Dienstag, 27. September 2022

Klimaschutz: Was ist an Verboten eigentlich schlecht?

 Wetter.de  hier  27. September 2022,  Ein Kommentar von Oliver Scheel

Wir müssen den Nutzen von Verboten erkennen

 Autofreie Strasse im Europaeischen Viertel am Sonntag (18.09.2022) in Bruessel. Der autofreie Sonntag in Bruessel ist in die Europaeische Mobilitaetswoche eingebunden, an der sich auch viele deutsche Staedte beteiligen. Sie hat am Freitag begonnen, n

Brüssel ohne Autos: Eine autofreie Stadt ist schlichtweg lebenswerter.

Stellen Sie sich das mal vor: Riesige Grünanlagen, wo früher Parkplätze waren. Kinder rennen gedankenlos über die Straße, die Gefahr, dass sie von einem Auto angefahren werden, existiert nicht. Es gibt weniger Stress, keinen Stau, keinen Lärm und die Luft stinkt auch nicht. Das ist die Vorstellung einer autofreien Innenstadt. Mit einem einfachen Verbot wäre dieser Traum zu realisieren: Ein Innenstadt-Verbot für Autos. Für Wenige wäre das mit Einschränkungen verbunden, für Viele wäre das ein riesiger Gewinn an Lebensqualität.

Mit Freiwilligkeit passiert nichts

In unserer Gesellschaft haben wir uns im Laufe der Jahrhunderte auf ein Rechtssystem geeinigt, dass unzählige Gebote und Verbote beinhaltet. Die nehmen wir relativ klaglos hin. Niemand würde infrage stellen, dass es verboten ist, jemanden zu bestehlen oder das Leben eines anderen zu gefährden. Das aber genau passiert gerade in der Klimakrise. Wir gefährden das Überleben anderer Generationen und wir stehlen den jungen Menschen die Zukunft. Deshalb sind Verbote absolut nötig.

Denn mit Freiwilligkeit kommen wir schlichtweg nicht weiter. All die Maßnahmen, die die damalige Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner mit Freiwilligkeit verknüpft hat – denken wir an das Tierwohllabel oder die Zuckersteuer – sind am Ende völlig gefloppt. Wir brauchen verbindliche Regeln. Und die Klimakrise ist das vorherrschende Problem unserer Zeit, trotz aller Gasknappheit. Aufschieben bringt nichts. Regeln und Verbote schon. Auch wenn sie unser bisheriges Leben einschränken.

Bezweifelt heute noch jemand das FCKW-Verbot?

Wir haben uns ja auch relativ schnell an das Rauchverbot in Gaststätten gewöhnt und festgestellt, dass es jetzt viel besser ist. Niemand behauptet, dass das FCKW-Verbot von 1995 ein Fehler war. Niemand bestreitet den Sinn von LED-Lampen. Und so werden wir auch feststellen, dass es viel besser ist, wenn zum Beispiel Zweitaktmotoren verboten sind. Wir werden uns daran gewöhnen, dass man nicht mehr von Frankfurt nach München fliegt.

Es geht nicht um die Freiheiten des Einzelnen in einer Gesellschaft. Das akzeptieren wir normalerweise. Warum wollen wir es in Klimafragen nicht akzeptieren? Warum sind wir nicht bereit, für so etwas Großes wie den Erhalt unserer Lebensgrundlage Verbote in Kauf zu nehmen?

Verbote müssen ja nicht schlecht sein. Wir können doch nicht einfach so weitermachen, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung. Weniger ist mehr. Weniger ist Zukunft.

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