Was in der Nacht auf Sonntag in Georgia passiert ist, war eine Attacke auf Europa.
Audi-Chef Gernot Döllner stand neben Donald Trump und verkündete eine Fabrik für Premium-SUVs.
Die Botschaft: Wir glauben weiter an den Verbrenner.
Kritik kommt von der Betriebsratschefin über SPD-Ministerpräsidenten bis zum Arbeitnehmerflügel der CDU, ebenso von Handelsblatt und FAZ.
Applaus kommt nur noch von Rechtsaußen wie Ulf Poschardt und Julian Reichelt, mittlerweile fast mit den gleichen Worten: „Ökosozialisten“, „zerstörerische, grüne, ökosozialistische Politik“. Verpackt als „bürgerliche Politik“ heißt ihr Applaus: niedrigere Löhne, längere Arbeitszeiten, Green Deal abschaffen.
Diese sprachliche Einigkeit ist der zunehmend verzweifelte Versuch, AfD und CDU doch noch zusammenzubringen.
Und die Menschen in Ingolstadt und Neckarsulm? Die Stimmung dort ist miserabel, berichtet der BR.
Meine Konsequenz: Verlassen Sie sich nicht auf die „da oben“. Nicht auf die Wirtschaftsministerin oder den Kanzler, nicht auf die Chefs von Audi und Volkswagen. Wir bauen selbst.
Die Sonderausgabe des CT Briefings: hier
Was in der Nacht auf Sonntag auf einer Wahlkampfbühne im US-Bundesstaat Georgia passiert ist, war nicht weniger als eine Attacke auf Europa. Als Audi-Chef Gernot Döllner beinahe unterwürfig neben US-Präsident Donald Trump stand und den Bau einer Fabrik für Premium-SUVs verkündete, sendete er eine Botschaft nach Europa: Wir glauben weiter an den Verbrenner und Profite sind uns wichtiger als die Zukunft des Planeten.
Es ist nicht kritikwürdig, dass Audi wie die Konkurrenten Mercedes und BMW nun auch ein eigenes Werk in den USA baut. Ein Eklat ist es aber, wenn daraus ein Auftritt in Trumps Wahlkampf wird, bei dem der Präsident zuvor wie so oft rassistische und frauenverachtende Hetze verbreitet hat. Mit den Werten Deutschlands und den bisherigen Werten einer Marke wie Audi ist das nicht in Einklang zu bringen.
Klar ist: Audi bekommt gute Elektroautos bislang nicht hin und sehnt sich nach einfachen Märkten zurück. China ist verloren. In den USA war Audi wegen Trumps Zollpolitik nicht wettbewerbsfähig. Jetzt soll es ein Werk richten, das frühestens Anfang der 2030er-Jahre stinkende “Premium Verbrenner” baut und in einem schrumpfenden, hart umkämpften Premium-Markt Gewinne liefern soll. Ein Risikospiel, dessen Folgen für Deutschland Gernot Döllner und der offenbar eingeweihte Konzernchef Oliver Blume billigend in Kauf nehmen.
Autobauer verlagern ihre Produktion seit Jahrzehnten dorthin, wo ihre Kunden sitzen oder die Bedingungen besser sind. Doch die Empörung und die Beschämung, die Döllner mit seinem Auftritt in Deutschland ausgelöst hat, werden lange nachwirken. Von der Betriebsratschefin über SPD-Ministerpräsidenten bis zum Chef des Arbeitnehmerflügels der CDU kommt deutliche Kritik, ebenso von Audi zugeneigten Medien wie Handelsblatt und FAZ.
Ist es einer einstigen Vorzeigemarke wie Audi inzwischen egal, dass nur noch Rechtsaußen wie Ulf Poschardt oder Julian Reichelt applaudieren? Verpackt als “bürgerliche Politik” ist deren Applaus klar zu verstehen: Man will niedrigere Löhne, längere Arbeitszeiten, unbändiges fossiles Zeugverbrennen und natürlich den Green Deal in Gänze abschaffen.
“Noch wichtiger allerdings wäre eine bürgerliche Politik, die es überhaupt wieder möglich macht, in Deutschland günstig, effizient und wettbewerbsfähig zu produzieren. Davon sind wir Lichtjahre entfernt.”
