Jan Quecke / LinkedIn
Über negative Strompreise wird viel geklagt.
Über die Antwort darauf aber kaum gesprochen.
Allein im ersten Quartal sind in Deutschland rund 2,2 Gigawattstunden neue Batteriespeicher dazugekommen. Und das Interessante steckt im Detail.
Die kleinen Heimspeicher treten auf der Stelle, aber die großen Marktspeicher haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Vor allem die, die mittags laden und abends wieder einspeisen.
Das geht in der Debatte über die angeblich gescheiterte Energiewende meist unter.
Negative Preise sind kein Zeichen von zu viel sauberem Strom, sondern von fehlender Flexibilität.
Und die wächst gerade, nur leiser als die Schlagzeilen
Genug ist das noch lange nicht. Fraunhofer ISE rechnet bis 2030 mit 100 bis 170 Gigawattstunden. Aber man sieht, wohin es läuft.
Und damit verschiebt sich auch, worauf es beim Einkauf ankommt. Nicht mehr nur, wie viel Strom kommt, sondern wann.
Quellen:
Fraunhofer ISE, „Öffentliche Stromerzeugung 2025“ (Januar 2026), für den Bedarf von 100 bis 170 GWh bis 2030:
Strommarktdiagnose: Hitzeflaute.
Gegenmittel: Batteriespeicher.
Gegenmittel: Batteriespeicher.
Bei schnellerem Ausbau könnten deutsche Stromkunden bis zu 1,6 Mrd. EUR jährlich in 2030 und 2,8 Mrd. EUR jährlich in 2035 sparen. Das zeigt eine brandheiße Studie des EWI.
Die Hitzewelle führt auch auf dem Strommarkt zu Extremen:
nach Sonnenuntergang schießen Preise in Rekordhöhen. Knapp 750 EUR/MWh (75 ct/kWh) waren es am Mittwoch Abend.
Zwei Gründe: nur etwa 2 GW Stromerzeugung aus Windkraft waren zu diesem Zeitpunkt im Netz. „Hitzeflaute“.
Und im Sommer werden planmäßig Wartungsarbeiten an vielen Gas- und Kohlekraftwerken durchgeführt. Deren Angebot war ebenfalls knapp. Kurzfristig wieder hochgefahrene Kraftwerke preisen dadurch entstehende Zusatzkosten ein.
Die beste Medizin gegen kurzfristige Preisextreme nach oben und unten sind Batteriespeicher. Ihr Geschäft besteht darin, Preisschwankungen zu Geld zu machen. Dabei senken Sie die Durchschnittspreise und sparen allen Stromkunden Geld (siehe Grafik). Richtig eingesetzt senken Sie zudem die Kosten des Stromnetzes.
Wie groß diese Effekte sind, hat das Energiewirtschaftliche Institut EWI in einer neuen Studie im Auftrag von green flexibility ermittelt.
Dabei wurden zwei Ausbaupfade für Großbatteriespeicher untersucht:
- langsamer Hochlauf auf 12 GW in 2030 bzw. 19 GW in 2035 – orientiert am sehr batteriearmen Pfad des NEP B -
- oder ein schneller Hochlauf auf 32 GW bzw. 57GW. Die durchschnittliche Speichertiefe wurde mit 2,7 h in 2030 und 3,1 h in 2035 angenommen.
Ergebnis des Vergleichs bei schnellerem Ausbau (alle Angaben für 2035):
- Mehr teure Stromerzeugung aus Gas und Kohle sowie Stromimporte werden verdrängt. Variable Systemkosten sinken um 7%
- Das mittlere Strompreisniveau sinkt um 5%
- Die Preisvolatilität sinkt um 26%
- Marktwerte für Solarstrom steigen um 18%, die für Windkraft sinken um 5% (On-Shore) bzw. 12 % (Off-Shore)
- Marktliche Abregelung von EE-Strom sinkt um 48%
- Redispatch kann je nach Ausgestaltung des Rahmens sinken (nicht quantifiziert)
- In Summe senkt ein beschleunigter Speicherausbau die Stromkosten über alle Verbrauchergruppen um bis 1,6 Mrd. EUR in 2030 und 2,8 Mrd. EUR in 2035
Unser Stromsystem leidet unter mangelnder Flexibilität, nicht nur während Hitzeflauten.
Es braucht eine beschleunigte und sinnvoll orchestrierte Behandlung mit Batteriespeichern. Dabei können neben Einsparungen positive Nebenwirkungen bei der Versorgungssicherheit erzielt werden, bis hin zur Ausweitung der Schwarzstartfähigkeit.
Es braucht eine beschleunigte und sinnvoll orchestrierte Behandlung mit Batteriespeichern. Dabei können neben Einsparungen positive Nebenwirkungen bei der Versorgungssicherheit erzielt werden, bis hin zur Ausweitung der Schwarzstartfähigkeit.
