Mittwoch, 12. Januar 2022

Klimaschutz ist extrem teuer - aber für das Lieferketten-Chaos die Lösung

Diese Nachricht kommt aus der Finanz-Richtung der sehr konservativen  Focus-Presse, umso besser! Auch hier nimmt die Klimaberichterstattung langsam aber sicher zu.
Wobei ich dieses "Klimaschutz ist extrem teuer" nur sehr bedingt stehen lassen möchte.
Wir alle wissen inzwischen: Nichts tun ist noch viel viel teurer!  (hier und hier)
Aber zu dieser Erkenntnis kommt der Autor am Schluß selbst auch.


Finanzen 100 - hier Von FOCUS-Online-Autor Christoph Sackmann  

Dürre, Fluten, Stürme

Die Corona-Pandemie hat weltweite Lieferketten so gestört, dass wir bis heute unter Engpässen und stark gestiegenen Preisen leiden. Doch auch ohne Pandemie wird das Chaos in der Weltwirtschaft weitergehen, sagen Experten. Helfen könnte kurioserweise höhere Kosten.

Es ist fast ein Jahr her, dass im Abstand von nur zehn Tagen gleich drei verheerende Winterstürme über den sonst eher sonnigen US-Bundesstaat Texas zogen. ....Der materielle Schaden lag bei fast 200 Milliarden US-Dollar.

Das war schlimm für Texas und die USA, doch die Auswirkungen des „Great Texas Freeze“ waren weltweit zu spüren. In dem ölreichen Bundesstaat haben sich auch viele petrochemische Betriebe angesiedelt, die das dort geförderte Öl gleich zu Plastik, anderen Kunststoffen, Dünger und weiteren chemischen Produkten weiterverarbeiten und in die ganze Welt liefern. 172 Milliarden Dollar Umsatz werden damit hier erwirtschaftet. Das sind rund 4,3 Prozent der weltweiten Produktion.

Der Großteil davon fiel für mehr als einen Monat aus, teilweise dauerte es bis in den Sommer, bis Fabriken wieder mit voller Kapazität arbeiten konnten. Entsprechend sank das Angebot an chemischen Produkten auf dem Weltmarkt. Firmen in Europa wurden nicht wie gewohnt beliefert und mussten höhere Preise zahlen. Ein in vielen Branchen benutzter Kunststoff wie PVC kostete plötzlich doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Jede einzelne Krise kann globale Konsequenzen haben

Der „Great Texas Freeze“ ist dabei nur ein Beispiel für Störungen globaler Lieferketten in den vergangenen Jahren, die nicht in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft. Allein im vergangenen Jahr gab es erst Dürre und dann Fluten in Brasiliens wichtigen Anbaugebieten, Dürre in den USA, Hochwasser in Deutschland und China. Das neue Jahr hat Malaysias Palmöl-Plantagen und Australiens Weizenfelder nach heftigen Regenfällen unter Wasser gesetzt, während in Argentinien eine Dürre die Ernten vernichtet. In Ostafrika leiden die Menschen seit über einem Jahr unter Dürre.

„Es sieht wie eine Verkettung von einzelnen Krisen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten aus“, sagt Jason Jay, Direktor der Nachhaltigkeits-Initiative am MIT in Boston, gegenüber Bloomberg, „aber es sind viele globale Lieferkrisen, die miteinander verbunden sind.“ Und sie haben eine gemeinsame Ursache: Die Londoner Klimaschutzorganisation Carbon Brief analysierte vergangenes Jahr 405 Extremwettereignisse aus den vergangenen zehn Jahren. Ergebnis: 70 Prozent von ihnen werden durch den Klimawandel in den kommenden Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut eintreten.

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Die Lösung für das Problem ist kurzfristig teuer, könnte langfristig aber eine Menge Geld sparen. Eine Sache, die Unternehmen von selbst machen können, ist, ihre Lieferketten genau zu dokumentieren und herauszufinden, welche Zulieferer dem größten Risiko ausgesetzt sind. Dann können sie diese entweder wechseln oder mit den Zulieferern daran arbeiten, die Risiken zu minimieren. „Großkonzerne kennen heutzutage oft nicht einmal die Standorte ihrer primären Zulieferer, geschweige denn die von deren Zulieferern – und manche Lieferketten gehen über fünf solcher Glieder“, sagt Jay. Der MIT-Professor schätzt, dass das Management der konzerneigenen Lieferketten in den kommenden Jahren im Schnitt deutlich teurer wird.

Klimaschutz kostet enorme Summen – aber lohnt sich

Weitere Kosten kommen extern hinzu. Immer strengere Klimaschutzgesetze zwingen Konzerne dazu, weitgehend emissionsfrei oder zumindest CO2-neutral zu arbeiten. Die EU will dieses Jahr ein Lieferkettengesetz beschließen, das einen Konzern zur Einhaltung der Umweltstandards in seiner gesamten Lieferkette verpflichtet. Weltweit angewandt würde das nach Schätzungen der Boston Consulting Group Investitionen von 100 Milliarden Dollar in den kommenden 30 Jahren kosten.

.... In China wurden diesen Herbst vielen Magnesium- und Silizium-Herstellern der Strom wortwörtlich abgedreht. Weil die Provinzen, in denen die Hersteller angesiedelt sind, ihre Klimaziele für das Jahr zu verpassen drohten, sparten sie zuerst bei den energieintensiven Branchen. Ergebnis: In Deutschlands Metall-Industrie musste die Produktion gedrosselt werden, die Lieferkrise bei Computerchips, die eben auf Silizium basieren, verschärfte sich.

....werden Lieferkrisen bald zum Alltag gehören. „Die Annahme, dass das Wetter stabil und berechenbar bleibt, ist auf viele Arten in unseren Alltag eingebaut“, sagt Mekala Krishnan, die für McKinsey an Klimarisiken forscht, „aber die Herausforderungen werden jedes Jahr größer werden.“

Die enormen Kosten für den Klimaschutz könnten sich langfristig aber auszahlen. Allein im vergangenen Jahr lagen die von Naturkatastrophen verursachten Schäden bei rund 150 Milliarden Euro. Seit 2011 wurden 2,2 Billionen Euro fällig. Dagegen wirken einmalige Investitionen von 100 Milliarden Dollar nicht so gewaltig.

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