Deutschlandfunk hier Podcast
Frau Büüsker@uedio.bsky.social
Das Gremium steht nach einem geplatzten Treffen am Wochenende ohne Zeitplan und Finanzierung da.
Was ist los im IPCC?
Saudi-Arabien, Russland, Indien und andere...
Sie wollen langsamer machen. Hintergrund ist der aktuelle Bericht, den der IPCC verfasst.
Hier würden fachliche Belange des globalen Südens nicht berücksichtigt, so der Vorwurf.
Ne, Mumpitz, sagt jetzt eine große Gruppe von Forschenden in einem offenen Brief. Perspektivenvielfalt schaffen wir über Wissenschaftlichkeit
Zur Erinnerung: Im IPCC arbeiten Fachleute aus der Wissenschaft zusammen. Nach wissenschaftlichen Methoden.
Aber: Den Rahmen dafür schafft die Politik. Und an diesem Rahmen wird derzeit gerüttelt.
Dabei ist das Timing entscheidend.
Denn: Im November 2028 steht im Klimaprozess der UN die nächste globale Bestandsaufnahme an. Wie schlimm ist es, was muss sich ändern?
Bis dahin einen neuen IPCC Bericht haben, wäre eine wichtige Grundlage.
Das aber blockiert das Verhalten der Saudis/Inder etc gerade
Tagesspiegel hier 20.10.2026, Patrick Eickemeier
Doppeltes Spiel um den Klimabericht: Verzögerungstaktik soll Weltklimarat
kaltstellen
Einige Länder sagen, der nächste Klimabericht brauche mehr Zeit. Andere vermuten, sie wollen sein Erscheinen verzögern, um die international vereinbarten Klimaziele auszuhöhlen.
Was ist da los beim IPCC?
Es ist eine Entwicklung, die Fortschritte im international vereinbarten Klimaschutz um Jahre zurückwerfen könnte. Am Freitag hat der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Jim Skea, die Versammlung der Mitgliedsstaaten in Addis Abeba in Äthiopien vorzeitig beendet. „Das bedeutet, dass die Arbeit des Plenums nicht abgeschlossen ist“, so Skea in einer anschließend vom IPCC verbreiteten Erklärung.
Zwei Punkte bleiben offen, die es in sich haben: der Zeitplan für das Erscheinen des nächsten, siebten Sachstandsberichts (AR7) sowie das Budget, aus dem die Arbeit finanziert wird.
Es erscheint nur als geringfügige Verspätung im auf mehrere Jahre angelegten IPCC‑Prozess. Doch es geht um viel Zeit, die jene Länder gewinnen wollen, die mit den fossilen Brennstoffen Erdöl, Erdgas und Kohle Geld verdienen. Und um Zeit, die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber am stärksten von seinen Folgen betroffen sind, nicht mehr haben.
Verhandlungen sollen „so früh wie möglich“ fortgeführt werden
Als sich die Plenarsitzung gegen Ende vergangener Woche hinzog, ohne dass man sich über Zeitplan und Budget einig wurde, mussten viele Delegierte bereits wieder abreisen. Vor allem personell kleine Delegationen aus Entwicklungsländern waren nicht mehr vertreten. „Die umfassende Beteiligung dieser und aller anderen Regierungen“ sei jedoch für die Arbeit des Weltklimarats unerlässlich, sagt Skea. Er kündigt an, die Verhandlungen „so früh wie möglich“ wieder aufzunehmen.
„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir uns auf den Zeitplan für unsere kommenden IPCC-Berichte einigen“, sagt Skea. Dass der Fahrplan nicht steht, ist nach Einschätzung von Fachleuten hochproblematisch. In den ersten Monaten des Jahres 2027 sind etwa Treffen von IPCC-Autorinnen und -Autoren geplant. Es ist derzeit unklar, ob sie dann stattfinden können.
Bestandsaufnahmen im Klimaschutz
Mit den „Global Stocktakes“ der Klimarahmenkonvention UNFCCC sollen alle fünf Jahre Klimaschutzmaßnahmen erfasst und bewertet werden, die die globale Erwärmung möglichst unter 1,5 Grad Celsius und sicher unter zwei Grad halten sollen. Die Stocktakes sind das zentrale Überprüfungsinstrument des Pariser Klimaabkommens von 2015.
Der erste Global Stocktake wurde im Jahr 2023 abgeschlossen. Damals wurde festgestellt, dass zwar nahezu alle Länder Klimaschutzmaßnahmen ergriffen hätten, diese aber nicht dazu ausreichten, die in Paris vereinbarten Ziele zu erreichen. Zudem bliebe immer weniger Zeit, wieder auf Kurs zu kommen. Der zweite Global Stocktake soll 2028 abgeschlossen werden.
Wenn sie verschoben werden müssten, würde das den gesamten Zeitplan verändern, bis hin zum Erscheinen des Sachstandberichts. Dieser ist jedoch eine Grundlage für die nächste globale Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen, zu denen sich die Länder mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 verpflichtet haben. Die „Global Stocktake“ genannte Bestandsaufnahme soll Ende 2028 abgeschlossen werden. Der nächste Sachstandsbericht des IPCC könnte nun aber erst im Jahr 2029 erscheinen.