Am Geld mangelt es nicht: Investoren sind genug da, ohne jegliche Förderung. Aber wir brauchen klare, einheitliche Spielregeln für Netzzugänge. Dazu gehört, dass netzschädliche Fahrweisen vermieden werden und netzdienliche Fahrweisen belohnt.
Spoiler: in Selbstorganisation von 850 Netzbetreibern mit tausenden Marktakteuren werden wir dieses Ziel kaum erreichen.
Es braucht JETZT einen geführten Prozess durch Ministerium und BNetzA und ebenso klare, durchsetzbare Vorgaben für Netzbetreiber.
Gavin Mooney / LinkedIn
Gasspitzenkraftwerke waren traditionell eines der Arbeitspferde, die die abendlichen Spitzenzeiten in Texas versorgen, aber Batterien übernehmen diese Rolle zunehmend.
Das untenstehende Diagramm zeigt die durchschnittliche Produktion pro Tagesstunde in ERCOT, dem Hauptnetz von Texas. Er vergleicht den Beitrag von Batterien und Gas-Peaker-Anlagen zwischen 2022 und 2025.
Die Veränderung war rasant.
- Im Jahr 2022 lieferten Batterien nur 7 % der kombinierten Batterie- und Spitzenleistung.
- Im Jahr 2025 war dieser Wert auf 34 % gestiegen.
Ein paar Dinge stechen besonders hervor:
✅ Die Batterieproduktion konzentriert sich zunehmend auf die morgendlichen und abendlichen Spitzen, wenn keine Solarenergie erzeugt wird.
✅ Die Spitzengasproduktion bleibt wichtig, aber ihr Anteil nimmt stetig ab.
✅ Batterien übernehmen einen immer größeren Anteil an der Produktion, die traditionell von Gas-Peakern geliefert wird.
Der Wandel hat sich beschleunigt, da Texas mehr Solarkapazität hinzugefügt hat, was einen der interessantesten Effekte zweiter Ordnung des Solarbooms schafft.
Da die Solarenergie mitten am Tag das Netz überflutet, fallen die Strompreise oft drastisch. Batterien können in diesen günstigen Phasen laden und erst wenige Stunden später entladen, wenn die Nachfrage hoch bleibt, aber die Solarleistung nachlässt.
Texas ist zu einem der attraktivsten Batteriemärkte der Welt geworden.
Massiver Solarausbau, starke Nachfragespitzen am Abend und ein Markt, der Knappheit belohnt, haben ideale Bedingungen für Batteriespeicherung geschaffen.
Massiver Solarausbau, starke Nachfragespitzen am Abend und ein Markt, der Knappheit belohnt, haben ideale Bedingungen für Batteriespeicherung geschaffen.
Gas-Peaker werden wahrscheinlich nicht ganz verschwinden. Batterien sind hervorragend darin, kurzfristige Spitzenzeiten abzudecken, aber längere Perioden hoher Nachfrage begünstigen weiterhin steuerbare Erzeugung.
Aber Batterien übernehmen zunehmend dieselbe Rolle, und ihr Marktanteil wächst weiter.
Michael Bloss 24.6.26
Ich bin seit heute in Berlin und direkt mit zwei guten Headlines aufgewacht:
1. Der gesamte Strom-Zubau 2025 war vollständig erneuerbar. Auf der ganzen Welt.
Das ist so eine gute Nachricht, ich konnte es kaum glauben! Die Energiewende ist im Anlauf und überrollt die ganze Welt. Wäre ganz schön doof, wenn Deutschland da jetzt reingrätscht und neue Gaskraftwerke baut - ich will die gleiche Headline nämlich nächstes Jahr wieder lesen!
Das ist so eine gute Nachricht, ich konnte es kaum glauben! Die Energiewende ist im Anlauf und überrollt die ganze Welt. Wäre ganz schön doof, wenn Deutschland da jetzt reingrätscht und neue Gaskraftwerke baut - ich will die gleiche Headline nämlich nächstes Jahr wieder lesen!
2. Wir haben letztes Jahr in Europa 80% mehr Batteriespeicher gebaut.
Auch das einfach super News für die Energiewende. Das stärkt die Resilienz unseres Energiesystems und ist super in Begleitung zum Erneuerbaren-Ausbau. Damit wir den Strom nicht abregeln müssen, wenn die Sonne gerade scheint und der Wind weht!
Auch das einfach super News für die Energiewende. Das stärkt die Resilienz unseres Energiesystems und ist super in Begleitung zum Erneuerbaren-Ausbau. Damit wir den Strom nicht abregeln müssen, wenn die Sonne gerade scheint und der Wind weht!
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