Dienstag, 2. Juni 2026

Eingriff in den Vertrauensschutz wurde bewußt verhindert

siehe dazu auch hier

Dr. Stefan Preiß / LinkedIn   2. Juni 2026

Bundesnetzagentur, AgNes und die Speicher: „Wir brauchen noch viel mehr davon“

Spürbar war die Erleichterung in der Energiespeicherbranche, als die Bundesnetzagentur am vergangenen Mittwoch den Zwischenstand ihrer Überlegungen zum AgNes-Prozess vorgestellt hat. 

Die Behörde ist nach vielen Gesprächen mit der Branche zur Einsicht gelangt, dass der Ausbau der zentralen Flexibilität nicht durch einen Eingriff in den Vertrauensschutz gefährdet werden darf. Speicher seien elementar für das Energiesystem der Zukunft und die Steigerung der Versorgungssicherheit. „Wir brauchen noch viel mehr davon“, sagte Behördenchef Klaus Müller.

Der Titelbereich von ContextCrew Neue Energie 23.2026 ist dem AgNes-Zwischenstand gewidmet. Hier sind die zentralen Inhalte der Präsentation der Netzbehörde zu finden. 

Der Titeltext ist der Bewertung durch die Stakeholder der Energiebranche gewidmet. Während die Wahrung des Vertrauensschutzes für Speicher durchgängig gelobt wird, scheiden sich die Geister an anderen Elementen des Zwischenstands. 

Die BNetzA gehe in Sachen Flexibilisierung nicht weit genug, ist aus der Branche zu hören.

Kritik an unzureichender Ambition des AgNes-Zwischenergebnisses

Dabei geht es auch um das Thema dynamische Netzentgelte.

  • Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) spricht davon, dass die BNetzA hier vor den Defiziten auf Seiten der Netzbetreiber „kapituliert“ habe. 

  • Scharfe Kritik übt auch das Hamburger Cleantech-Unternehmen 1Komma5°.
    „Die BNetzA knickt vor den Netzbetreibern ein und bürdet Prosumern die Kosten dafür auf. Ambition: Fehlanzeige“, sagt Philipp Schröder, CEO & Mitgründer von 1Komma5°.
    „Flexibilität wurde klar depriorisiert.
    Nach zwölf Monaten Stakeholder-Prozess ist das ein ernüchterndes Zwischenergebnis.“ Statt Anreize für netzdienliches Verhalten zu setzen, führe die BNetzA einen pauschalen „Prosumer-Aufschlag“ ein.

Vielfach gelobt wird der kommunikative Ansatz der BNetzA, die in einem sehr strukturierten Prozess Rückmeldungen aus der Branche einholt und in der Weiterentwicklung der Regulatorik berücksichtigt. Genau dies würden sich viele Stakeholder der Energiebranche auch vom BMWE wünschen. So gibt es aus Branchensicht massiven Korrekturbedarf beim Thema Redispatch-Vorbehalt – ein Ansinnen, das die Energieminister der Bundesländer unisono teilen.

Studien: Zubau neuer Gaskraftwerke könnte deutlich reduziert werden

Änderungsbedarf sehen viele Stakeholder auch bei der Kraftwerksstrategie: Studien der FAU und des Wuppertal-Instituts sehen viel Raum für regenerative Flexibilität anstelle neuer fossiler Kraftwerke. Flexible Biogas-Speicherkraftwerke könnten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und gleichzeitig strompreisdämpfend wirken, heißt es in dem Papier der FAU. 

Mit wasserstoffbasierten Reservekraftwerken bestehe zwar eine technische Alternative, „diese ist unter den derzeitigen Randbedingungen jedoch mit deutlich höheren volkswirtschaftlichen Kosten verbunden“.

Das Wuppertal-Institut sieht ebenfalls viel Potenzial für regenerative Flexibilität. Flexible, klimafreundliche Optionen wie Strom- und Wärmespeicher, Energieeffizienz und flexible Biogaskraftwerke könnten Engpässe in der Energieversorgung kosteneffizient und zuverlässig ausgleichen – und dadurch den Bedarf an neuen Kraftwerken deutlich reduzieren.


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