Daniel Mautz
Der Rhein trocknet schneller aus als Deutschland seine Infrastruktur repariert
1,23 Meter Pegelstand in Köln. Rekord-Tief für den Juni, seit über 100 Jahren nicht dagewesen. Vergangenes Jahr lag der niedrigste Stand Mitte Juli noch bei 1,43 Metern.
Jetzt schon 20 Zentimeter darunter. Schiffe fahren mit halber Ladung. Statt 2200 Tonnen Steinsalz passen noch 800 bis 1000 Tonnen auf ein Schiff.
Der Bonner Klimatologe Karsten Brandt rechnet bis Mitte Juli mit 73 bis 75 Zentimetern am Kölner Pegel. Bei Kaub, der flachsten Engstelle am Mittelrhein, droht der komplette Stillstand der Frachtschifffahrt.
285 Millionen Tonnen Güterverkehr pro Jahr auf Europas wichtigster Wasserstraße. Chemie, Stahl, Mineralöl. Alles hängt am Rhein. Die Fahrrinne am Mittelrhein wird ausgebaut. Fertigstellung 2033. Sieben Jahre, nachdem die Klimakatastrophe diese Infrastruktur bereits an ihre Grenzen bringt.
Als hätte jemand das Timing absichtlich perfektioniert, wird ab dem 10. Juli die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden für den Schienen-Güterverkehr gesperrt. Bis Dezember. Die Bahn fällt als Alternative exakt in dem Sommer aus, in dem der Rhein unpassierbar werden könnte. Die Großindustrie muss zusehen, wie sie in 14 Tagen an ihre Rohstoffe kommt.
2018 hat das Niedrigwasser am Rhein 2,4 Milliarden Euro Schaden verursacht. Damals hieß es Jahrhundertereignis. Acht Jahre später bahnt sich das nächste an. Jahrhundertereignisse kommen inzwischen im Jahrestakt.
Aber Hauptsache, wir debattieren noch ein paar Runden über Schein-Technologieoffenheit, statt Versorgungswege endlich klimafest zu machen.
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