Lügen sind der erhoffte Weg zum Ziel, wenn die CSU wieder mal von Atomstrom träumt - man denke nur an die nicht existenten Fachleute oder an die nicht existenten kleinen Reaktoren in Kanada, beides Märchenerzählungen von Hr. Söder. Damit kann man wunderbar vom eigenen Versagen ablenken und möglichst viel Geld nach Bayern pumpen, das kennen wir doch alles bereits zur Genüge.
Egal, ob sinnvoll oder nicht - auch die Entwicklung von Wasserstoffautos bei BMW wird mit Millionen gefördert. Irgendwem wird es wohl nützen, wenn schon nicht der Gesellschaft und dem Gemeinwohl....
daher finde ich den Post von Stefan Krauter mehr als interessant. Tim Meyer und Dirk Specht beleuchten die Hintergründe des geplanten polnischen Projekts während Martin Jendrischik von Schwedens Weg erzählt. Ganz unten die Meldungen des CSU-Traumes.
Stefan Krauter LinkedIn
Weshalb die CDU/CSU so begierig ist, neue Atomkraftwerke zu bauen: Weil sie korruptionsanfälliger sind. Während bei PV & Wind selten mehr als 10% Mehrkosten auftreten, sind es bei der Atomkraft öfter mal 200% und mehr. Viel lukrativer Spielraum für "Berater", Mittelsmänner, Wucherer, Amigos..
Tim Meyer LinkedIn
Ein großer Schritt für die Atomkraft in Europa – wenn auch nicht für die europäische Atomindustrie und vermutlich auch nicht für polnische Stromkunden:
die EU-Kommission hat umfassende Beihilfen für den Bau und Betrieb des ersten polnischen AKW mit bis zu 3,75 GW genehmigt.
Die Beihilfen enthalten gleich mehrere fette Brocken, um die aktuell auf 42 Mrd. EUR geschätzten Baukosten zu finanzieren:
- 14,2 Mrd. EUR fließen als Eigenkapital des Staates in den Betreiber Polskie Elektrownie Jadrowe (PEJ), um den Projektstart überhaupt zu ermöglichen
- Für sämtliche Fremdfinanzierungen für das Projekt gibt der polnische Staat Garantien. Bau- und Betriebsrisiken trägt der Steuerzahler.
- Ein Contract for Difference (CfD) sichert über 40 Jahre Laufzeit Mindesterlöse für den produzierten Strom. Nach meinem Verständnis ist keine genaue Höhe festgelegt, sondern lediglich die Berechnungsmethode, die die am Ende aufgelaufenen realen Baukosten berücksichtigt. So soll sichergestellt werden, dass das Projekt sich refinanzieren kann und keine Übergewinne erwirtschaftet. Frühere Veröffentlichungen sprachen von einem „strike price“ von etwas unter 100 EUR/MWh. Preisrisiken tragen Stromkunden.
- Über den entscheidenden Punkt der Anpassungsregeln für den Strike Price habe ich Nichts gefunden. Üblicherweise wird der inflationiert, d.h. die 100 EUR/MWh wären in heutigem Geldwert zu verstehen. Der bei Inbetriebnahme tatsächlich zu zahlende Preis läge höher
Vorarbeiten zum Bau sollen 2026 starten, Inbetriebnahme irgendwann in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre sein. Gebaut werden sollen 3 Blöcke des Typs AP1000 von Westinghouse . Die letzten Inbetriebnahmen dieses Typs fanden in den USA in Vogtle statt. Die zwei Blöcke kosteten am Ende 30 Mrd. USD statt geplanter 14 Mrd. und hatten 10 bzw. 11 Jahre Bauzeit. Kurzum: das Thema polnische AKW wird uns eine Weile begleiten…
Spannend wird vor allem die Frage, was die weiter in den nächsten 10-15 Jahren stattfindende Umwälzung des Strommarktes durch Erneuerbare Energien und Speicher mit dem Projekt macht. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte lässt vermuten, dass die Staatsgarantien den polnischen Steuerzahlen noch teuer zu stehen kommen werden:
Eine einfache Cash-Flow-Betrachtung zeigt das Dilemma der Atomkraft auch für Polen: nehmen wir an, die 42 Mrd. EUR Invest würden sich gleichmäßig auf 13 Jahre Projektdauer bis Inbetriebnahme verteilen. Bei Finanzierung zum heutigen Zinssatz polnischer Staatsanleihen von 5 % und gestreckt über dann 40 Jahre Betrieb würden die reinen Kapitalkosten über 11 ct/kWh betragen - vorausgesetzt die 3,75 GW produzieren ab Inbetriebnahme mit 8.000 Vollaststunden jedes Jahr. Dazu kämen Brennstoffkosten, Personal, Wartung und Endlagerung…
Dagegen arbeitet der Preisverfall des Wettbewerbs: im Jahr 2040 sind auch Bandlasten aus Erneuerbaren + Speichern + H2-Residualstrom günstiger als 10 ct/kWh. Es bleibt mir ein Rätsel, warum man AKW gegen solche Markt- und Kostenrisiken staatlich absichert.
