Mittwoch, 14. Oktober 2026

Mehr Strom, weniger Streit: Die EU-Strategie für die COP 31



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Die EU will beim Klimagipfel COP 31 in Antalya auf mehr Elektrifizierung und die Umsetzung bestehender Zusagen drängen. Neue Finanzierungsversprechen sind offenbar nicht vorgesehen. Auch beim Zeitplan des nächsten IPCC-Berichts zeichnet sich Streit ab. https://lnkd.in/dwUFZsQA

Klimagipfel in Antalya  von  David Zauner

Mehr Strom, weniger Streit: Die EU-Strategie für die COP 31

Die EU will beim Klimagipfel COP 31 in Antalya auf mehr Elektrifizierung und die Umsetzung bestehender Zusagen drängen. Neue Finanzierungsversprechen sind offenbar nicht vorgesehen. Auch beim Zeitplan des nächsten IPCC-Berichts zeichnet sich Streit ab.

Einen knappen Monat vor Beginn des 31. Weltklimagipfels (COP 31) in Antalya hat die Europäische Union ihre gemeinsame Verhandlungsposition veröffentlicht. Wie erwartet, nimmt die Elektrifizierung darin eine prominente Rolle ein.

Die Energiewende müsse durch ein verstärkte Elektrifizierung "auf Basis sauberer Energie" beschleunigt werden, heißt es in dem Papier. Die EU verweist dazu auf die Initiative "Electrify Now", die den Umstieg auf Strom in Verkehr, Gebäuden und Industrie voranbringen soll.

Dass die Elektrifizierung in der diesjährigen Position so prominent auftaucht, während sie in der EU-Position zur COP 30 vor einem Jahr nicht ausdrücklich genannt wurde, lässt sich als Unterstützung für die Schwerpunktsetzung der türkischen Konferenzpräsidentschaft verstehen.

Diese hatte im Juni angekündigt, den Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent erhöhen zu wollen. Heute liegt er laut Internationaler Energieagentur bei rund 23 Prozent.


Die EU verknüpft das Elektrifizierungsziel ausdrücklich
mit sauberer Energie. 

Das 35-Prozent-Ziel der türkischen Präsidentschaft
legt dagegen nicht fest,
wie sauber der zusätzlich benötigte Strom erzeugt werden muss.


Die EU bekräftigt zudem bereits vereinbarte Ziele: Bis 2030 soll die weltweite Kapazität erneuerbarer Energien verdreifacht und die jährliche Steigerungsrate der Energieeffizienz verdoppelt werden. Beide Ziele wurden 2023 auf der COP 28 in Dubai beschlossen. Während der Ausbau erneuerbarer Energien vorankommt, ist die Welt bei der Energieeffizienz nicht auf Kurs.

Taten statt Worte

Unterm Strich hält die Verhandlungsposition wenig Überraschungen bereit. Die EU bekennt sich zum Pariser Klimaabkommen und zum Multilateralismus, bekräftigt bestehende Klimaziele und setzt Akzente bei der Elektrifizierung und der Umsetzung bereits gemachter Zusagen.

Hier und da mussten die Formulierungen jedoch an die Realität einer fortschreitenden Klimakrise angepasst werden.

Während die EU im Vorjahr noch gefordert hatte, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erkennt sie nun ausdrücklich an, dass eine Überschreitung dieser Marke in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich ist. Zugleich fordert sie alle Staaten, vor allem große Emittenten, auf, das Ausmaß und die Dauer dieser Überschreitung so gering wie möglich zu halten.

Statt neue Ziele auszuhandeln, will sich die EU vor allem auf die Umsetzung bestehender Zusagen konzentrieren. Das hatte das Nachrichtenportal Euronews bereits Mitte September unter Berufung auf einen damaligen Entwurf berichtet. Nötig seien "spürbare Fortschritte", um die Lücke zwischen den Klimazielen und den tatsächlich ergriffenen Maßnahmen zu schließen, heißt es in dem nun veröffentlichten Dokument.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Montag unter Berufung auf EU-Diplomaten, der Staatenblock wolle öffentliche Auseinandersetzungen über strittige Themen vermeiden und stattdessen gemeinsam mit anderen Ländern an der Umsetzung der Klimaschutzverpflichtungen arbeiten.

Kein Klimagipfel ohne Streit

Ganz vermeiden lassen sich die großen Konflikte aber kaum. Insbesondere kleine Inselstaaten und andere Entwicklungsländer dürften auf zusätzliche Zusagen bei der Klimafinanzierung drängen.

Die EU-Staaten bekräftigen in ihrer Position zwar, zu den bestehenden Finanzierungsvereinbarungen zu stehen, lassen aber durchblicken, darüber nicht erneut verhandeln zu wollen.

Reuters zufolge will die EU laut einem internen Entwurf bei der COP 31 keine neuen Klimafinanzierungszusagen machen. Das könnte bei vielen Entwicklungsländern auf Widerstand stoßen.

Erst kürzlich veröffentlichte Zahlen der Bundesregierung zeigten zudem, dass Deutschland 2025 nur 4,7 Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln für die internationale Klimafinanzierung bereitstellte – deutlich weniger als die zugesagten sechs Milliarden Euro jährlich.

Ein weiterer Konflikt zeichnet sich beim Zeitplan des nächsten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC ab. Der siebte Sachstandsbericht soll die wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klimapolitik aktualisieren.

Seine Ergebnisse sind auch für die COP 33 im Jahr 2028 von Bedeutung, wenn die zweite globale Bestandsaufnahme der Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ansteht.

Seit Monaten drängen Länder wie Saudi-Arabien, Russland, China und Indien darauf, die Veröffentlichung der IPCC-Berichte zu verschieben. Sie argumentieren, ein weniger straffer Zeitplan würde es mehr Wissenschaftler:innen aus Entwicklungsländern ermöglichen, sich an der Arbeit zu beteiligen. Viele besonders vom Klimawandel bedrohte Staaten und die EU sprechen sich dagegen für eine rechtzeitige Veröffentlichung aus.

Der IPCC beriet in dieser Woche in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba über den Zeitplan. Auch in ihrer COP‑31-Position bezieht die EU dazu Stellung: Die EU-Staaten betonen, "wie wichtig die rechtzeitige Veröffentlichung des siebten Sachstandsberichts ist".


Das deutet an: Auf dem kommenden Klimagipfel wird einmal mehr die Wissenschaft zur Verhandlung stehen.


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David Zauner

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