Wenn der Glaube an den Markt größer ist als das Wissen über seine Wirkungen
Katherina Reiche verspricht Deutschland drei Dinge - mehr Versorgungssicherheit, niedrigere Energiepreise und mehr wirtschaftliche Freiheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Dafür hat sie Änderungen am Gebäudeenergiegesetz (GEG) und am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg gebracht. Technologieoffenheit, mehr steuerbare Kraftwerkskapazitäten und weniger staatliche Vorgaben sollen dafür sorgen, dass der Energiemarkt effizienter funktioniert und Investitionen wieder stärker in Deutschland stattfinden.
Das klingt zunächst ausgesprochen marktwirtschaftlich - aber genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Ziele wünschenswert sind. Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie und Investitionen sind es zweifellos.
Die Frage lautet vielmehr - funktionieren die ökonomischen Mechanismen, auf die diese Gesetzesänderungen setzen, tatsächlich so, wie es die Politik verspricht.
Thomas Reinsch 9. Oktober 2026
Wenn der Glaube an den Markt größer ist als das Wissen über seine Wirkungen
Der Markt, den es so nicht gibt
Wer Reiches Politik verstehen will, muss zunächst verstehen, von welchem Markt sie ausgeht. Die ökonomische Logik klingt vertraut - Wettbewerb soll die effizienteste Lösung hervorbringen, zusätzliches Angebot soll Preise senken, weniger Regulierung Investitionen freisetzen. Der Staat soll vor allem den Rahmen setzen und sich ansonsten zurückhalten.
Nur funktioniert der Energiemarkt nicht wie ein gewöhnlicher Gütermarkt.
Stromnetze sind Infrastruktur und vielfach natürliche Monopole. Erzeugung und Verbrauch müssen zu jedem Zeitpunkt zusammenpassen. Kraftwerke, Netze, Speicher und Heizsysteme werden für Jahrzehnte gebaut. Preise entstehen zudem nicht allein aus Angebot und Nachfrage, sondern unter dem Einfluss von Netzentgelten, Steuern, CO₂-Preisen, Förderungen, europäischen Regeln und politischen Entscheidungen.
Der Staat steht deshalb nicht außerhalb des Energiemarktes - er gestaltet ihn.
Das ist entscheidend, weil damit auch die Wirkung von Marktmechanismen nicht selbstverständlich ist. Mehr Angebot kann Preise senken - aber welches Angebot? Weniger Regulierung kann Investitionen auslösen - aber welche Investitionen? Technologieoffenheit kann Wettbewerb fördern - aber unter welchen Preis- und Infrastrukturbedingungen?
Genau diese Fragen sind der Prüfstein für Reiches Politik.
Nicht ob der Markt funktioniert, ist die Frage. Sondern ob er unter den von ihr veränderten Bedingungen tatsächlich die Wirkungen hervorbringt, die sie verspricht.
Versorgungssicherheit – funktioniert der Gasmechanismus?
Katherina Reiche hat zunächst ein plausibles Argument - Deutschland wird auch künftig gesicherte Stromleistung benötigen. Elektrifizierung, Wärmepumpen, Elektromobilität, Rechenzentren und neue industrielle Verbraucher werden den Strombedarf erhöhen. Allerdings hat auch Katherina Reiche die frühere Prognose der Ampelregierung inzwischen deutlich nach unten korrigiert - für 2030 rechnet ihr Ministerium inzwischen mit etwa 600 bis 620 Terawattstunden statt der früher angenommenen 750.
Trotzdem hält sie am Aufbau zusätzlicher steuerbarer Kraftwerkskapazitäten fest. Gaskraftwerke sollen einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genügend Strom liefern. Technisch ist das nachvollziehbar.
