Sonntag, 5. Juli 2026

Lange Zeit wurde über Verbindungen von Jens Spahn, zum US-Tech-Investor Peter Thiel spekuliert

 

Helge Thomas / LinkedIn

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Jonas Mueller-Töwe  am 22.06.2026

Verbindung zu US-Investor

Spahn besucht seit Jahren vertrauliche Thiel-Treffen

US-Technologieinvestor Peter Thiel verschleiert gern seine politischen Verbindungen. Nun offenbaren interne Dokumente Teile seines Netzwerks.
Darunter: der heutige Unionsfraktionschef Jens Spahn.

Lange Zeit wurde über Verbindungen des Unionsfraktionschefs im Bundestag, Jens Spahn, zum US-Tech-Investor Peter Thiel spekuliert; nun zeigen Recherchen von t-online: Seit fast zehn Jahren besucht Spahn diskrete Treffen eines von Thiel gegründeten Forums namens "Dialog". Zugänglich sind sie nur auf persönliche Einladung der Organisation. Offenbar sind zahlreiche international prominente Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur unter den Gästen.

Thiel bezeichnet sich als "Libertären" und formulierte unter anderem in einem Essay, dass er nicht an die Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie glaube.
Staatliche Strukturen würde er gern durch unternehmerische Strukturen ersetzen.
 

Seit etwa 2016 ist er als entschiedener Unterstützer von US-Präsident Donald Trump in Erscheinung getreten. Dem von ihm gegründeten Datenanalyse-Unternehmen Palantir begegnen Datenschützer mit rigoroser Kritik. Erst kürzlich beendete Frankreichs Inlandsgeheimdienst die Zusammenarbeit – man könne keine strategischen Abhängigkeiten in diesem Bereich dulden.

"Halten uns bewusst im Hintergrund"

Sein 2006 gegründetes "Dialog"-Forum hält sich dabei weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit, auch wenn es pro Jahr zwei Konferenzen ausrichtet, eine in den USA, eine in Europa. "Wenn du 'Dialog' googelst, wirst du nicht viel finden; wir halten uns bewusst im Hintergrund", heißt es in einer t-online vorliegenden Einladung, die sich an "weltweit führende Persönlichkeiten" richtet.

"Die Menschen, die den größten Nutzen aus 'Dialog' ziehen, sind in der Regel äußerst aufgeschlossen, intellektuell neugierig und bereit, authentisch zu sein." Es gebe keine Sprecher oder Podiumsdiskussionen, sondern ausschließlich moderierte Diskussionsrunden in kleinen Gruppen mit acht bis zwölf Teilnehmern. Das Versprechen: "Alles ist zu 100 Prozent vertraulich."

Die versprochene Vertraulichkeit unterlief das Geheimforum nun allerdings selbst: Metadaten der für die Öffentlichkeit fast leeren Homepage offenbarten 113 Personen, die dort intern namentlich geführt werden. Darunter auch: Jens Spahn, der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag.

Die Schweizer Aktivistin und Hackerin Maia Arson Crimew machte sie öffentlich.
Zuerst berichtete das US-Portal "Wired" darüber. t-online konnte die Daten mithilfe von Internetarchiven verifizieren. Ob die Personen Teilnehmer oder Mitglieder von "Dialog" sind, geht aus ihnen nicht hervor. Sie sind allerdings in Teilen deckungsgleich mit einer kleineren Liste 50 ausgewählter Mitglieder aus dem Jahr 2022, die t-online vorliegt. Auf ihr wird Spahn nicht erwähnt.

Auf erste Anfrage von t-online dazu sagte ein Pressesprecher Jens Spahns zunächst lediglich, Spahn habe für das 2026 geplante "Dialog Retreat" in Irland eine Einladung erhalten, aber abgesagt. Fragen, ob er bereits früher Veranstaltungen besucht habe oder Mitglied der Organisation sei, beantwortete der Sprecher nicht.

Spahn räumt fünf Forumsbesuche ein

t-online liegt allerdings separat eine Einladung mit einer Teilnehmerliste von "Dialog"-Foren aus dem Jahr 2022 vor. Diese Liste stellt wiederum einen Auszug der "bestätigten Teilnehmer" dar und umfasst 63 Personen, unter ihnen auch Jens Spahn. Erst konfrontiert mit dieser Liste räumte sein Sprecher insgesamt fünf Besuche von Konferenzen ein.

