Dienstag, 11. Januar 2022

Deutsche wollen Auto gegen E-Bike tauschen

E-Fahrer  hier von Tobias Stahl am 10.01.2022

Es gibt nur ein kleines Problem

Gut die Hälfte der deutschen Autofahrer würde am liebsten mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – tatsächlich kommen aber nur rund zehn Prozent der Erwerbstätigen auf zwei Rädern zur Arbeit. Eine aktuelle Studie zeigt: Es könnten viel mehr sein, wenn es die richtigen Anreize dafür gibt.

Professorin Jana Heimel von der Hochschule Heilbronn führt mit ihrem Projekt PendlerRatD, das vom Bundesverkehrsministerium gefördert wurde, seit nunmehr drei Jahren eine Studie zum Fahrrad als Fortbewegungsmittel für den Arbeitsweg durch. Heimel ist sich sicher, dass das Zweirad prinzipiell von viel mehr Pendlern genutzt werden könnte: "Das Potenzial des Fahrrads als ein Standbein der Verkehrswende ist riesig", sagt die Professorin gegenüber dem Nachrichtenportal Zeit Online.

So konnte Heimel mit ihrem Projekt in den letzten drei Jahren mehr als 400 Autofahrer zum Umstieg aufs Fahrrad oder E-Bike überzeugen:  85 Prozent der Projektteilnehmer mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen erklärten sich am Projektende bereit, auch in Zukunft mit dem Rad zur Arbeit zu fahren – alles, was es dafür brauchte, war ein kleiner Schubs in die richtige Richtung. 

Die richtigen Anreize sind der Schlüssel zum Erfolg

Offenbar ist es entscheidend, über Anreize und eine Art Mentorenprogramm die Menschen zu einer Verhaltensänderung zu überreden. So bekamen die Teilnehmer der Studie E-Bikes, Schlösser, Fahrradtaschen und Regencapes sowie eine Karte mit der optimalen Route zur Arbeit gestellt. Auf der ersten Fahrt wurden die Radler zudem von Fahrradpaten begleitet, um eventuelle Unsicherheiten abfangen zu können.

Die insgesamt 15 Projektgruppen waren zwischen einem und sieben Monaten mit den Fahrrädern unterwegs und konnten über die zurückgelegten Strecken Boni erradeln, die von Arbeitgebern und Sponsoren zur Verfügung gestellt wurden. Die Boni umfassten beispielsweise kostenloses Kantinenessen oder auch ein Geschenk über 500 Euro von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen für 100 Pendelfahrten im Jahr.

Mit den richtigen Anreizen ließe sich die Zahl der Fahrrad-Pendler deutlich steigern, sagt Professorin Heimel gegenüber Zeit Online. Auch eventuelle Schlechtwetterphasen sollten dabei kein Problem darstellen, so Heimel: "Je länger die Autofahrer mit dem Rad zur Arbeit pendelten, umso wetterresistenter wurden sie". 

Nur jeder Zehnte radelt zur Arbeit – obwohl der Weg im Schnitt sehr kurz ist

Das Pendeln mit dem Zweirad ist nicht nur nachhaltig, sondern auch gesundheitlich attraktiv: Radfahrer seien im Schnitt zwei Tage pro Jahr seltener krank, so Heimel. Eine groß angelegte Studie aus Großbritannien unterstreicht diese Aussage:  Daten von über 300.000 Pendlerinnen und Pendlern in England und Wales von 1991 bis 2016 hatten gezeigt, dass nichts gesünder ist als mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Zu Fuß ins Büro zu kommen sei immer noch gesünder als die öffentlichen Verkehrsmittel. Mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, hätte den schlechtesten Einfluss auf die Gesundheit der Studienteilnehmer gehabt. Im Vergleich dazu hätten die Radfahrer eine um 20 Prozent verringerte Frühsterblichkeitsrate aufgewiesen. Auch weit verbreitete Krankheiten seien in dieser Gruppe signifikant seltener aufgetreten.

Luft für mehr Radverkehr gibt es jedenfalls: Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) sind im Jahr 2020 68 Prozent der Befragten normalerweise mit dem Pkw zur Arbeit gefahren. 13 Prozent führen mit Bus und Bahn, nur jeder zehnte fuhr regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit. Gleichzeitig hatte fast die Hälfte aller Erwerbstätigen einen Arbeitsweg von unter zehn Kilometern zu bewältigen.

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