Die Frage ist deshalb nicht,
ob Deutschland gesicherte Leistung braucht,
sondern ob ausgerechnet Gas
dafür langfristig der richtige Mechanismus ist
Denn die Ausgangslage hat sich verändert. Als Gas als Brücke und Lückenlösung politisch an Bedeutung gewann, lag der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung noch deutlich unter 50 Prozent. Heute stellen sie mehr als die Hälfte. Gleichzeitig wird erneuerbarer Strom bereits deshalb abgeregelt, weil Netze regional überlastet sind.
Damit verschiebt sich das Problem. Es geht nicht mehr darum, was geschieht, wenn Wind und Sonne ausfallen. Es geht zunehmend auch darum, wie vorhandener erneuerbarer Strom gespeichert und genutzt werden kann, wenn er im Überfluss vorhanden ist.
Gaskraftwerke lösen das erste Problem. Sie lösen aber nicht das zweite.
Hinzu kommt ihre besondere Kostenstruktur. Ein Kraftwerk, das nur wenige Stunden im Jahr als Backup benötigt wird, muss trotzdem gebaut, finanziert und betriebsbereit gehalten werden. Seine Betriebskosten hängen vom Gaspreis ab. Gerade die vergangenen und aktuellen Krisen zeigen, dass sich fossile Energiepreise auch durch langfristige Verträge nicht dauerhaft auf ein niedriges Niveau festschreiben lassen.
Soll Gas deshalb künftig nur noch als Versicherung gegen geringe erneuerbare Energieerzeugung dienen, stellt sich ein ökonomisches Problem - wie verdient ein Kraftwerk sein Geld, wenn es möglichst selten laufen soll? Wahrscheinlich über einen Kapazitätsmechanismus, der bereits die Bereitstellung der Leistung vergütet. Der Staat muss dann einen Markt organisieren, weil der normale Strommarkt diese Leistung nicht ausreichend bezahlt.
Das wird notwendig sein. Aber gleichzeitig stellt sich die Frage, ob nicht ein größerer Teil des Kapitals dort eingesetzt werden sollte, wo das neue Energiesystem seine eigentliche Schwachstelle hat - bei Netzen, Speichern und flexiblen Verbrauchern. Wenn erneuerbarer Strom vorhanden ist, aber nicht genutzt werden kann, weil es an Speicher- oder Netzkapazität fehlt, ist zusätzliche fossile Erzeugung nicht die wirkliche Antwort.
Gaskraftwerke können Versorgungssicherheit schaffen. Aber daraus folgt nicht, dass sie das Energiesystem wirtschaftlich in die Zukunft führen. Wer die Versorgungssicherheit des neuen Energiesystems vor allem mit den Instrumenten des alten organisiert, könnte am Ende genau jene Abhängigkeit verlängern, die er eigentlich überwinden will.
Energiepreise – ein Marktproblem oder eine politische Gestaltungsfrage?
Das zweite große Versprechen lautet - Energie soll wieder billiger werden. Für Katherina Reiche ist das eine zentrale Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Mehr Erzeugung, mehr Wettbewerb und weniger staatliche Eingriffe sollen die Preise senken.
Doch auch hier lohnt der Blick auf den Mechanismus.
Am Strommarkt bestimmt nicht der durchschnittliche Erzeugungspreis den Preis. Entscheidend ist die Merit-Order - die Kraftwerke werden nach ihren kurzfristigen Grenzkosten eingesetzt. Das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Börsenpreis für alle eingesetzten Kraftwerke. Wind und Sonne haben sehr niedrige Grenzkosten. Wenn sie ausreichend Strom liefern, drücken sie deshalb den Börsenpreis. Muss dagegen ein teures Gaskraftwerk zugeschaltet werden, kann dessen Grenzkostenpreis den Marktpreis bestimmen.
Das führt zu einem bemerkenswerten Widerspruch - die erneuerbaren Energien können Strom sehr günstig erzeugen und gleichzeitig an der Börse einen hohen Preis erhalten, wenn ein teurer fossiler Erzeuger das letzte benötigte Kraftwerk stellt. Erneuerbare werden dadurch nicht in ihrer Erzeugung teurer - aber ihr Marktpreis orientiert sich zeitweise am teuren Grenzanbieter.
