Werner Koller, LL.M.
In einem Artikel der ZEIT ist am Wochenende zu lesen, dass Deutschland seit der Corona-Pandemie etwa 341.000 Industriearbeitsplätze verloren hat. Das stimmt mit Blick auf die Statistik nur bedingt.
Während die Beschäftigung im primären (Landwirtschaft) und sekundären Sektor (Industrie und Gewerbe) seit 2019 stagniert, hat sie im tertiären Sektor (Dienstleistungen) zugenommen.
Im Jahr 2024 waren hier rund 1,4-mal so viele Personen beschäftigt wie noch 1993 und ihr Anteil erreichte 71,8 Prozent.
In der öffentlichen Statistik wird jeder Arbeitsplatz eines Industrieunternehmens, auch wenn er wie etwa in Forschung und Entwicklung oder Marketing und Vertrieb nichts mit der Produktion zu tun hat, im sekundären Sektor verortet. Werden diese Tätigkeiten aber nun ausgelagert, wandern die zugehörigen Arbeitsplätze in den Dienstleistungsbereich. Dadurch lässt sich etwa die Hälfte des statistischen Beschäftigungsrückgangs der Industrie erklären. Von den verbleibenden 50 Prozent entfallen wiederum etwa die Hälfte auf Automatisierung und lediglich das restliche Viertel auf Standortverlagerungen.
Das gilt ähnlich auch für die Wertschöpfung: Die fortschreitende Entkoppelung der industriellen Umsätze vom Produktionsindex hat schlicht damit zu tun, dass bspw. Autohersteller und Maschinenbauer einen steigenden Teil ihrer Marktleistung nicht mehr mit dem Produkt an sich, sondern mit zugehörigen Dienstleistungen erbringen.
Die bemängelte "De-Industrialisierung" ist zum größten Teil schlicht ein Strukturwandel hin zu einem höheren Service-Anteil. Diesen Trend haben andere große Volkswirtschaften im übrigen bereits vor Jahrzehnten vollzogen.
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