Freitag, 9.10., 14 Uhr, Reichstagswiese Berlin
Tim Meyer / LinkedIn
Jeder Verein hat seine Ultras - die Union auch.
Nur nerven die nicht bloß mit ein bisschen Pyrotechnik zu Spielbeginn, sondern haben die Energiepolitik der Bundesregierung fest im Griff.
Wenn‘s schlecht läuft von der Spielvorbereitung (agenda setting) bis Spielende (Bundestagsbeschluss).
Genau diesen Eindruck vermittelt das parlamentarische Verfahren zu EEG und Netzpaket.
Die Verhandlungsführer der Union scheinen die Ultra-Linie des BMWE in allen wesentlichen Punkten durchziehen zu wollen.
Obwohl die gut begründete Kritik zum Beispiel gegen den Redispatchvorbehalt weit über die EE-Branche hinaus geteilt wird, auch innerhalb der Union – siehe Brief von Daniel Günther und die Kritik unionsgeführter Bundesländer. Und obwohl bessere Maßnahmen zur Synchronisierung von Netzausbau und Erneuerbaren auf dem Tisch liegen und der BMWE-eigene Zielpfad bis 2030 gemäß dem BMWE-eigenen Monitoringbericht Beschleunigung von Modernisierung erfordert statt Bremsen.
Als Druckmittel, auch halbgare und offen schädliche Teile des EEG und Netzpaketes durchzuboxen, dient ultimative Pyrotechnik: das absehbare Desaster im Mittelstand, wenn nicht kurzfristig ein neues EEG verabschiedet wird und ein Fadenriss zum 01.01.2027 entsteht. Tausenden Handwerksbetrieben, aber auch großen Solarteuren droht ein für viele existentieller Geschäftseinbruch.
Um diese Kulisse noch schärfer und radikaler auszuschmücken, haben Unions-Ultras sogar noch einen draufgelegt: eine weit über die BMWE-Gesetzesentwürfe hinausgehende Maßnahmenliste. Botschaft: man könnte ja auch das ganze Stadion abfackeln.
Auch im Fußball frage ich mich, was solche Ultras eigentlich antreibt. Und befürchte dasselbe Motiv in der Energiepolitik der Unions-Ultras: nahezu blindwütigen Hass gegen den anderen Verein (hier offenbar die Erneuerbaren) und uneingeschränkte Liebe für den eigenen. Völlig egal, was auf dem Platz passiert und ob der Gegner nicht eigentlich den viel besseren Fußball spielt. Ob man sich vielleicht sogar etwas abgucken könnte? Diesen Gedanken auch nur in Betracht zu ziehen ist nah am Verrat - selbst wenn die eigene Mannschaft gerade in die dritte Liga abzurutschen droht.
Und während Vereinspräsident Merz Sonntagsreden hält, dass man den Club in Anbetracht der kritischen Lage „aus der Mitte heraus“ weiterentwickeln wolle, lässt er die Ultras uneingeschränkt gewähren.
Energiepolitik ist ins Zentrum eines Kulturkampfes gerutscht. Wer holt sie da wieder raus?
Ich bin kein Freund von Dramatisierung, aber im Umgang mit solchen Ultras bin auch ich offen gesagt mit meinem Latein am Ende. Die vielleicht einzige Lösung: die normalen Vereinsmitglieder erreichen und stärken. Denn auch die gibt es noch reichlich in der Union.
Auch deshalb finde ich es wichtig, dass bei der Demo morgen, am 09.10., viele Unternehmen und Fans moderner und günstiger Stromversorgung das Signal senden: wir sind mehr. Und wir reden gerne mit den Vernünftigen aus anderen Vereinen. Nur abfackeln lassen wir uns nicht.


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