Genau hier stellt sich die Frage nach Reiches Politik. Wenn zusätzliche Gaskraftwerke vor allem für Zeiten gebaut werden, in denen erneuerbare Energien nicht ausreichen, schaffen sie zwar gesicherte Leistung. Sie können aber in diesen Stunden zugleich einen hohen Grenzpreis in das System bringen. Warum sollte mehr Gas deshalb automatisch zu dauerhaft niedrigeren Strompreisen führen?
Damit wird die eigentliche Schwäche des Versprechens sichtbar. Niedrige Strompreise entstehen nicht einfach dadurch,
dass man mehr Kraftwerke baut.
Entscheidend ist, wie das gesamte System organisiert ist.
Wenn Deutschland immer mehr erneuerbaren Strom erzeugt, liegt die wirtschaftliche Aufgabe deshalb nicht darin, zusätzliche Erzeugungskapazitäten bereitzustellen. Es geht darum, die günstige Erzeugung auch dann nutzbar zu machen, wenn sie anfällt - durch Netze, Speicher, flexible Nachfrage und eine intelligente Steuerung des Verbrauchs.
Das verändert auch die Bedeutung von Wettbewerbsfähigkeit.
Die Frage ist nicht nur, wie billig eine Kilowattstunde heute an der Börse ist.
Entscheidend ist, ob Deutschland ein Energiesystem schafft, das langfristig bezahlbar, planbar und weniger abhängig von globalen Brennstoffpreisen ist.
Wer den Strompreis senken will, muss deshalb nicht nur über billigere Erzeugung sprechen.
Er muss die Preisbildung des gesamten Systems verändern. Genau hier ist aber nicht erkennbar, warum eine stärkere Abhängigkeit von Gaskraftwerken die entscheidende Lösung sein soll.
Technologieoffenheit – produziert der Markt wirklich die bessere Lösung?
Das dritte Versprechen klingt zunächst ebenfalls überzeugend - der Staat soll nicht vorgeben, welche Technologie sich durchsetzen muss. Wenn unterschiedliche Lösungen miteinander konkurrieren können, so die Annahme, wird sich am Ende die wirtschaftlichste durchsetzen. Technologieoffenheit soll Innovation ermöglichen und verhindern, dass Politik auf die falsche Technologie setzt.
Das funktioniert allerdings nur, wenn der Markt die tatsächlichen Kosten und Chancen der verschiedenen Technologien abbildet. Genau hier liegt das Problem.
Eine Investition in ein Heizsystem, ein Kraftwerk oder einen Speicher wird nicht für den nächsten Monat getroffen. Sie bindet Kapital über viele Jahre. Entscheidend sind deshalb nicht nur die heutigen Preise, sondern die erwarteten Preise, Infrastrukturbedingungen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und technologischen Entwicklungen über die gesamte Lebensdauer einer Investition.
Wer heute beispielsweise in eine fossile Heizungsanlage investiert, entscheidet sich damit nicht nur für eine Technologie. Er entscheidet sich für einen langfristigen Brennstoffbedarf. Dessen Preis kann niemand seriös für die nächsten zwanzig Jahre vorhersagen. Gleichzeitig verändern sich CO₂-Kosten, Netze, Speichertechnologien und Strompreise.
Technologieoffenheit bedeutet deshalb nicht, dass alle Technologien unter gleichen Bedingungen miteinander konkurrieren. Der Markt entscheidet immer innerhalb eines bestimmten Systems von Preisen, Infrastrukturen und Regeln.
Und dieses System verändert sich gerade grundlegend.
Wind und Photovoltaik sind keine Zukunftstechnologien mehr, auf deren Durchbruch erst gewartet werden müsste. Sie sind bereits ein zentraler Bestandteil der Stromerzeugung. Die wirtschaftliche Herausforderung besteht deshalb zunehmend darin, die noch vorhanden Strukturschwächen (eigentlich liegt man hier Jahre hinter dem Plan zurück) auszugleichen.