Kommentar Dr. Uwe Dahlmeier
>10 ct./ kWh ist richtig, vom Staat garantiert sind 12 ct./ kWh, aber es werden > 20 ct./ kWh sein. Darin sind weder die umfassenden Versicherungskosten (keine Versicherung dieser Welt deckt die AKW-Risiken umfassend ab) noch angemessene Rückbau und Endlagerkosten enthalten. AKW-Strom ist mit Abstand die teuerste Form der Stromerzeugung.
Dirk Specht LinkedIn
Die polnische Regierung hat von der EU eine Genehmigung der staatlichen Subventionen für ein Kernkraftwerk erhalten und will dieses nun beauftragen. Die daraus folgenden Meldungen von erneuten Durchbrüchen bis zu deutschen Alleingängen waren vorher schon geschrieben. Wirklich informativ ist davon nichts, die meisten Autoren erlauben sich sogar die Peinlichkeit, gar keine Daten oder Fakten dazu zu liefern. Ich hole das gerne nach:
- Genehmigt wurde die direkte Kapitalzuführung des polnischen Staates in Höhe von 14 Mrd. Euro in die staatliche Projektgesellschaft. Damit ist die Finanzierung der Eigenkapitalseite gesichert und die Bauvorbereitungen können beginnen.
- Auftragnehmer ist Westinghouse (USA), Baubeginn wäre 2028, geplante Inbetriebnahme 2036.
- Geplante Finanzierung ca. 45 Mrd., 30% aus dem gerade genehmigte Eigenkapital, 70% über staatliche US-Bank „Exim“ sowie Konsortium.
- 100% Garantie der Gesamtfinanzierung durch den polnischen Staat.
- Für den Betrieb staatlich garantierter Mindestpreis von ca. 12 Cent pro KWh für 40 Jahre.
- Versicherungspflichten, Haftung, Entsorgung leistet der Staat.
- Risiken von Kosten- und Planabweichungen trägt ebenfalls der Staat, inklusive Absicherung der privaten Finanzgeber.
- Das sind also Doppelsubventionen vom Bau bis zum Betrieb plus komplette staatliche Absicherung aller Risiken.
Westinghouse bekommt sein Geld, die Banken ihre Zinsen. Finanziert wird das über einen hohen Strompreis sowie den Steuerzahler. Deren Schlussrechnung kennt man, wenn das Projekt dann mal fertig ist.
Ich finde es unredlich, diese Daten nicht zu nennen und verlogen, wenn dieselben Autoren an dieser oder anderer Stelle von Marktwirtschaft reden oder Planwirtschaft sowie Subventionen geißeln. Wie jedes AKW ist auch dieses kein privates, sondern ein vollständig staatliches Projekt und es ist teuer. Das ist keine Meinungsäußerung, auch zu den Autoren nicht.
In der Planung des polnischen Staats soll das AKW irgendwann ca. 12% des Stroms erzeugen. Unabhängige Analysen gehen davon aus, dass Polen mehr Strom braucht, mehr elektrifizieren sollte, die Kohle schneller zu teuer wird und die Preisvorteile von PV- und Windstrom sich am Markt durchsetzen werden. Dann wird das AKW vielleicht 8% liefern. Netzspeicher spielen in den Planungen keine Rolle.
Zu teuer bleibt es. Rein staatlich auch. Mich würden endlich mal Begründungen interessieren, warum Deutschland dieses planwirtschaftliche Risiko eingehen sollte?
Dass Polen hier den Fuß in Kerntechnologie setzen möchte und die USA das hinterlegen, mag eine Erklärung sein. Gilt die auch für uns? Kann man das mal ehrlich diskutieren, statt die Öffentlichkeit von Versorgungssicherheit bis zu günstigen Strompreisen oder Wettbewerbsvorteilen für unsere Industrie glatt und vollumfänglich zu belügen?
Kommentar Christoph Schwenzer
Abgesehen von den enorm hohen Kosten pro kWh ist eine einzelne Erzeugungseinheit die mal eben 12% des polnischen Stroms bereitstellen soll ein enormes Sicherheitsrisiko. Als Nachbar Russlands würde ich aktuell lieber auf viele dezentrale Erzeugungseinheiten setzen
Deutschlandfunk hier 02.01.2026
Handelsblatt hier 01.01.2026
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