Dienstag, 30. Juni 2026

Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock

WiWo  hier  29.06.2026

Ökonomen zur Hitzewelle – neues Risiko für die Wirtschaft


Ökonomen sehen in der Hitzewelle ein wachsendes Risiko für Deutschlands Wirtschaft. Die Risiken reichen von Produktionsausfällen bis zu höheren Energiekosten.

Fahrbahndecke der A2 wird erneuert. Die hohen Temperaturen hatten die Fahrbahn beschädigt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Hitzewelle in Europa und dessen größter Volkswirtschaft Deutschland lässt Experten zufolge auch die Konjunktur ins Schwitzen geraten. 

„Die aktuellen Hitzewellen bringen ein neues Abwärtsrisiko
für die europäische Wirtschaft mit sich“,

 sagte der Chefvolkswirt der Bank ING, Carsten Brzeski, am Montag. Dieses reiche von Reibungen in den Lieferketten aufgrund niedriger Wasserstände in wichtigen Flüssen über beeinträchtigte Infrastruktur wie Eisen- und Autobahnen bis hin zu Produktivitätsverlusten. 

Hitzewellen würden still und leise von einem Wetterereignis
zu einer „makroökonomischen Größe“ aufsteigen. 

„Das Thermometer, so stellt sich heraus, ist zu einem Frühindikator geworden“, sagte Brzeski.

Auch dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge hinterlässt die Hitzewelle makroökonomische Spuren. „Aber ein genaues Preisschild lässt sich da nicht daran heften“, sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling der Nachrichtenagentur Reuters. „Eine auf wenige Tage begrenzte Hitzewelle dürfte den Konjunkturverlauf wenig beeinträchtigen.“

Es gebe Branchen, denen die Hitze besonders zusetze. Dazu gehöre der Bau, wo bei Temperaturen von teils mehr als 40 Grad vielfach nichts mehr ging. „Allerdings können hier Arbeiten teilweise auch nachgeholt werden, wenn die Temperaturen sich wieder normalisieren“, sagte Grömling. 

Generell gelte, dass der Anteil der physisch sehr beanspruchenden Jobs in einer sich immer mehr Richtung Dienstleistungen entwickelnden Wirtschaft zurückgehe. „Dies bremst den makroökonomischen Impact, es bleiben gleichwohl die Mikroschäden“, betonte der IW-Konjunkturchef.

Extreme Hitze entwickelt sich auch einer Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade zu einer wachsenden Belastung für die deutsche Wirtschaft. Demnach könnten sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden Dollar summieren, wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen.

 „Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock“, sagte dazu Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Ab Temperaturen über 30 Grad schmilzt die Produktivität und Energiekosten steigen – das lähmt industrielle Volkswirtschaften wie Deutschland.“

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