Freitag, 12. Juni 2026

Das ist keine Delle. Das ist Nachfragezerstörung.

 Daniel Mautz / LinkedIn

Der Iran-Krieg erledigt gerade, wofür Klimapolitik Jahrzehnte gebraucht hat

Benzinpreise in den USA über 4,50 Dollar pro Gallone. 40 Prozent mehr seit Kriegsbeginn. 44 Prozent der Amerikaner:innen fahren weniger Auto, öffentliche Verkehrsmittel melden steigende Fahrgastzahlen, gebrauchte E-Autos verkaufen sich spürbar besser. 


Die Internationale Energieagentur prognostiziert einen Rückgang der Ölnachfrage um 420.000 Barrel pro Tag. Das ist keine Delle. Das ist Nachfragezerstörung.

Der eigentliche Bruch passiert nicht in den USA. Er passiert in Asien, wo praktisch das gesamte Wachstum fossiler Nachfrage der nächsten Jahrzehnte verortet war. Japan meldet einen Einbruch der Naphtha-Nachfrage um ein Viertel. Südkoreas Präsident fordert einen Schwenk zu Erneuerbaren. Pakistan, die Philippinen und Sri Lanka führen Vier-Tage-Wochen ein. China steigert seine Exporte von Solartechnik, Batterien und E-Autos massiv.
Wenn Asien von fossil auf elektrisch umschaltet, hat Öl seinen Höhepunkt bereits hinter sich.

Das ist der zweite Ölpreisschock in fünf Jahren. Einen Schock kann man als Ausreißer abtun. Zwei verschieben die Grundlogik. Die Parallele zu den 1970ern ist offensichtlich, nur dass es diesmal skalierbare, kostenkompetitive Alternativen gibt. Solar, Wind, Batterien, E-Mobilität.

Trump verspricht, die Preise würden nach Kriegsende fallen. Das ist das klassische Framing der vorübergehenden Störung, das jede strukturelle Veränderung zur Ausnahme erklärt. 

Selbst wenn die Straße von Hormus morgen frei wäre, dauert es Monate, bis Infrastruktur und Förderung wieder laufen. Jede Woche mit neuen Routinen macht die Rückkehr zum Alten unwahrscheinlicher.

Die fossile Industrie hat jahrzehntelang behauptet, es gebe keine Alternative. Jetzt liefert jeder Preisschock den Beweis, dass es sie längst gibt.


Link: https://lnkd.in/ew5smJqg




 Dirk Specht / LinkedIn

Chinas Wettbewerbsvorteile durch Trumps Politik werden immer deutlicher. 

Aus einer zweimonatigen Reise in Asien konnte ich beobachten, wir gut die Chinesen vorbereitet waren. Viele Berichte und Bewertungen in unseren Medien gehen weit an der Realität vorbei. Strategisches Handeln ist in Europa immer noch nicht erkennbar, während es in China immer mehr Früchte trägt. 

Jetzt berichtet das WSJ, dass China bisher ohne jeder erkennbare nationale Belastung drei Millionen Barrel Öl-Importe streichen konnte. Das ist die Dreifache Menge der Exportsteigerung der USA, die Trump gerne erwähnt, ohne dazu zu sagen, dass er dazu an seine Reserven muss. 

Was in dem Bericht gar nicht thematisiert wird: Die gigantischen Ölspeicher haben die Chinesen sogar ungewöhnlich für ihr sonstiges Timing im letzten Winter prall gefüllt. Die haben ohnehin seit Jahren zum Discount Öl aus Iran und Russland bezogen, was übrigens weiter läuft, jetzt hat Trump diesen Discount massiv ausgeweitet.

Während die Weltwirtschaft momentan mit Preisen um die 100 US$ versorgt wird, läuft die Chinesische ohne erkennbare Probleme mit dem halben Preis weiter.





Ein älterer Podcast mit Diskussion des chinesischen Stromsystems: hier

mit allen Quellen: hier

Ein Podcast direkt nach meiner Rückkehr, genau zu dem Thema: hier

Ein Gespräch mit Prof. te Heesen über die strategischen Hintergründe: hier

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