Ulf Poschardt, Springer, WELT-Kommentar
Um die “bürgerliche Politik” herbeizuschreiben, wird alles beschimpft, was nicht ins Weltbild passt. Zwischen Reichelt und Poschardt mittlerweile fast mit den gleichen - befremdlichen und spalterischen - Worten:
- “Ökosozialisten”
- „zerstörerische, grüne, ökosozialistische Politik“
- “Die deutsche Automobilindustrie wird Amerika noch reicher machen, während sie in Deutschland verboten (?!?) wird.”
- “Die Deutschen haben sich entschieden, als Moralweltmeister ungeschlagen abzusteigen.”
Diese - auch sprachliche Einigkeit - zwischen Poschardt und Reichelt ist der zunehmend verzweifelte Versuch, die die unsägliche von Skandalen geprägte AfD einerseits und die innerlich zerrissene CDU doch noch zusammenzubringen. Um einem Weltbild zu fröhnen, das keine Zukunftsperspektive hat.
Da selbst der neoliberale Friedrich Merz diese Ideologie nicht verfolgt seit er im Amt ist, wird auch er als “linker als Helmut Schmidt” tituliert. In der Welt von Poschardt und Reichelt ist das eine Beschimpfung.
Zurück zu Audi: Wie fühlen sich die Menschen in Neckarsulm und Ingolstadt, die immer noch an eine glorreiche Zukunft für Audi glauben? Die Stimmung etwa in Ingolstadt ist miserabel, berichtet der BR gestern. Seit Monaten. Der Auftritt Döllners als Marionette von Trump, wird mit wenig Verständnis quittiert.
Klar ist: Die Disruption im Autosektor ist nicht aufzuhalten. Die USA haben Elektroautos bislang vor allem über Tesla angenommen, mit dem autonomen Fahren machen sie womöglich den nächsten Sprung. Es wäre höchst untypisch für eine Disruption, wenn ausgerechnet ein so großer Markt nicht mitzieht. Die Vorteile der Elektromobilität sind zu bahnbrechend.
Weitere Gedanken und eine lebhafte Diskussion zu Döllners Auftritt gibt es bei Cleanthinking.de und in unserer Facebook-Community.
Zwei politische Fragen wirft Döllners Auftritt auf:
- Will er so Druck auf die EU ausüben, damit das (nicht existente) Verbrenner-Aus im November weiter gelockert wird?
- Welche Folgen hat es, dass der Audi-Chef einen mutmaßlich korrupten Präsidenten unterstützt, der keinen Hehl daraus macht, was er von Deutschland und Europa hält?
Dabei hängen wir längst selbst an Trumps Tropf: 96 Prozent des Flüssiggases, das 2025 an deutschen Terminals ankam, stammten aus den USA. Wer mit Gas heizt, heizt mit Trumps Gas.
Beantworten lassen sich diese Fragen erst in einigen Monaten. Eines ist aber schon jetzt klar: Menschen wie Sie, die Leserinnen und Leser dieses Briefings, die Beschäftigten von Audi und alle anderen Gestalter der sauberen Zukunft sollten sich nicht mehr auf irgendwen „da oben“ verlassen. Nicht auf die Bundeswirtschaftsministerin oder den Bundeskanzler, und ebenso wenig auf die Chefs von Audi und Volkswagen.
Die Verwerfungen bei den Gaspreisen hat Donald Trump mit seiner idiotischen Iran-Politik selbst verursacht. Ein Präsident in fossiler Panik und in Panik vor dem Wahltag am 3. November. Ein wild um sich schlagendes Fossil, das vor allem eines will: Deals machen, um selbst im Mittelpunkt zu stehen und sich zu bereichern.
Was zählt, ist deshalb das, was in Ihrem eigenen Umfeld passiert. Machen Sie sich unabhängig von Typen wie Trump, zum Beispiel mit Angeboten wie dem von tink, das wir unten vorstellen. Gasheizung raus, Wärmepumpe rein. Und helfen Sie Ihren Nachbarn, Ihren Eltern und Großeltern und Ihren Freunden zu erkennen, dass wir die saubere Zukunft gemeinsam gestalten können.
Was eine Wärmepumpe in Ihrem Haus spart und warum der Förderantrag vor dem 1. Februar gestellt sein sollte, zeigt unser Gaskosten-Rechner in einer Minute hier
In diesem Sinne,
Ihr Martin Jendrischik



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