Mittwoch, 24. Juni 2026

Eine Theorie ohne Beleg wird nicht trotz, sondern wegen ihrer Schwäche wiederbelebt.

 Dominik Mimra  /LinkedIn

Russland bohrt acht Kilometer tief in die Arktis. Nicht für mehr Öl, sondern für eine bessere Geschichte über Öl

Geologen der Bergbau-Universität St. Petersburg wollen noch im Juni eine Theorie aus Sowjetzeiten belegen: Öl entstehe nicht nur aus Biomasse, sondern wachse aus dem Erdmantel ständig nach. 

Schon Mendelejew vermutete das im 19. Jahrhundert. Belegt wurde es nie — weder durch die legendäre Kola-Bohrung noch durch Thomas Golds Versuch im schwedischen Siljan-Ring. 

Mark Sephton vom Imperial College bringt den Forschungsstand auf den Punkt: Die molekulare Architektur des Erdöls spiegelt seinen biologischen Ursprung wider, und das ziemlich deutlich.

Interessanter als die Geologie ist, was in dieser Erzählung fehlt: die Klimakrise. Sie kommt schlicht nicht vor.

Das ist kein Zufall, sondern die eigentliche Funktion. Wenn Öl nachwächst, ist es kein fossiler Brennstoff mehr, sondern eine erneuerbare Ressource. Damit verschwindet nicht nur das Knappheitsargument. Es verschwindet die moralische Hebelwirkung des Fossilen insgesamt.

Eine Theorie ohne Beleg wird also nicht trotz, sondern wegen ihrer Schwäche wiederbelebt. Sie verspricht etwas, das keine Energiewende bieten kann: die verlorene Unschuld zurück.

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