Prof. Dr. Markus Koschlik / LinkedIn
Fast 40 Grad im Juni!
Vor wenigen Jahrzehnten wäre das in Deutschland noch eine Ausnahme gewesen, aber heute erleben wir solche Temperaturen immer häufiger.
Natürlich diskutieren wir dabei meist über Gesundheit, Wasserverfügbarkeit oder die Auswirkungen auf unsere Natur.
Dabei wird oft übersehen, dass extreme Hitze auch eine erhebliche Belastung für unsere gebaute Umwelt darstellt.
Viele Straßen, Brücken, Schienenwege und Gebäude wurden für klimatische Randbedingungen geplant und errichtet, die sich zunehmend verändern.
Mit steigenden Durchschnittstemperaturen nehmen auch Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden zu. Belastungen, die früher selten auftraten, werden damit zu regelmäßig wiederkehrenden Herausforderungen.
Einige Beispiele:
- Straßen
Bei hohen Temperaturen nimmt die Steifigkeit bituminöser Beläge ab. Unter hohen Verkehrsbelastungen können Spurrinnen entstehen. Auf älteren Betonfahrbahnen können infolge thermischer Ausdehnung sogenannte "Blow-ups" auftreten, bei denen sich Fahrbahnplatten aufwölben oder aufbrechen. - Schienenwege
Schienen können sich im Sommer auf deutlich über 50 Grad erwärmen. Da sie fest im Gleisrost eingespannt sind, entstehen hohe Druckkräfte. Mit zunehmenden Hitzeperioden steigt das Risiko von Gleisverwerfungen, Langsamfahrstellen und Betriebsstörungen. - Brücken
Temperaturänderungen führen zu Längenänderungen von Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen. Höhere Temperaturspitzen bedeuten größere Bewegungen und höhere Beanspruchungen von Lagern, Fugen und Übergangskonstruktionen. - Gebäude
Unterschiedliche thermische Ausdehnungen von Baustoffen führen zu Spannungen in Fassaden, Dächern und Anschlussdetails. Mit zunehmender Hitze und häufigeren Temperaturwechseln nehmen auch die Belastungen dieser Bauteile zu.
Wir können uns gerne weiterhin darüber streiten, ob es den Klimawandel gibt, wie stark er ist und welchen Anteil der Mensch daran hat.
Aber die Physik interessiert das nicht.
Während Asphalt bei Hitze weicher wird, sich Stahl ausdehnt und im Beton die Spannungen wachsen, reagieren unsere Bauwerke auf steigende Temperaturen unabhängig davon, welche Meinung wir dazu haben.
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