Damit verändert sich auch die Bedeutung von Innovation. Die entscheidende Innovation muss nicht mehr zwangsläufig ein neuer Energieträger oder ein völlig neues Kraftwerk sein. Sie kann darin liegen, vorhandene Technologien zu einem leistungsfähigen Gesamtsystem zu verbinden.
Genau hier kann eine rein technologieoffene Marktlogik sogar in die falsche Richtung führen. Wenn alte Technologien ihre bestehende Infrastruktur, ihre eingespielten Geschäftsmodelle und ihre Versorgungsketten behalten, während neue Technologien erst ihre Systeminfrastruktur aufbauen müssen, konkurrieren sie keineswegs unter gleichen Voraussetzungen.
Technologieoffenheit ist deshalb kein Selbstzweck. Sie ist nur dann sinnvoll, wenn der Markt tatsächlich die langfristigen Kosten und Chancen verschiedener Lösungen sichtbar macht.
Technologieoffenheit wird damit selbst
zum ökonomischen Missverständnis.
Denn bei der Stromerzeugung stehen wir nicht mehr
am Anfang eines offenen Technologiewettbewerbs.
Windkraft und Photovoltaik haben sich
technisch und wirtschaftlich bereits als zentrale Formen
der Stromerzeugung durchgesetzt
Ihre Entwicklung wurde durch staatliche Rahmenbedingungen beschleunigt, aber sie wurde vor allem durch technische Fortschritte, massive Kostensenkungen und Investitionen getragen.
Die marktwirtschaftliche Frage lautet deshalb nicht mehr, welche Technologie sich irgendwann durchsetzen könnte. Sie lautet, wie wir mit der Technologie, die sich bereits durchgesetzt hat, ein leistungsfähiges Gesamtsystem organisieren.
Wer jetzt erneut maximale Technologieoffenheit fordert, riskiert deshalb, eine längst begonnene Entwicklung künstlich wieder zu einer offenen Grundsatzentscheidung zu machen, und damit Investitionen und Aufmerksamkeit von der eigentlichen Aufgabe abzuziehen
Der entscheidende Widerspruch:
Die Transformation ist bereits Realität
Was bleibt nach dieser Prüfung?
Die einzelnen Maßnahmen von Katherina Reiche sind keineswegs grundsätzlich unverständlich. Gesicherte Leistung wird benötigt. Energie muss bezahlbar bleiben. Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und Wettbewerb. Auch Technologieoffenheit kann Innovation fördern.
Das Problem beginnt dort, wo aus diesen richtigen Ausgangspunkten bestimmte Wirkungen abgeleitet werden.
Mehr Gaskraftwerke schaffen gesicherte Leistung - daraus folgt aber nicht automatisch ein günstigeres Stromsystem. Ein stärkerer Marktmechanismus kann Investitionen anreizen - daraus folgt nicht automatisch, dass die volkswirtschaftlich sinnvollsten Investitionen entstehen. Technologieoffenheit erweitert die Auswahl - daraus folgt nicht, dass der Markt angesichts langfristiger Investitionsentscheidungen tatsächlich die beste Lösung hervorbringt.
Und beim Preis wird der Widerspruch besonders deutlich - wenn fossile Brennstoffe auf internationalen Märkten erheblichen Preisschwankungen unterliegen und Gaskraftwerke in Knappheitssituationen den Strompreis bestimmen können, ist nicht erkennbar, warum eine stärkere Rolle von Gas zu dauerhaft niedrigeren Energiepreisen führen sollte.
Damit zeigt sich ein Muster.
Die Maßnahmen setzen jeweils an einem realen Problem an,
aber die daraus erwarteten Wirkungen beruhen
auf Annahmen über Marktmechanismen,
die unter den heutigen Bedingungen
nicht selbstverständlich abzuleiten sind.
Das ist umso bemerkenswerter,
weil die Transformation des Energiesystems längst Realität ist.
