Deutschlandfunk hier
Hermann Ude, LinkedIn
Ohrenbetäubend schweigen sie,
Friedrich Merz,
Katherina Reiche,
Carsten Linnemann,
Gitta Connemann
Markus Söder
während die Hitzewellen in Europa Infrastruktur vernichten, Menschen töten und eine Spur der Verwüstung durch unsere Natur ziehen.
Wassernotstand im Juni.
Sie ducken sich feige weg und hoffen, dass Sie das kastrierte Gebäudeenergiegesetz, die Rücknahme der Klimaziele, die Aufhebung zahlreicher Naturschutzgesetze und den Ausbau der Gasinfrastruktur noch im Herbst durch die Parlamente bekommen.
TAZ hier Kommentar von Silke Mertins 28.6.2026
Hitzerekorde und Verhalten der Politik: Fast schon unterlassene
Hilfeleistung
Statt in den Hitzeschutz zu investieren, tun Politik und Wirtschaft so, als seien heiße Tage die Ausnahme der Regel. Dabei sind sie das neue Normal.
Die Steverhalle in Senden bei Münster: draußen sind es 37 Grad, in der Halle selbst kaum kühler. Die Konzertbesucher*innen fächern sich hektisch Luft zu. Die ganze Veranstaltung ist für Zuschauer und Musiker eine einzige Zumutung.
Der Witz: Die Steverhalle wurde gerade erst aufwendig saniert. Nur an eines haben die Verantwortlichen nicht gedacht: eine Klimaanlage. Die Steverhalle ist ein typisches Beispiel für Regierungshandeln auf allen Ebenen in Deutschland. Ja, man hat erkannt, dass der Klimawandel ein Problem für die Zukunft darstellt. Und ja, viele Kommunen sind stets bemüht, die CO₂-Emissionen zu senken. Manche Städte und Gemeinden haben dazu richtig gute Programme entwickelt, um das Leben in den Städten erträglicher zu machen, beispielsweise Bochum.
Aber insgesamt wird noch immer so getan, als ginge es nur darum, mal ein paar besonders heiße Tage zu überstehen. Wenn man sich vor Augen führt, dass sich in den vergangenen 10 Jahren die Zahl der Hitzetoten nahezu verdoppelt hat, dann kann man hier fast schon von unterlassener Hilfeleistung sprechen: Zwischen 2005 und 2014 waren es 20.000 bis 25.000 Tote und zwischen 2015 und 2024 bereits 39.000 bis 41.000.
Da geht es längst nicht mehr um die Zukunft, sondern um Maßnahmen für das Hier und Jetzt: mehr Freibäder mit mehr Schatten, Trinkbrunnen an jeder zweiten Ecke, wohnortnahe Abkühlungsräume für Menschen, deren Wohnungen überhitzt sind, Fassaden begrünen, Pflegeheime und Kliniken wenigstens mit Deckenventilatoren nachrüsten. Denn gerade alten Menschen ist nicht sonderlich damit geholfen, sie vom überhitzten Altenheim ins überhitzte Krankenzimmer zu verlegen. Viele Krankenhäuser haben nicht einmal Jalousien oder Vorhänge zur Verdunklung.
Bei den Unternehmen sieht es kaum besser aus als im öffentlichen Raum. Das höchste der Gefühle, was den Arbeitgebern bei Hitze einfällt, ist, den Beschäftigten ein Eis zu kaufen. Ob Werkstätten, Fabriken, Büros – Klimatisierung ist die Ausnahme, obwohl man sie im Prinzip mit eigenen Solaranlagen energetisch versorgen könnte. Dass die Unternehmen hier nicht längst investiert haben, verwundert, denn die Leistungsfähigkeit von Menschen verringert sich bei Hitze drastisch. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sinkt die Produktivität um etwa zwei bis drei Prozentpunkte pro zusätzlichem Grad über 20 Grad. Schon eine viertägige Hitzewelle reduziert das Produktivitätswachstum in Westeuropa um bis zu zwei Prozentpunkte pro Quartal.
Dabei existieren bereits viele Lösungen bei Hitzeproblemen: Steine, die sich weniger aufheizen, wurden bereits entwickelt. Auf Fassaden können spezielle Moose angesiedelt und Dächer mit leichten Granulaten statt Erde begrünt werden. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Politik und Wirtschaft müssen dringend begreifen, dass der Klimawandel mit seinen häufigen Extremwetterereignissen bereits da ist – und entsprechend handeln. Denn letztlich ist es auch eine Frage der Freiheit: Ohne Anpassungen sind wir im Sommer in unseren Häusern gefangen.
Deutschlandfunk hier 27.06.2026
Die Politik tut sich schwer beim Hitzeschutz
Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle. Es wird angesichts des Klimawandels nicht die letzte sein. Dennoch bestimmt der Hitzeschutz nicht die politische Tagesordnung. Warum tut sich die deutsche Politik damit so schwer?
