschüssigen Solarstrom direkt in Form von Wärme in den Pufferspeicher der Heizung einspeisen.

Es gibt aber noch eine Variante: Es ist auch möglich, Solarthermie und Photovoltaik zu kombinieren, entweder mit zwei separaten Anlagen auf dem Dach oder einem Hybridsystem, so genannten PVT-Kollektoren. Für den Betrieb einer Wärmepumpe und bei begrenzter Dachfläche kann letzteres interessant sein, da das System Wärme und Strom gleichzeitig liefern kann. Allerdings kommt es auf eine sehr genaue Planung und Rechnung an, denn PVT-Anlagen sind teurer als Photovoltaik-Anlagen.
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