Die entscheidende ökonomische Aufgabe besteht deshalb nicht mehr darin, die alte Energiewelt mit etwas mehr Markt und etwas weniger Regulierung wieder funktionsfähig zu machen. Sie besteht darin, die bereits entstandene neue Struktur wirtschaftlich leistungsfähig zu organisieren.
Genau hier liegt der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirkung. Reiches Politik setzt auf Markt, Wettbewerb und Technologieoffenheit. Diese Prinzipien können sinnvoll sein. Aber mit den gesetzlichen Veränderungen sind die „versprochenen“ Wirkgarantien mehr als zweifelhaft. Sie entfalten ihre Wirkung nur unter bestimmten Bedingungen - und diese Bedingungen haben sich mit der Transformation des Energiesystems verändert.
Der Glaube an die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen ist deshalb größer als das Wissen darüber, unter welchen Bedingungen ihre ökonomischen Mechanismen tatsächlich funktionieren.
Nicht gegen den Markt – sondern gegen ein falsches Verständnis davon
Die Frage dieses Artikels war nicht, ob Katherina Reiches Ziele falsch sind. Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit sind legitime wirtschaftspolitische Ziele. Obwohl gerade bei Infrastrukturen, von denen die gesamte Gesellschaft abhängt, stellt sich eine weitergehende Frage - nicht nur, wie der Markt funktioniert, sondern auch, wem seine zentralen Voraussetzungen gehören und wessen Interessen ihre Nutzung bestimmt.
Aber die Frage war eine andere - folgen diese Ziele tatsächlich aus den Maßnahmen, die sie dafür ergreift?
Genau hier bleiben große Zweifel. Gaskraftwerke können Versorgungssicherheit schaffen, garantieren aber keine niedrigen Preise. Technologieoffenheit kann Wettbewerb ermöglichen, beantwortet aber nicht die Frage, welche Technologie unter den Bedingungen eines bereits transformierten Energiesystems die wirtschaftlich sinnvollste ist. Weniger Regulierung kann Investitionen erleichtern, ersetzt aber keine verlässliche langfristige Infrastruktur- und Investitionsperspektive.
Damit wird die eigentliche Schwäche des zugrunde liegenden Marktmodells sichtbar.
Der Energiemarkt ist kein Markt, der unabhängig von politischen Entscheidungen existiert. Der Staat bestimmt Regeln, Infrastruktur, Abgaben, CO₂-Preise, Förderbedingungen und zunehmend auch die Mechanismen, mit denen Versorgungssicherheit vergütet wird. Der Markt wird politisch hergestellt – und seine Ergebnisse sind deshalb niemals einfach nur das Ergebnis des Marktes.
Trotzdem werden wirtschaftstheoretische Annahmen, die unter idealisierten Bedingungen funktionieren können, auf dieses hochgradig gestaltete System übertragen.
Das ist der eigentliche Denkfehler - nicht der Staat verhindert hier den perfekten Markt.
Der Staat schafft einen Markt, dessen Voraussetzungen selbst politisch bestimmt sind - und behandelt dessen mögliche Ergebnisse anschließend als ökonomische Notwendigkeit.
Die deutsche Energiewende ist längst keine Wette mehr darauf, ob Wind und Sonne irgendwann funktionieren werden.
Die Wette besteht inzwischen darin,
ob Deutschland aus diesen Technologien ein leistungsfähiges, bezahlbares und resilientes Energiesystem entwickeln kann.
Wer diese Veränderung nicht
zur Grundlage seiner Wirtschaftspolitik macht,
riskiert, mit marktwirtschaftlich klingenden Instrumenten Probleme zu lösen, die einer anderen Zeit angehören
Katherina Reiche glaubt mehr als sie weiß. Nicht weil Markt, Wettbewerb oder Technologieoffenheit keine Wirkung hätten. Sondern weil ihre Wirkung niemals selbstverständlich ist. Wer Marktmechanismen zur Grundlage politischer Eingriffe macht, muss zuerst verstehen, unter welchen Bedingungen sie überhaupt funktionieren.

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