Montag, 2. Februar 2026

Wo man an Menschenrechte und Integration glaubt: Spanien

 Ruth Gelfert • herCAREER

"»Wir stärken ein Migrationsmodell, das auf Menschenrechten und Integration beruht und mit Wirtschaftswachstum und sozialem Zusammenhalt vereinbar ist«, 

sagte Regierungssprecherin und Migrationsministerin Elma Saiz. Sie verwies auf das vergleichsweise starke Wirtschaftswachstum in Spanien und den Rückgang der Arbeitslosigkeit, was auch auf die Offenheit für ‌Einwanderung zurückzuführen sei."

Gut, dass es noch Stimmen der Vernunft gibt!

Spiegel hier 27.01.2026,

Spanien will Aufenthalt einer halben Million Einwanderer legalisieren

Während andere westliche Länder einen immer migrationsfeindlicheren Kurs verfolgen, geht Spaniens Regierung einen anderen Weg: Sie bietet Hundertausenden Migranten Papiere und will sie schnell in den Arbeitsmarkt bringen.

Die spanische Regierung will per Dekret den Aufenthaltsstatus von rund 500.000 Immigranten ohne gültige Papiere legalisieren. Einen entsprechenden Entwurf hat die sozialistisch geführte Koalition vorgestellt.

Der Plan soll auch die Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt beschleunigen. »Wir stärken ein Migrationsmodell, das auf Menschenrechten und Integration beruht und mit Wirtschaftswachstum und sozialem Zusammenhalt vereinbar ist«, sagte Regierungssprecherin und Migrationsministerin Elma Saiz. Sie verwies auf das vergleichsweise starke Wirtschaftswachstum in Spanien und den Rückgang der Arbeitslosigkeit, was auch auf die Offenheit für ‌Einwanderung zurückzuführen sei.

Spanien fährt damit einen anderen Kurs als viele andere westliche Länder, allen voran die USA unter Präsident Donald Trump, der alle Ausländer ohne legalisierten Status abschieben lassen will.

Der Beschluss der spanischen Regierung sieht vor, dass alle Einwanderer, die nachweisen, dass sie sich vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien aufgehalten und keine Straftaten begangen haben, auf Antrag eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit sofortiger Arbeitserlaubnis erhalten. Nach einem Jahr kann sie in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden.

Die Regierung sprach sich dafür aus, die Maßnahme per Dekret umzusetzen, nachdem eine entsprechende Gesetzesinitiative im parlamentarischen Verfahren stecken geblieben war und voraussichtlich keine Mehrheit gefunden hätte. Die konservative Volkspartei PP und die rechtspopulistische Vox warnen vor möglichen politischen Risiken und Belastungen für den Arbeitsmarkt sowie die sozialen Sicherungssysteme.

20 Prozent im Ausland geboren

Spanien hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Zuwanderung erlebt. Nach jüngsten Daten des nationalen Statistikamtes Ine lebten im Jahr 2025 rund 9,8 Millionen Menschen im Land, die im Ausland geboren wurden – knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die größten Gruppen ausländischer Herkunft kamen aus Marokko, Kolumbien, Venezuela, Rumänien und Ecuador. 



hier 
27.01.2026 Jakob Maurer, Fabian Scheuermann

„Gegen Hass, für Rechte und Demokratie“: Spanien legalisiert bis zu 600.000 Migrantinnen und Migranten trotz rechter Opposition

Die Regierung in Spanien schafft einen Weg zum legalen Aufenthalt Zugezogener. Bis zu 600 000 Menschen im Land könnten davon profitieren. Es soll auch ein Zeichen gegen die extreme Rechte weltweit sein.

Zu Zeiten, in denen die Vereinigten Staaten auf martialische Art Hunderttausende Migrant:innen ohne festen Aufenthaltsstatus aus dem Land werfen – und es in Europa ähnliche Tendenzen gibt –, geht Spanien einen anderen Weg. 