Seit Tagen herrscht extreme Hitze in Europa. Während Frankreichs Regierung mit zahlreichen Maßnahmen reagierte und die höchste Stufe der Mobilisierung im Gesundheitswesen aktivierte, scheint die Bundesregierung einfach abzuwarten, dass die Hitzewelle wieder vorbei geht.
Wie gut ist Deutschland auf Hitze vorbereitet?
Die Erde erwärmt sich, doch nicht überall in gleichem Maße. Tatsächlich ist Europa am stärksten von der globalen Erwärmung betroffen. In Frankreich und vielen anderen europäischen Ländern gibt es bereits umfassende und einheitliche nationale Hitzeschutzpläne. Davon ist Deutschland aufgrund seiner föderalen Struktur weit entfernt.
Dennoch sei Deutschland inzwischen etwas besser auf Hitzewellen vorbereitet als noch vor ein paar Jahren, sagt Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Es sei „eine deutlich höhere Sensibilität für die Gefahren von Hitze in der Breite der Bevölkerung angekommen“. Allerdings seien beispielsweise Schulen oft noch nicht so ausgestattet, dass dort auch bei hohen Temperaturen Unterricht möglich ist. Der Grund: Es mangelt an Geld für klimaangepasste Um- und Neubauten.
Wie gut Deutschland auf Hitzewellen vorbereitet ist
hierGesundheitsminister Karl Lauterbach hat im Jahr 2024 einen Hitzeschutzplan für Deutschland vorgelegt. Die Maßnahmen reichen von Warnungen, über Trinkbrunnen und Hitzebusse. Was wurde bislang umgesetzt?
Viele Städte und Kommunen haben inzwischen Hitzeaktionspläne verabschiedet, öffentliche Trinkbrunnen aufgestellt und weitere Maßnahmen ergriffen. Doch solche Initiativen sind freiwillig. Dabei sollten Klimaschutz und -anpassung aus Sicht des Deutschen Städtetages für Städte und Kommunen zur Pflichtaufgabe werden.
Warum tut sich so wenig im Hitzeschutz?
Für den Hitzeschutz sind in Deutschland die Städte und Gemeinden zuständig. Allerdings sind die kommunalen und teilweise landesweiten Hitzeaktionspläne weder einheitlich noch verpflichtend. Hinzu kommt, dass viele Kommunen kaum Geld und schon jetzt Schwierigkeiten haben, ihre regulären Aufgaben zu finanzieren. Zwar gebe es gute Förderprogramme, sagt der Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Uwe Conradt – doch diese kämen nicht überall an. Denn wer kein Personal habe, um Förderanträge zu stellen, gehe leer aus.
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte im Juli 2023 den „Hitzeschutzplan für Gesundheit“ präsentiert, ein Jahr später folgte das Klimaanpassungsgesetz. Darin werden die Länder aufgefordert, Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass Kommunen eigene Klimaanpassungskonzepte erarbeiten.
Klimaanpassung zielt darauf ab, die Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Das Gesetz selbst gibt aber nur einen Rahmen vor. Da die Klimaanpassung als kommunale Aufgabe festgelegt ist, fallen die Maßnahmen regional sehr unterschiedlich aus.
Für die aktuelle Bundesregierung hat der Hitzeschutz offenbar wenig Priorität.
Noch bis zum vergangenen Jahr unterstützte der Bund den Umbau von sozialen Einrichtungen, damit diese sich an den Klimawandel anpassen können. Pflegeheime, Kitas und Schulen konnten Zuschüsse beantragen. Doch dieses Programm wurde für 2026 gestrichen.
Was müsste sich ändern?
Hitzeschutz sollte Teil von Krisenvorsorge und Katastrophenschutz werden, fordern mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft, darunter die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit und der Deutsche Pflegerat. Bund, Länder und Kommunen müssten klare Zuständigkeiten erhalten, Risikogruppen besser geschützt und das Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen für Hitzelagen gestärkt werden – auch finanziell.
Zudem gäbe es die Möglichkeit, die Klimaanpassung als staatliche Gemeinschaftsaufgabe einzustufen. Dann könnte auch der Bund zur Finanzierung von Hitzeschutzmaßnahmen herangezogen werden. Denn bislang darf der Bund nur Pilotprojekte fördern. Um die Klimaanpassung zur Gemeinschaftsaufgabe zu machen, wäre allerdings eine Grundgesetzänderung notwendig.
Für den Küstenschutz gibt es eine solche Regelung bereits.
Wie Frankreich sich besser gegen Hitze schützt
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-06/hitzeschutz-frankreich-temperaturen-gesundheitsschutz-massnahmen-europa?utm_source=flipboard&utm_content=topic%2Fde-weltnachrichten
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