Utopia hier Von Lena Rauschecker 11. Mai 2026,
Studie überrascht: Mehrheit der deutschen Autoindustrie will weg vom VerbrennerÜber 60 Prozent der deutschen Automobilunternehmen sind auf dem Weg zur E-Mobilität bereits sehr weit – das zeigt eine neue Studie von Fraunhofer ISI und der Universität Sussex.
Eine neue Studie zeigt ein überraschend positives Bild der deutschen Automobilindustrie: Die große Mehrheit der befragten Unternehmen gibt an, die Transformation zur Elektromobilität bereits weit vorangetrieben zu haben. Mehr als 20 Prozent sind nach eigener Einschätzung vollständig auf E-Mobilität ausgerichtet, weitere knapp 40 Prozent befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Forschenden bezeichnen diese Gruppe von über 60 Prozent als „Vorreiter“. Den Vorreitern gegenüber stehen die „Nachzügler“, zu denen auch die rund zwölf Prozent zählen, die bislang keinerlei Neuausrichtung zur Elektromobilität vorgenommen haben.
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI führte die Befragung gemeinsam mit der Universität Sussex im Rahmen des vom Europäischen Forschungsrat geförderten EMPOCI-Projekts durch. Von August bis November 2025 wurden 74 Führungskräfte aus Fahrzeugherstellern, Zulieferern und dem weiteren automobilen Ökosystem befragt – mehrheitlich kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Autobranche: Innovationen fließen vor allem in die E-Mobilität
Über drei Viertel der befragten Unternehmen führten in den Jahren 2022 bis 2024 Innovationsaktivitäten durch, der Schwerpunkt lag dabei klar auf Elektromobilität und Digitalisierung. Nur etwa ein Drittel der Firmen investierte noch in Innovationen bei der Verbrennertechnologie.
Das Forschungsteam fragte die Unternehmensvertreter:innen auch, welche politischen Maßnahmen sie sich zur Unterstützung bei der Transformation wünschen. Die Lockerung der CO2-Flottengrenzwerte war die am wenigsten gewünschte Maßnahme – rund 60 Prozent der Befragten stehen ihr skeptisch gegenüber. Über 80 Prozent wünschen sich stattdessen mehr staatliche Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation sowie niedrigere Strompreise.
Studie: Wer das Verbrenner-Aus aufweicht, bestraft die Falschen
Genau hier sehen die Studienautor:innen ein Problem: Die Vorreiter – also jene Unternehmen, die bereits erheblich in die Elektromobilität investiert haben – sprechen sich klar gegen eine Aufweichung des Verbrenner-Aus ab 2035 aus. Nur die Nachzügler, die noch stark auf Verbrennertechnologie setzen, wünschen sich eine Verlangsamung der Transformation.
Wer auf EU-Ebene für Lockerungen
beim Verbrenner-Aus eintritt,
setzt sich damit laut Studie vor allem für die Nachzügler ein – und benachteiligt die innovativsten Unternehmen der Branche
beim Verbrenner-Aus eintritt,
setzt sich damit laut Studie vor allem für die Nachzügler ein – und benachteiligt die innovativsten Unternehmen der Branche
Projektleiterin Prof. Dr. Rogge warnt in einer Pressemitteilung: „Ein Zickzackkurs schwächt Planungssicherheit und die deutsche Innovationsstärke in Zukunftstechnologien. Nur mit glaubwürdiger und verlässlicher politischer Unterstützung kann die Transformation der deutschen Automobilindustrie gelingen.“
Hintergrund: Verbrenner-Aus und CO2-Flottengrenzwerte
Was sind CO2-Flottengrenzwerte?Die EU schreibt vor, wie viel CO2 neu verkaufte Autos im Durchschnitt ausstoßen dürfen. Wenn Fahrzeughersteller diesen Grenzwert überschreiten, müssen sie Strafzahlungen leisten. Die CO2-Flottengrenzwerte werden schrittweise verschärft – mit dem Ziel, den Anteil emissionsfreier Neuwagen kontinuierlich zu steigern.Was ist das Verbrenner-Aus?2023 beschloss die EU, dass ab 2035 keine neuen Pkw mit Benzin- oder Dieselmotor mehr verkauft werden dürfen. Der CO2-Grenzwert für Neuwagen sinkt dann auf null und lässt faktisch nur noch Elektroautos oder Wasserstofffahrzeuge zu.
