Freitag, 9. Oktober 2026

Nach jahrelangem Ringen: EU-Parlament macht Weg für europaweites Bleischrotverbot frei

Hans Thomas Krumenacker

Mal eine richtig gute Nachricht. Nach jahrelangem Ringen beendet  das  EU-Parlament  mit dem Verbot von Bleischrot als Munition für die Jagd millionenfaches Tierleid.

Mehr als 100 Millionen Vögel laufen in jedem Jahr in Europa Gefahr sich mit Resten von Schrot aus der Jagd zu vergiften. Eine Million von ihnen  stirbt Jahr für Jahr qualvoll, weil die Tiere  Blei aufpicken, das aus Schrotpatronen verschossen wurde. Auch Böden und Gewässer werden verseucht. 

 Das soll nun ein Ende haben.  Das Europäische Parlament hat am Donnerstag den Weg für das Ende von millionenfachem Vogelleid und die schleichende Vergiftung riesiger Gebiete mit dem Schwermetall Blei in den Mitgliedstaaten freigemacht. Ein großer Erfolg für BirdLife Europe and Central Asia und WWT, die sich über viele Jahre für ein Ende des "Blei-Privilegs" für Jagd und Fischerei eingesetzt haben.

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Riffreporter hier vom Recherche-Kollektiv Die Flugbegleiter: Thomas Krumenacker  08.10.2026

Nach jahrelangem Ringen: EU-Parlament macht Weg für europaweites Bleischrotverbot frei

Millionen Vögel sterben jedes Jahr qualvoll, weil sie Blei aufpicken, das aus Schrotpatronen verschossen wurde. Das soll nun ein Ende haben.

Das Europäische Parlament hat den Weg für das Ende von millionenfachem Vogelleid und die schleichende Vergiftung riesiger Gebiete mit dem Schwermetall Blei in den Mitgliedstaaten freigemacht. Die Abgeordneten billigten am Donnerstag ein von der EU-Kommission vorgeschlagenes Verbot von Bleischrot als Munition bei der Jagd.

Das Verbot gilt EU-weit und in allen Lebensräumen. Es folgt dem bereits vor drei Jahren beschlossenen Teilverbot dieser Munition bei der Jagd auf Wasservögel in Feuchtgebieten.

Naturschützer, Wissenschaftler und Mediziner hatten viele Jahre für das Bleiverbot gekämpft. „Das ist ein großer Erfolg für den Natur- und Gesundheitsschutz“, sagt Raphael Weyland, Büroleiter des Umweltverbands Nabu in Brüssel.

Zehntausende Tonnen Schwermetall landen über die Munition in der Landschaft

Dass Blei eine ernste Gefahr für die Gesundheit von Mensch, Tier und ganzen Ökosystemen darstellt, ist seit langem bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation listet es unter den Top 10 der gefährlichsten Stoffe, die EU hat den Einsatz des Schwermetalls weitgehend verboten.

Farben, Buntstifte, Benzin und Wasserleitungen – alles muss seit langem bleifrei sein. Jagd und Fischerei waren davon bislang in weiten Teilen ausgenommen. Dadurch geraten bislang noch mehr als 44.000 Tonnen Blei in die Umwelt und vergiften Böden und Gewässer. Nachdem das EU-Parlament schon im Sommer Blei in Angelgeräten verboten hat, sind mit der Ausweitung des Bleischrotverbots auf alle Lebensräume nun die wichtigsten Schlupflöcher gestopft, über die das Gift in die Umwelt gelangt.

Mehr als 100 Millionen Vögel im Jahr in Gefahr

Nach Schätzungen der EU-Kommission laufen bisher europaweit 135 Millionen Vögel Gefahr, sich durch das Aufpicken der winzigen Schrotkugeln mit Blei zu vergiften. Etwa eine Million davon stirbt auf diese Weise in jedem Jahr qualvoll. Weitere 14 Millionen Vögel sind durch die indirekte Aufnahme des Schwermetalls über belastetes Aas oder mit Blei kontaminierte Beutetiere gefährdet. Greifvögel wie Adler, Bussarde, Geier und Milane sind von dieser Form der Sekundärvergiftung besonders stark betroffen, weil sie sich zu einem erheblichen Teil von Aas ernähren.

Wie gravierend die Folgen der Jagd mit Bleimunition für Vögel sind, zeigen wissenschaftliche Arbeiten. Einer Studie von Wissenschaftlern der University of Cambridge und des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zufolge sind die Populationen von Steinadler, Seeadler und Gänsegeier heute in Europa um bis zu 15 Prozent kleiner, als sie es in einer Welt ohne das Bleiproblem wären. Europaweit reißt Blei den Forschern zufolge eine Lücke von mehr als 50.000 Adlern, Bussarden und Habichten – mit Folgen für ganze Ökosysteme.

Qualvoller und überflüssiger Tod

„Blei ist ein sehr wirksames Gift“, sagt Studienautor Oliver Krone. Schon in geringsten Mengen könne es Nerven und Nieren schädigen sowie zu Hirnschäden und Verhaltensstörungen führen, erklärt der Wildtoxikologe. Wie Blei auf betroffene Vögel wirkt, hat Krone schon häufig erlebt. Den Bleitod beschreibt er als „elendigen Kampf gegen das Ersticken bis zur totalen Erschöpfung und dem Tod“.

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