Montag, 29. Juni 2026

Eine Industrienation, die die Ideen von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern grundsätzlich nicht mehr umsetzen will, muss als Industrienation zwingend scheitern

Stefan Krauter / LinkedIn

Inzwischen befürchte ich fast, dass wir in Deutschland nie vorankommen werden, wenn die Grünen die guten Ideen immer zuerst äußern und alle anderen Parteien, die selbst eine Lösungsfindung verschlafen haben, dann reflexhaft gegen die Umsetzung der Lösung sind, weil die Grünen die Lösung zuerst benannt hatten. 

Ingenieure und Naturwissenschaftler sind bei den Grünen. 

Wenn wir grundsätzlich nichts mehr umsetzen, was Ingenieure oder Naturwissenschaftler vorschlagen, weil CDU/CSU/AfD aus ideologischen Gründen gegen Lösungen sind, die von den Grünen vorgeschlagen wurden, dann können wir den Laden auch gleich dichtmachen. 


Eine Industrienation,die aus
konservativ- /neoliberal- /neolibertär-ideologischen Gründen
die Ideen von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern grundsätzlich nicht mehr umsetzen will,
muss als Industrienation zwingend scheitern. 

CDU/CSU/AfD sind zu großen Teilen
noch nicht einmal mehr bereit über
technische und naturwissenschaftliche Fragen zu sprechen,
weil alle Problemlösungen ihnen als „links-grün“ gelten. 


Nun, wenn der Fortschritt und die Modernisierung abgelehnt werden, weil man sie als „links-grün“ ansieht, dann muss man hinnehmen, dass CDU/CSU/AfD aus ideologischen Gründen gegen eine moderne und zukunftsorientierte Industrie sind. 

In den letzten Jahrzehnten haben wir auf diese Weise zuerst bei Fernsehern, Fotos, Stereoanlagen (und deren Nachfolgern), Mobiltelefonen (und deren Nachfolgern), Computern, PV-Modulen, Medikamenten, etc. bis hin zu den modernen Autos verloren. 

Patente und ganze Firmen gingen deshalb massenweise in chinesische Hände über. 

Und all das, weil man seitens der Konservativen immer weniger Geld in die Bildung und Forschung investieren wollte, um den Reichsten und Allerreichsten die Steuern vermindern zu können. 

Das Ausland zieht derweil seit vielen Jahren mit hoher Geschwindigkeit technisch an Deutschland vorbei. Wer einmal nach Asien reist, der fällt aus allen Wolken, weil man uns dort technisch und im Standard um Jahrzehnte voraus ist. 

CDU/CSU haben vollkommen aus dem Blick verloren, das Deutschland nicht von den Meinungen seiner Rechtsanwälte (Merz, Söder und viele andere bei CDU/CSU sind Rechtsanwälte), sondern von den Ergebnissen der Ingenieure und Naturwissenschaftlern lebt. 

Wer den Fortschritt aus ideologischen Gründen behindert - und das sind CDU/CSU/AfD - der fesselt die deutsche Wirtschaft und behindert ihre Leistungsfähigkeit. 

Habeck hat die Modernisierung gefördert und ihr die bürokratischen Hürden aus dem Weg geräumt, die CDU/CSU aufgetürmt hatten. 

Unter Merz ist Deutschland inzwischen in allen möglichen Branchen wieder so sehr gelähmt worden, dass unser Land von außen vermutlich bereits für scheintot gehalten wird. 

Was wollen die Wähler und Wählerinnen von CDU/CSU/AfD eigentlich? Den kompletten Zusammenbruch unserer Wirtschaft? 



Tim Meyer

Wieder schwappt eine Welle von Posts und Kommentaren durch den Äther, die deutsche Wirtschaft und Industrie leide unter einem „zu viel“ an Klimaschutz. 

Allen Temperaturrekorden, Arbeitskraftausfällen und wirtschaftlichen Schäden der aktuellen Hitzewelle zum Trotz. 

Eine weitere Geschichte lautet, die Energiewende sei es, die Energie verteuert habe und damit deutsche Unternehmensstandorte gefährde. Die ganz Verbissenen stellen sogar einen direkten Zusammenhang zwischen dem deutschen Atomausstieg und der Ankündigung von VW her, 100.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Auch hier auf LinkedIn. Da habe ich mir tatsächlich erst die Augen reiben müssen.

Doch mit derlei unterkomplexen Analysen und nachweislich falschen Erzählungen heizt man vor allem den Kulturkampf an und verschlimmert zugleich die strukturellen Probleme der deutschen Industrie. Denn die leidet allem voran unter dem Wettbewerb aus China und den strukturellen Problemen hierzulande sowie eigenen Fehlentscheidungen und fehlendem unternehmerischen Mut. Siehe Automobilindustrie, die viel zu spät erkannt hat, dass mit ihrer Kernkompetenz Verbrennungsmotoren die Zukunft nicht zu gewinnen ist. Spiegelbildlich dazu hat sich China mit klarer Strategie und erheblicher Härte Technologie- und Kostenführerschaft in vielen einst urdeutschen Märkten erarbeitet. 

„Chinaschock 2.0“ lautet die Diagnose. Doch die reicht weit über die Automobilindustrie hinaus und tief in angestammte Kernmärkte der deutschen Maschinen-, Elektronik-, Logistik- und Medizintechnik-Hersteller. China ist nicht mehr unsere Werkbank für Konsumgüterprodukte, sondern selbst Technologielieferant. Wie stark das Exportland Deutschland von dieser strukturellen Umkehrung getroffen wird, hat die Süddeutsche Zeitung in einem längeren Stück am Wochenende dargestellt. Daraus stammt auch die Grafik. Nach Zahlen des Institutes der Deutschen Wirtschaft habe die deutsche Industrie in den Jahren von 2019 bis 2025 alleine wegen China 400.000 Arbeitsplätze verloren. 

Also lassen wir doch bitte den Kulturkampf darüber, ob die deutsche Wirtschaft mit weniger Modernisierung oder höheren CO2-Emissionen besser dran wäre. Wie und wann im historischen Vergleich war bitte ein Beschwören vergangener Tage und alter Technologie jemals erfolgreich?

Unternehmerisch gewinnt man nur durch Investitionen in die Zukunft. Also nicht in mehr alte und teure fossile Energien und Abhängigkeiten, sondern in Elektrifizierung und eigene, saubere Technologie und moderne Infrastruktur. 

Dass unsere einst führende Technologie jetzt durch neue und bessere abgelöst wird, ist bitter. Aber es ist eben auch der normale Gang der Dinge. Den aufhalten zu wollen oder gar zurückzudrehen, macht es nur schlimmer. Oder glaubt tatsächlich jemand, neue AKW würden die deutsche Automobilindustrie wieder auf Erfolgskurs bringen? Oder wir kämen zukünftig ohne moderne und digitalisierte Stromnetze durch? Oder könnten in einer elektrifizierten Welt weiter Verbrennungstechnik exportieren? 

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