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Totalitäre Kapitalisten und die Freiheit
Während über das Erstarken der AfD geschwiegen wird, läuft das bürgerliche Lager Sturm gegen linke Regierungsoptionen.
Zeit, mit den Mythen aufzuräumen und über die wirkliche Bedrohung für unsere Freiheit zu sprechen: einen entfesselten, totalitären Kapitalismus.
Kalle Pipoh 18. Oktober 2026
Totalitäre Kapitalisten und die Freiheit
Überall herrscht anscheinend große Besorgnis.
Überall in den sozialen Netzwerken mahnende Stimmen, die das Ende der Freiheit befürchten.
Das Fortbestehen der Bundesrepublik Deutschland scheint bedroht.
Doch nicht, weil die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Macht greift, nachdem sie fast die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl erreicht hat, sondern weil Die Linke in Berlin zusammen mit den Grünen und der SPD regieren könnte.
Es werden Vorwürfe laut, die Linke pflege enge Kontakte zu kriminellen Clans, sei antisemitisch, wolle privates Eigentum abschaffen.
Fakt ist, der linke Bundesabgeordnete Ferat Koçak chattete mit einem Mitglied der Familie Remmo. Das ist aufzuklären, ohne Zweifel. Daraus aber jetzt eine enge Verbindung der gesamten Partei zur organisierten Kriminalität zu stricken, ist unredlich.
Und ja, die Partei hat ein offensichtliches Antisemitismusproblem. Das lässt sich nicht leugnen oder schönreden.
Doch geht es in der öffentlichen Debatte wirklich darum?
Dann frage ich mich,
- warum die Kontakte mehrerer AfD-Mitglieder zur rechtsextremistischen Personen und Organisationen kaum Thema ist oder gar die Einstufung der AfD als in Teilen gesichert rechtsextremistisch,
- weshalb die Zusammenarbeit der CDU mit dieser rechtsextremistischen Partei kaum zur Sprache kommt,
- weshalb Friedrich Merz trotz seiner zahlreichen rassistische Ausfälle und seiner permanenten Herabwürdigung besonders von Armen und Menschen mit Migrationshintergrund noch immer Bundeskanzler ist,
- weshalb die Vetternwirtschaft innerhalb der CDU und offenkundige Einflussnahme von Konzernen und Milliardären auf die CDU-Politik nicht viel stärker in den Fokus rücken,
- weshalb die zunehmend antidemokratische Haltung der Milliardäre weltweit und auch hier in Deutschland kein Anlass zur Besorgnis zu geben scheint.
Wenn organisierte Kriminalität ein massives Problem ist, weshalb thematisieren wir nicht den organisierten Steuerbetrug durch Milliardäre? Warum nicht die zahlreichen Skandale der Deutschen Bank?
Wenn Rassismus und Antisemitismus problematisch sind, weshalb ist die AfD nicht schon längst verboten? Wenn Antisemitismus ein Problem ist, wieso suchen CDU/CSU und FDP die Nähe der AfD?
Wenn Freiheit so wichtig ist, wieso unterwerfen wir sämtliche Lebensbereiche dem Markt – also den Renditeerwartungen der Überreichen?
- Wo ist die Freiheit der Bevölkerung, wenn 10% der Bevölkerung 2/3 des Gesamtvermögens besitzen – also aller Produktionsmittel, des Grund und Bodens, des gesamten Kapitals?
- Wo bleibt der Aufschrei, dass Bildungserfolg vor allem davon abhängt, wie vermögend die Eltern sind?
- Wo ist die Freiheit derjenigen, die monatelang auf einen Facharzttermin warten müssen, weil die Vermögenden im Gesundheitssystem bevorzugt behandelt werden?
Wo bleibt die Diskussion über die Verbindungen zahlreicher Politiker von CU/CSU, zum Atlas-Network, zur MAGA-Bewegung in den USA oder vor allem von Jens Spahn zu Peter Thiel, der die Demokratie offen ablehnt?
Was besonders Bemerkenswert ist:
Es sind vor allem Politiker aus CDU/CSU und FDP und irgendwelche Personen aus der Wirtschaft, Lobbyisten, CEOs, Manager, Geschäftsführer, Banker, Unternehmensberater usw., die jetzt plötzlich die Freiheit in Gefahr sehen, die aber ansonsten keinerlei Bedenken oder Sorgen äußern, wenn es um die Unfreiheit durch massive Ungleichheit geht und die sich ganz oft auch für eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremistischen AfD aussprechen.
Wenn über die AfD oder die Vernetzung einiger konservativer Politiker mit Demokratiefeinden, Rechtsextremisten und Überreichen geschwiegen wird, wenn die Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen nicht nur durch AfD-Politiker, sondern auch zunehmend durch Unionspolitiker zum Alltag gehören, während eine mögliche Regierung der Linken mit den Grünen und der SPD zur Gefahr für die Freiheit erhoben wird, zeigt das eine gefährliche Verschiebung der Maßstäbe.
Rechtsextremismus und ein zunehmend totalitärer Kapitalismus werden konsequent verharmlost,
während sozialdemokratische oder demokratisch-sozialistische Ansätze als Extremismus geframt werden.
Es scheint, es geht den Beteiligten
nicht um Freiheit,
nicht um Demokratie,
nicht um Gerechtigkeit,
nicht um organisierte Kriminalität,
nicht um Rassismus und
auch nicht um Israel oder Antisemitismus.
Es geht ausschließlich darum, eine linke Regierung zu verhindern um die Ausbreitung eines zunehmend totalitären Kapitalismus nicht zu gefährden
Oder anders gesagt: die überreiche Kaste, diejenigen, die sich bereits den Großteil des gesamten Vermögens und damit der Macht unter den Nagel gerissen haben, sieht ihre demokratisch nicht legitimierte und auf Ausbeutung basierende Macht bedroht.
Das Feindbild Rot-Grün-Rot belastet nur
Die Union kritisiert die Bündnispläne in Berlin mit dem rhetorischen Presslufthammer. Das könnte auf sie selbst zurückfallen.Die Junge Union fordert die Bundesregierung auf, eine mögliche rot-grün-rote Berliner Regierung gesellschaftlich zu ächten und von Informationen von Verfassungsschutz und BKA abzuschneiden.
Art. 15 GG sieht eine Vergesellschaftung ausdrücklich vor, einschließlich gesetzlich geregelter Entschädigung. Über Kosten, Nutzen und die konkrete Ausgestaltung muss gestritten werden. Aber die Forderung selbst belegt keine Verfassungsfeindlichkeit. Das GG lässt auch wirtschaftspolitische Entscheidungen zu, die der Union nicht gefallen.



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