Im Mai 2025 lockerte die EU die Flottengrenzwerte für den Zeitraum bis 2025 allerdings bereits leicht. Im Dezember 2025 legte die EU-Kommission ein umfassendes Lockerungspaket vor, das den Grenzwert für 2035 von 100 auf 90 Prozent senken soll. Verbleibende Emissionen könnten dann durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden.
Kritiker:innen, auch aus weit transformierten Unternehmen, warnen, dass häufige politische Regeländerungen die Planungssicherheit zerstören und Investitionen in die Elektromobilität gefährden.
Glaubwürdigkeit der Politik auf niedrigem Niveau
Die Studie zeigt zudem, dass die wahrgenommene Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik seit 2022 stark gesunken ist. Den Tiefpunkt markierten die abrupten Kürzungen bei der E-Mobilitätsförderung im November 2023 infolge der Haushaltskrise. Seither hat sich das Vertrauen der Unternehmen in den politischen Willen zur Transformation kaum erholt.
Die Forschenden empfehlen deshalb, den bestehenden Politik-Mix zu stabilisieren und gezielt zu ergänzen – etwa durch Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen, so das Fazit, kann die deutsche Automobilindustrie ihre Chance auf eine Führungsposition im globalen Innovationsrennen nutzen.
Utopia.de meint: E-Mobilität setzt sich wirtschaftlich durch
Ein Großteil der Autoindustrie hat sich längst der Elektromobilität verschrieben und investiert in diese Technologie statt am Verbrennermotor festzuhalten. Umso unverständlicher, dass die Politik ausgerechnet diesen innovativen Unternehmen in den Rücken fällt. Wer das Verbrenner-Aus aufweicht oder die Flottengrenzwerte lockert, schützt nicht die Autoindustrie, sondern schwächt ihre wettbewerbsfähigsten Vorreiter.
Trotz allem ermutigen die Studienergebnisse. Denn sie zeigen: Die deutsche Autoindustrie setzt trotz des politischen Schlingerkurses mehrheitlich auf E-Mobilität. Das beweist, dass sich klimafreundliche Technologien nicht nur im Energie-, sondern auch im Verkehrssektor längst zu einem tragenden Wirtschaftsfaktor entwickelt haben. Und sich darum mittelfristig kaum noch ausbremsen lassen.
Daniel Mautz / LinkedIn
China exportiert erstmals mehr E-Autos als Verbrenner. Das ist keine gute Nachricht. Das ist eine Warnung.
52,7 Prozent aller chinesischen Autoexporte waren im April sogenannte New-Energy-Vehicles.
Batterieelektrische, Plug-in-Hybride, Range Extender. Die Zahl hat sich auf 406.000 Einheiten mehr als verdoppelt.
Gleichzeitig bricht der chinesische Binnenmarkt ein. Die Verkäufe sinken um über 20 Prozent. Was passiert, wenn der größte Automarkt der Welt schwächelt? Er exportiert. Aggressiv.
Und nein, das ist keine Werbung für chinesische Autos. Wer das so liest, hat das Problem nicht verstanden. Während hierzulande Lobbyverbände und willfährige Politiker:innen das Verbrenner-Aus aufweichen und Schein-Technologieoffenheit als Ausrede für Stillstand zelebrieren, baut China die Exportinfrastruktur für elektrifizierte Mobilität systematisch aus. 769.000 Fahrzeuge in einem einzigen Monat. Das ist kein Zufall. Das ist Industriepolitik mit klarer Richtung.
Ja, New Energy Vehicles sind nicht alle rein batterieelektrisch. Plug-in-Hybride und Range Extender sind dabei. Aber selbst das zeigt den Unterschied. China elektrifiziert das gesamte Spektrum. Deutschland diskutiert noch, ob man überhaupt elektrifizieren soll.
Steigende Ölpreise treiben in China die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen. In Deutschland treiben steigende Ölpreise die Nachfrage nach Pendlerpauschale und Tankrabatten. Ok, das war gemein. Die Politik und Medien ja konsequent sorgen dafür, dass es so ist.
Wer heute noch glaubt, Schein-Technologieoffenheit sei eine Strategie, wird bald feststellen, dass die einzige offene Technologie die offene Werkshalle war. Leer.
Link: https://lnkd.in/ecQngxSz

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