Peter Jelinek / LinkedIn
Die Talkshows müssten eigentlich voll mit dem Thema sein, denn wir erleben gerade 5-7 Tage durchgehende Hitze - und damit rund 2-3 Milliarden an Folgekosten.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Klimaschutz oder Klimamaßnahmen spielen politisch gesehen kaum noch eine Rolle. Dabei ist die Grundlage schlichtweg allem, was in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommt, ein effektiver Klimaschutz - und zwar aus vier einfachen Gründen.
Grund 1: Die Gesundheit
Die Debatte um Einsparungen im Gesundheitssektor könnte nicht aktueller sein, wird aber wieder einmal völlig falsch geführt. Auf Kosten der Kassenpatienten wird kurzfristig gespart, was langfristig zu enormen anderen Kosten führen wird. Die Probleme werden nachweislich später größer oder gar irreversibel, wenn etwas nicht frühzeitig behandelt wird.
So ist es auch beim Klimaschutz. Mit steigenden Temperaturen nimmt der Versorgungsbedarf durch hitzebedingte Erkrankungen zu. Wie Claudia Traidl-Hoffmann schreibt: "Neben der Hitze nimmt auch die Belastung durch Allergien zu. Bereits heute sind mehr als 30 Prozent der Bevölkerung allergisch – Tendenz steigend. Allergische Erkrankungen verursachen in Europa jährliche Kosten von rund 150 Milliarden Euro."
Grund 2: Die fossile Inflation
Putins "billiges" Erdgas und das Abschneiden dessen wirkt bis heute wirtschaftlich nach. Der letzte Schock kam dann kürzlich durch Trumps Angriff auf den Iran und die Blockade der Straße von Hormus. Klimaschutz ist die beste Versicherung hinsichtlich einer resilienten Energieversorgung durch vier Wege: Elektrifizierung, Erneuerbaren-Ausbau, Speicherausbau und intelligente Vernetzung (Netzausbau).
Grund 3: die politische Unabhängigkeit
Einhergehend mit der fossilen Inflation und den Folgen für die Wirtschaft, sind Klimaschutz und die dazugehörigen hohen Standards der beste Garant für politische Unabhängigkeit. Spaniens Wirtschaft wächst, weil die Energieversorgung konsequenter als hierzulande umgestellt wurde. Dänemarks Heizkosten explodieren nicht, weil das Land seit den 1970er Jahren auf Wärmepumpen setzte.
Grund 4: Die technische Dominanz
Die deutsch-europäische Wirtschaft spürt das derzeit massiv: Chinas Autoindustrie überrollt Europa - nicht nur beim Verbrenner, sondern allen voran beim E-Auto. Hohe Standards, eine klare Ausrichtung über Jahre hinweg zahlen sich aus, weil klar ist, wohin Forschungs- und Entwicklungsgelder fließen sollten. Die angebliche "Technologieoffenheit als Innovationsmotor" ist nichts anderes als der Versuch, das alte fossile Geschäft noch einige Jahre am Leben zu halten.
Und vielleicht der letzte Grund: Physik ist nicht verhandelbar. Solange wir weiter fossile Brennstoffe verbrennen, steigt die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, werden die globalen Temperaturen weiter zunehmen, werden die Folgen gravierender. Das ist schlichte physikalische Gegebenheit und damit können und sollten wir nicht verhandeln.
Martin Tillich / Utopia
431 Millionen Euro. 🔥
So viel kostet ein einzelner Hitzetag die deutsche Wirtschaft laut einem neuen Prognos-Gutachten, das im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erstellt wurde.
Bemerkenswert ist, wo diese Kosten entstehen: Krankmeldungen und Arbeitsunfälle machen nur einen kleinen Teil aus.
97 Prozent der Kosten entstehen durch Produktivitätsverluste. Beschäftigte arbeiten weiter, aber Hitze macht langsamer, erschwert die Konzentration und erhöht die Fehleranfälligkeit.
Besonders betroffen sind Menschen, die körperlich arbeiten oder ihren Arbeitsplatz nicht einfach in klimatisierte Räume verlegen können: auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Verkehr oder in Lagerhallen.
Die Studie rechnet vor, dass sich die direkten Kosten durch zusätzliche Hitzetage in den kommenden Jahrzehnten auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr summieren könnten. Werden Auswirkungen entlang von Liefer- und Wertschöpfungsketten mitgerechnet, fallen sie noch deutlich höher aus.
Unternehmen können die Temperaturen draußen nicht beeinflussen. Sie können aber beeinflussen, wie sie darauf reagieren: mit Verschattung, Kühlung, Trinkwasser, flexibleren Arbeitszeiten und verbindlichen Hitzeschutzplänen.
👉 Die Kosten von Hitze sind messbar. Entsprechend sollte auch Hitzeschutz Teil der Unternehmensplanung sein.
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