Für die Verzögerung des Berichts haben sich im IPCC-Plenum etwa Länderdelegationen aus Saudi-Arabien, Russland, Indien und weiteren Ländern ausgesprochen. Die saudi-arabische Delegation bezeichnete den Plan der wissenschaftlichen Leiter der IPCC-Arbeitsgruppen, ihre Berichte vor dem anstehenden Global Stocktake abzuliefern, als „übereilt“. Entwicklungsländer könnten sich nicht ausreichend beteiligen. Die chinesische Delegation unterstützte diesen Standpunkt und sprach sich zudem dagegen aus, dass die Sachstandsberichte mit dem Global-Stocktake-Prozess verknüpft werden müssten.
Die Störer haben leichtes Spiel.
„Es gab solche Blockaden schon früher“, sagte Niklas Höhne vom Kölner NewClimate Institute dem Tagesspiegel. Er beobachtet den IPCC und die Klimaschutz-Verhandlungen der Vereinten Nationen seit bald 30 Jahren. Nur damals hätten die USA blockierende Länder in die Schranken gewiesen. „Diese Funktion übt das Land jetzt nicht mehr aus, damit haben die Störer ein leichtes Spiel.“
Selbst in den Jahren der Covid-19-Pandemie wurde der letzte, sechste Sachstandsbericht nur mit wenigen Monaten Verspätung fertiggestellt. Zur vorgebrachten Sorge der saudi-arabischen und einiger weiterer Delegationen, dass Entwicklungsländer nicht ausreichend einbezogen würden, sagt Höhne: „Da gibt es noch viel zu tun, aber einige Länder nutzen dieses Thema, um den IPCC bedeutungslos zu machen, allen voran Saudi-Arabien.“ Derzeit ist fraglich, ob die Ergebnisse aus dem Sachstandsbericht in die globale Bestandsaufnahme einfließen können.
Die Beteiligung der Entwicklungsländer als Deckmantel für Einzelinteressen
„Es war richtig, die Plenarsitzung vorzeitig zu beenden“, sagte Bill Hare, Geschäftsführer des Instituts Climate Analytics und ebenfalls langjähriger Beobachter des internationalen Klimaschutzes, dem Tagesspiegel. Die Notwendigkeit, alle Länder gleichermaßen einzubeziehen, dürfe aber nicht dafür instrumentalisiert werden, die wissenschaftliche Arbeit aufzuhalten.
Die Mehrheit der Länder des Globalen Südens wünscht keine Verzögerung.
Bill Hare ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Climate Analytics. Der Physiker und Klimaforscher hat seit 1989 zur Entwicklung internationaler Klimaabkommen beigetragen, unter anderem als Autor des IPCC und Berater von Entwicklungsländern.
„Es gibt eine Handvoll Länder, die vorgeben,
im Namen des Globalen Südens für eine Verzögerung einzutreten, obwohl die Mehrheit der Länder des Globalen Südens keine Verzögerung wünscht“
sagt Hare.
Er vermutet, dass das Prinzip der Gerechtigkeit genutzt würde, um nationale Interessen zu verfolgen,
fossile Brennstoffe zu produzieren und zu nutzen.
In der Plenarsitzung wandte sich etwa die Delegation des südpazifischen Inselstaats Vanuatu gegen jegliche Verzögerungen des Sachstandsberichts. Erkenntnisse, die erst nach dem Global Stocktake veröffentlicht würden, kämen für Entscheidungen über die Förderung fossiler Brennstoffe und entsprechende Subventionen zu spät. Jedes Jahr der Verzögerung wäre aber ein Jahr, in dem die am stärksten betroffenen Gemeinschaften Verluste erleiden würden, die weder gemessen noch geltend gemacht werden könnten.
Würde man dem anstehenden Global Stocktake die wissenschaftliche Grundlage des IPCC-Sachstandsberichts vorenthalten, würde dies seine Bedeutung untergraben, sagt Bill Hare. Damit würden auch bewusst geschaffene Verbindungen zwischen dem IPCC und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und ihren Zielen gekappt.
„Es bedarf nun dringend einer Einigung, um den freiwilligen Autoren, von denen mehr als die Hälfte aus Entwicklungsländern stammt, Planungssicherheit zu geben und einen Zeitplan zu gewährleisten, nach dem alle Arbeitsgruppenberichte im Jahr 2028 veröffentlicht werden“, sagt Hare, „rechtzeitig, um in den Global Stocktake einfließen zu können.“
Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel zuversichtlich: „Es ist nach wie vor möglich, dass alle drei AR7-Teilbände rechtzeitig erscheinen.“
Die Bundesregierung setze sich mit einer breiten Allianz von Staaten dafür ein. Es sei nur eine kleine Gruppe von Staaten, die auf ein späteres Erscheinen des Berichts drängt. „Auf der Sitzung in Addis Abeba wurde erneut deutlich, dass dieser Konflikt nicht zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern ausgetragen wird“, so die Sprecherin.
Unterdessen haben bereits mehr als 100 der IPCC-Autorinnen und -Autoren einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie bekräftigen, trotz der politischen Unsicherheiten, mit denen sie derzeit konfrontiert sind, den AR7-Bericht wie bisher geplant fertigstellen zu wollen: „Unsere Botschaft an die Regierungen und an die Welt ist einfach: Wir werden weiterarbeiten. Die Dringlichkeit der Klimakrise ist unser Antrieb. Wir sehen sie jeden Tag in unserer Arbeit.“
Weltklimarat: Streit um die Wahrheit in Addis Abeba
https://www.fr.de/politik/weltklimarat-streit-um-die-wahrheit-in-addis-abeba-94550380.html?utm_source=flipboard&utm_content=topic%2Fde-klimawandel


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