"In unregelmäßigen Abständen (2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland) hat Herr Spahn auch an dem von Ihnen erwähnten Format 'Dialog' teilgenommen", hieß es. Ob Spahn eine "Mitgliedschaft" mit "Dialog" eingegangen sei, ließ Spahn auch nach expliziter Rückfrage offen.

Teilnehmerkreise schilderten t-online, es gebe keine Mitgliedschaft im eigentlichen Sinne und keine Kerngruppe. Die Veranstaltung sei weltanschaulich und thematisch offen und von gegenseitigem Respekt geprägt. Sie sei aus einem Freundeskreistreffen von Thiel hervorgegangen, Thiel selbst habe wohl seit Jahren nicht mehr teilgenommen.

Gäste müssen demnach allerdings Kapital mitbringen: Jeder von ihnen überweist den Schilderungen zufolge rund 15.000 Euro pro Veranstaltung an die Organisatoren. Möglich ist unter bestimmten Umständen ein erheblicher Preisnachlass. Das geht auch aus der t-online vorliegenden Einladung hervor.

Die Frage, ob "Dialog" für Jens Spahn Kosten für Reisen und Unterkünfte übernommen oder bezuschusst habe – beispielsweise in Form eines Rabatts, wie er anderen Gästen angeboten wurde –, beantwortete sein Sprecher wie folgt:

"Wenn Herr Spahn in seiner jeweiligen offiziellen Funktion zu nationalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen eingeladen wird, wurden und werden Reisekosten auf Antrag übernommen, je nach Funktion vom Ministerium, dem Bundestag oder der Fraktion. Falls Teilnahmegebühren anfallen, werden diese nach den einschlägigen Reisekosten-Richtlinien nicht übernommen. Im konkreten Fall der Dialog-Formate hat Herr Spahn anfallende Teilnahmegebühren in niedrig dreistelliger Höhe selbst getragen."

Zahlreiche prominente Teilnehmer

Spahns Besuche bei Thiels Treffen könnten noch Fragen aufwerfen: Die Reisen 2018 und 2019 fallen in Spahns Zeit als Bundesgesundheitsminister. Bis März 2018 war er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Als solcher empfing er Peter Thiel bereits 2016 zu einer Diskussionsveranstaltung über digitale Transformation und Unternehmensgründungen im Ministerium.

Als Regierungsoffizieller reihte er sich mit seiner Teilnahme offenbar ein in eine Vielzahl prominenter internationaler Gäste, die das Forum über die Jahre empfing. Darunter laut den Metadaten der Homepage: Kaja Kallas, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, US-Finanzminister Scott Bessent, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, SpaceX-Chef Elon Musk und der saudi-arabische US-Botschafter Reema Al-Saud.

*Auf Anfrage von t-online hieß es aus Kreisen der EU-Kommission zunächst lediglich, Kallas sei kein Mitglied und werde an der Dialog-Veranstaltung 2026 nicht teilnehmen. Auf erneute Nachfrage, ob Kallas an früheren Dialog-Veranstaltungen teilgenommen habe, hieß es, das sei nicht der Fall.

Die t-online vorliegende Liste von Teilnehmern aus dem Jahr 2022 führt neben weiteren US-Offiziellen unter anderem die spätere Direktorin der US-Geheimdienste, Tulsi Gabbard. Außerdem den damaligen Chef der österreichischen Nationalbank, Harald Mahrer, sowie den langjährigen japanischen Minister Tarō Kōno. Hinzu kommen zahlreiche Geschäftsführer, Gründer und Aufsichtsräte internationaler Unternehmen.

"Wired" listet als Gäste für 2026 unter anderem General Alexus Grynkewich auf, den Oberbefehlshaber der Nato in Europa und Leiter des US-Europakommandos, sowie den US-Senator Ted Cruz, der dem US-Handelsausschuss vorsitzt. Jens Spahns Name steht demnach nicht auf der Liste. Ausgewählte Debatten in diesem Jahr: "Führt die Atomkraft wieder ein", "Den Dritten Weltkrieg bewältigen" oder "Kampftechnologien" – und auch ganz salopp "Wie läuft es bei dir im Bett?".

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