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Trump-Regierung hat bei Atomkraft das Shiny-Object-SyndromDas US-Energieministerium hat seine Prognose für die Entwicklung des US-amerikanischen Energiemarkts veröffentlicht. Darin sinkt in den meisten möglichen Szenarien die absolute Menge an Strom aus Atomkraft.
Das steht im Gegensatz zum Vorhaben der Regierung von Donald Trump, der mit einer Reihe von Verfügungen einen Ausbau der Atomkraft in den USA erreichen wollte. Stattdessen könnte eine Leistungszunahme durch das Handeln der Verantwortlichen komplett ausbleiben, während alte Kraftwerke irgendwann vom Netz genommen werden müssen.
Wie es zu dieser Situation kommen konnte, hat das Wall Street Journal (Paywall) analysiert. Es diagnostiziert bei den Verantwortlichen das Shiny-Object-Syndrom, mithin ein Verhalten, bei dem sich Personen für neue, besondere Objekte begeistern, aber das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.
Small Modular Reactors könnten zum Problem werden
Demnach werden Gelder vor allem an Start-ups vergeben, die mit neuen Kernkraftwerkskonzepten einen Durchbruch erzielen wollen. Keines der geförderten Projekte ist bereits technisch ausgereift.
Es ist derzeit völlig unklar, ob die größtenteils als Small Modular Reactors konzipierten Kernkraftwerke tatsächlich konkurrenzfähigen Strom liefern können. Eine Studie der TU Berlin zeigt beispielsweise, dass tausende solcher Minikraftwerke gebaut werden müssten, bis ausreichend Erfahrung bei der Serienproduktion besteht, um überhaupt bezahlbaren Strom produzieren zu können.
Aber auch aktuell besteht laut Wall Street Journal ein ähnliches Problem. Unter den insgesamt aktiven 96 Kernkraftwerken in den USA finden sich 50 unterschiedliche Typen. Fast nie wurde demnach ein erfolgreich errichtetes Kraftwerk an anderer Stelle erneut gebaut, um von bestehenden Erfahrungen zu profitieren.
Stattdessen sei stets versucht worden, ein besseres und moderneres Kraftwerk zu errichten. Beim Ziel der Energiesicherheit stand demnach auch früher schon ein schöneres, glänzenderes Kraftwerk im Weg.
Konventionelle Versuche scheitern ebenfalls
Gleichzeitig fasste die US-Regierung den Plan, zehn bereits bestens vertraute Reaktoren vom Typ AP1000 des US-Herstellers Westinghouse bauen zu lassen. Der Auftrag hätte einen Gesamtwert von 80 Milliarden US-Dollar.
Dem Bericht zufolge kam in den letzten acht Monaten jedoch kein Vertrag zustande. Trotz vorhandener Erfahrung gab es bei den beiden zuletzt fertiggestellten Reaktoren starke Kostensteigerungen, die Westinghouse in die Insolvenz geführt hatten.
Somit soll das Risiko, erneut Kostensteigerungen zu erleben, während die zu erwartenden Gewinne vergleichsweise gering ausfallen dürften, für die neuen Eigentümer zu hoch sein. Allenfalls eine komplette Übernahme der Risiken durch den Staat inklusive einer Deregulierung im Bereich Kernenergie könnte den Bau attraktiv machen.
Ganz abwegig ist das nicht, denn für die Entwicklung der Small Modular Reactors wurden zuletzt zahlreiche Sicherheitsvorschriften aufgehoben. Unter anderem müssen Reaktortests nicht mehr zwingend auf dem Gelände staatlicher Kernforschungsanlagen durchgeführt werden.
Golem hier 1. Juli 2026 / Mario Petzold
Neue Schweizer AKWs müssten doppelt subventioniert werden
Kosten der Kernkraft :Mehrere Szenarien zeigen, dass sich Atomkraft in der Schweiz nicht lohnt. Auch unabhängig würde das Land dadurch nicht.
