Samstag, 17. Oktober 2026

Dynamische Stromtarife im Herbst verstehen


 Dr. Henry Keppler  13. Okt.

Mittags 30 GW Solarstrom und trotzdem 91 €/MWh. Wie passt das zusammen?

Wer im Sommer auf die Strombörse geschaut hat, kennt das Bild: Mittags drückt die PV die Preise Richtung null, im April lag der Schnitt zwischen 11 und 15 Uhr sogar leicht im Minus. Im Oktober kostet dieselbe Stunde im Schnitt 91 €/MWh, obwohl Deutschland gleichzeitig Strom exportiert.

Dafür gibt es zwei Gründe.

  • Erstens reicht die Sonne im Herbst nicht mehr. Die Tage sind kürzer, die Last ist höher, und Wind- und Solarstrom decken mittags nicht mehr den ganzen Bedarf. Kohle- und Gaskraftwerke laufen deshalb auch mittags weiter, im Oktober rund 14 GW. Damit setzen sie den Preis.

  • Zweitens bietet das Ausland mit. Was in Deutschland übrig bleibt, fließt zu den Nachbarn. Dort weht ebenfalls kaum Wind, und Gaskraftwerke bestimmen den Preis. Diese Nachfrage zieht den deutschen Preis auch Mittags nach oben, so weit es die Leitungen zulassen.

Das heißt nicht, dass der Export unsere Strompreise treibt. Die richtig teuren Stunden mit bis zu 245 €/MWh liegen morgens und abends. Dann importiert Deutschland, und der Import dämpft sogar den Preis.

Für alle, die ihren Verbrauch planen können, verschiebt sich damit allerdings das Bild: Mittags ist im Herbst nicht automatisch billig. Die Morgen- und Abendspitze zu meiden, bringt dafür umso mehr.


Daten: Energy-Charts (Fraunhofer ISE), Day-Ahead-Preis DE, Oktober bis 12.10.2026

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