Wie die linksgerichtete Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez bestätigte, beschloss das Kabinett am Dienstag ein Vorhaben, das einen Weg zum legalen Aufenthalt für Ausländerinnen und Ausländer im Land schafft – für alle, die nicht vorbestraft sind und die nachweisen können, dass sie schon vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien gelebt haben. Sie müssen einen Aufenthalt von mindestens fünf Monaten ohne Unterbrechung nachweisen können.

Wie die Zeitung „El País“ berichtete, könnten bis zu 600 000 Menschen von dem Legalisierungsprogramm profitieren. „Wir werden die Rechte unserer Nachbarn und Nachbarinnen, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gewährleisten“, versprach Arbeitsministerin Yolanda Díaz und fügte an: „Während die extreme Rechte weltweit Migranten angreift, erkennt die spanische Regierung ihnen ihre Staatsbürgerschaft zu. Gegen ihren Hass, für Rechte und Demokratie.“

Spaniens linke Partei Podemos spricht von der „wichtigsten Sozialreform der Legislatur“

Unterstützung dafür bekommt die Regierung von kleineren linken Parteien, darunter Podemos; Generalsekretärin Ione Belarra sprach von der „wichtigsten Sozialreform der Legislatur“. Die Initiative muss als „Königliches Dekret“ nicht vom Kongress bestätigt werden – dort hätten Konservative und migrationsfeindliche Ultrarechte diese blockiert.

Ziel der Regierung ist es, Integration zu erleichtern – auch in den Arbeitsmarkt, wo aufgrund des demografischen Wandels zunehmend Arbeitskräfte fehlen. Spaniens Migrationsministerin Elma Saiz sagte dem Sender RTVE, dass die neu „Legalisierten” künftig „in jedem Sektor in in jedem Teil des Landes” arbeiten dürften. Laut einem Bericht des „Handelsblatts” hat Migration in großem Maße zum robusten spanischen Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre beigetragen. Seit den 80ern wurden in Spanien bereits mehrfach Zugezogene nachträglich legalisiert. Heute leben im Land knapp 49 Millionen Menschen – vor zehn Jahren waren es noch drei Millionen weniger.

Hauptherkunftsländer der Migrant:innen in Spanien sind Kolumbien, Marokko und Venezuela

Allein 2024 zogen laut OECD rund 368 000 Menschen dauerhaft nach Spanien – Hauptherkunftsländer waren Kolumbien, Marokko und Venezuela. Dazu kamen 164 000 Schutzsuchende – vor allem aus Venezuela, Kolumbien und Mali. Auch abgelehnte Asylsuchende sollen der Einschätzung spanischer Menschenrechtsorganisationen zufolge vermutlich von dem Legalisierungsprogramm profitieren.

Laetitia Van der Vennet von der Menschenrechtsorganisation Picum mit Sitz in Brüssel lobte die Initiative am Dienstag. Die Reform sei ein „eindrucksvoller Beweis” dafür, dass die Legalisierung von Migrant:innen auch heutzutage in großem Stil möglich sei. Sie betonte, dass „Tausende von Menschen ohne Papiere, die sich in Spanien ein Leben aufgebaut haben”, künftig wohl ein Leben in „Würde, Stabilität und mit Zugang zu Grundrechten” führen könnten. Van der Vennet sagte weiter: „In einer Zeit, in der sich auf beiden Seiten des Atlantiks ein feindseliges Klima gegenüber Migranten ausbreitet, zeugt dieser Schritt sowohl von Menschlichkeit als auch von gesundem Menschenverstand. Wir hoffen, dass weitere Regierungen diesem Beispiel folgen.“

Spaniens rechtskonservativer Oppositionsführer Alberto Núñez Feijoo kritisierte indes: „Im sozialistischen Spanien wird Illegalität belohnt.“

In Deutschland wurden Zugezogene zuletzt in größerem Stil mithilfe des von der Ampel-Regierung durchgesetzten „Chancen-Aufenthaltsrechts“ legalisiert. Mit Stand November 2025 hatten auf diesem Wege mehrere Zehntausend Menschen, die zuvor meist den unsicheren Status einer Duldung hatten, einen regulären Aufenthaltsstatus erhalten – inklusive Arbeitserlaubnis. (Von Fabian Scheuermann und Jakob Rose)





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