Eine Studie der ETH Zürich und des Paul-Scherrer-Instituts in Villingen, beide in der Schweiz, kommt zu dem Schluss, dass Kernkraft ohne staatliche Unterstützung zukünftig keine bezahlbare Stromquelle sein wird. Das Forschungsteam hat in unterschiedlichen Szenarien untersucht, wie die Schweiz den angenommenen Mehrbedarf von 45 Terawattstunden bis zum Jahr 2050 am kostengünstigsten decken kann.
Dabei wurden der Ausbau von Windkraft, Solarenergie sowie Wasserkraft in Kombination mit neu zu errichtenden Kernkraftwerken als nahezu CO2-neutrale Alternative gegenübergestellt beziehungsweise kombiniert. Demnach ist der starke Ausbau der Photovoltaik zusammen mit der Wasserkraft und Speichern in Form von Pumpspeicherwerken und Batterien am preiswertesten.
Kritisch sehen die Autoren der Studie, die in der Bibliothek der ETH Zürich abgerufen werden kann, die Importabhängigkeit von Strom in den Wintermonaten. Die wäre jedoch kaum größer als zuletzt und ließe sich durch den Bau neuer AKWs ebenfalls nicht beseitigen.
Ungewisse Baukosten problematisch
Teuer wird die Errichtung von Atomkraftwerken zum einen durch die Risikoabsicherung, die typischerweise bei 8 Prozent der Kapitalkosten liegen soll. Das entspricht einem hohen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr für 1 Gigawatt Leistung.
Gleichzeitig hängt dieser Betrag stark von den Baukosten ab. Und diese sind laut Studie deutlich zu hoch. Im Durchschnitt hätte jedes Kilowatt Leistung aus neuen Atomkraftwerken in Europa und den USA zuletzt etwa 13.000 Euro gekostet – ein typischer Atomreaktor mit 1,2 bis 1,4 Gigawatt dementsprechend 15 bis 18 Milliarden Euro.
Erst bei einer Reduzierung der Baukosten um 40 bis bestenfalls 60 Prozent, was äußerst unrealistisch erscheint, wäre ein Zubau von zwei bis vier neuen Reaktoren wirtschaftlich lohnenswert.
Rechnet man die in der Studie genannten Kosten für Bau, Betrieb, Wartung, Brennstoff und Entsorgung zusammen, ergäbe sich ein Preis von 17 Cent je Kilowattstunde (kWh) für Atomstrom – ohne Steuern, Abgaben oder Netzentgelte. Darin sind die Kosten für Stilllegung und Entsorgung mit maximal 1 Cent je kWh enthalten, was zumindest sehr vorsichtig geschätzt ist.
Selbst mit zusätzlichen Zwischenspeichern und Stromimporten, die erneuerbare Energien erfordern würden, wäre Atomstrom mithin vielfach teurer als aus Windkraft und Photovoltaik.
Insgesamt nennen die Autoren nur zwei Argumente für den Bau von Kernkraftwerken. Sie führen an, dass auch der Zubau von Speichermöglichkeiten subventioniert wird. Zumindest bei sehr niedrigen Baukosten könnte Atomstrom mit ähnlich hohen Zuwendungen interessant werden, sofern der Staat die erwähnte Risikoabsicherung deckelt.
Der zweite Punkt ist die Abhängigkeit von Stromimporten aus den Nachbarländern. Die bliebe jedoch selbst mit neuen AKWs bestehen, wenn auch minimal. Und andererseits profitiert die Schweiz stark vom Stromhandel. Die schon jetzt vorhandenen Pumpspeicherwerke nutzen günstigen Strom, größtenteils aus Deutschland, zum Einspeichern und geben ihn bei Bedarf und zu entsprechend höheren Stromkosten wieder ab, auch nach Deutschland.
Somit dürfte insgesamt kaum zu erwarten sein, dass die Schweiz in nächster Zeit in neue Atomkraftwerke investieren wird.
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