Die irre Doppelmoral beim Stromnetz: Oben abkassieren, unten blockieren
E.ON-Chef Leonhard Birnbaum schimpfte jüngst über die „irre Subventionierung von Wärmepumpen“. Wirklich irre ist: Die E.ON-Tochter Westnetz erzielt 45 % Eigenkapitalrendite – finanziert komplett über unsere Netzentgelte.
Laut BNE-Analyse (https://lnkd.in/gtSBXiNA) lag die Durchschnittsrendite der 18 größten Verteilnetzbetreiber 2024 bei 30,1 % (erlaubt sind eigentlich 5–7 %). Sie machen risikofreie Rekordgewinne, während die Digitalisierung stagniert. Teuer ist nicht die Wärmepumpe. Teuer ist dieses träge Monopol, dessen faire Regulierung uns 3 Milliarden Euro jährlich entlasten könnte.
Zwei systemische Konstruktionsfehler blockieren den Fortschritt:
- Der „Redispatch-Skandal“ (Bürokratie als Waffe)
Anstatt in digitale Netze zu investieren, forderte Westenergie-Chefin Katherina Reiche noch höhere Renditen und drängte auf einen „Redispatch-Vorbehalt“: Erneuerbare Energien sollten bei Engpässen einfach entschädigungslos abgeregelt werden. Das eigene, jahrelange Digitalisierungsversagen sollte eiskalt und ohne Kompensation auf die Anlagenbetreiber abgewälzt werden. - Die Querverbund-Falle (Verdeckte Kommunalfinanzierung)
Warum schaut die Politik zu? Weil Städte und Landkreise massiv an den Netzen mitverdienen. Über den „steuerlichen Querverbund“ fließen die Netz-Gewinne direkt in den defizitären ÖPNV oder das lokale Freibad. Jede durch smarte Software, PV oder Speicher eingesparte Kilowattstunde reißt ein Loch in den kommunalen Haushalt. Das System belohnt Ineffizienz (physisches Kupfer bringt CAPEX-Rendite) und bestraft Innovation (smarter Code gilt als einzusparendes OPEX-Risiko).
Das Fazit:
Wir managen die Energiewende mit einer Buchhaltungslogik aus dem 19. Jahrhundert. Das System bezahlt Netzbetreiber wie Taxifahrer nach gefahrenen Kilometern. Nimmt der Fahrer eine smarte Abkürzung per Software, schrumpft seine eigene Rendite-Basis.
Wir brauchen dringend ein TOTEX-Modell, das digitalen Code genauso belohnt wie dummes Metall. Erst wenn Effizienz profitabler wird als das reine Verbuddeln von Kupfer, beenden wir die verdeckte Freibad-Steuer auf der Stromrechnung und machen den Weg frei für ein echtes Smart Grid.
hier Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) 16.06.2026
Pressemitteilungen, Veröffentlichungen
bne Analyse: Netzbetreiber erzielen Rekordrenditen. Dennoch gibt es eine Netzkrise
Deutschlands zunehmend resiliente Energieversorgung durch die Energiewende stößt zunehmend an die Grenzen der Netzinfrastruktur. Batteriespeicher, Erneuerbare-Energien-Anlagen, Industrieprojekte und Rechenzentren warten vielerorts vergeblich auf Netzanschlüsse. Gleichzeitig erzielen die größten deutschen Verteilnetzbetreiber traumhafte Renditen zu Lasten der Stromkunden. Wie hoch diese Renditen sind, zeigt eine neue Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne).
Die Untersuchung der 18 größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands zeigt:
Deren marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite lag im Jahr 2024 im Durchschnitt bei 30,1 Prozent. Bereits 2023 betrug sie 16,6 Prozent. Die betrachteten Unternehmen versorgen rund die Hälfte aller deutschen Haushalte und Unternehmen mit Strom.
Besonders hohe Renditen erzielten unter anderem EWE Netz (61 Prozent), Westnetz (45 Prozent), die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (43 Prozent) und Bayernwerk Netz (38 Prozent).
Die Analyse zeigt zudem, dass die hohen Renditen kein einmaliger Ausreißer sind. Vielmehr erzielen die großen Verteilnetzbetreiber seit Jahren deutlich höhere Erträge als die kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsungen vermuten lassen.
Laut Studie „Kostensenkungspotentiale im Verteilnetz“ von Tim Meyer könnten die Netzkunden perspektivisch um bis zu drei Milliarden Euro jährlich entlastet werden, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein angemesseneres Niveau sinken würden.
Umso erstaunlicher ist es, dass derzeit über noch höhere Renditen diskutiert wird, statt über deren Absenkung. Aktuelle Verlautbarungen der Bundesnetzagentur lassen einen weiteren Anstieg der kalkulatorischen Renditen für Netzbetreiber im Rahmen des Nest Prozesses befürchten. Den hohen Renditen der Netzmonopole stehen hohe Netzentgeltkosten gegenüber, die von Industrie und Handel getragen werden müssen, die im Wettbewerb stehen.
Aus Sicht des bne besteht erheblicher Reformbedarf. Es darf nicht sein, dass die großen Verteilnetzbetreiber risikolose Traumrenditen einfahren und zugleich eine massive Netzkrise fortbesteht. Während die Netzentgelte für Verbraucher und Unternehmen seit Jahren steigen, hinkt Deutschland bei Netzanschlüssen, bei der Digitalisierung der Netze, bei der Standardisierung von Netzanschlussprozessen sowie beim Smart-Meter-Rollout hinterher. Projektierer berichten regelmäßig von langen Bearbeitungszeiten und fehlender Transparenz.
Zwingend ist daher eine stärkere Ausrichtung der Regulierung zum einen auf die realen Gewinne sowie die diesen gegenüberstehende tatsächliche Leistung der Netzbetreiber. Dazu gehören mehr Transparenz über Kosten und Gewinne, eine konsequente Kostenkontrolle, schnellere und bundesweit einheitliche Netzanschlussverfahren sowie stärkere Anreize für Digitalisierung und intelligente Netznutzung.
„Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern. Die aktuelle Netzkrise zeigt, dass genau hier erheblicher Nachholbedarf besteht“, betont Busch.
Die Verteilnetzbetreiber haben eine zentrale Verantwortung für den Standort Deutschland. Anstatt die Renditen immer mehr zu optimieren, sollten die Verteilnetzbetreiber in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur investieren.
Aufgabe der Bundesnetzagentur sowie
des Bundeswirtschaftsministeriums ist es,
ausreichend Druck auszuüben,
dass die Verteilnetzbetreiber ihrer Rolle gerecht werden
Die vollständige Analyse „Verteilnetzbetreiber im Renditehoch“ steht hier zum Download bereit.
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