Donnerstag, 8. Januar 2026

Neue Stimmungs-Kampagne gegen Wärmepumpen: „Explodieren eingefrorene Wärmepumpen jetzt?“

Natürlich wird der Berliner Stromausfall von der "fossilen Pressemacht der Welt und Nius" genutzt, um Panik zu schüren. Stimmungsmache vom Feinsten - mal wieder gegen die Wärmepumpe.
Die Verunsicherung ist groß, selbst die relativ seriöse Zeit outet sich mit einer tendenziösen Überschrift. Doch jetzt ist es klar: die angesagte Katastrophe war nur ein laues Lüftchen.

Sascha Lentfer  hier  LinkedIn

Zum Thema Dauerfrost und Stromausfall 

Stell dir vor, wir führen durch Leitmedien-Headlines eine ernste Debatte darüber, ob 100 bis 800 Gramm Propan (R290) in einer Wärmepumpe ein angeblich unbeherrschbares Sicherheitsrisiko darstellen 

(Foto: Symbolbild/Ki)

Parallel dazu fahren am Wochenende hunderttausende Familien mit ein oder zwei 11-kg-Propanflaschen im Wohnwagen in den Urlaub. Direkt hinter der Rückbank. Teilweise neben/unter dem Bett.
Über Alpenpässe. Bei 35 Grad im Sommer  und beim Wintercamping bei minus zehn Grad 

Gleichzeitig läuft Propan völlig selbstverständlich im Alltag:

Gabelstapler in der Industrie 

Klempner- & Lötarbeiten auf Baustellen, seit Jahrzehnten (Ich liebe es heute noch!)

Flüssiggasheizungen auf dem Land mit Tanks im Tonnenbereich

Und trotzdem wird ausgerechnet die Wärmepumpe zum Risiko erklärt.

Als Camper übersetzt sich diese Diskussion für mich so:

Wir problematisieren ein "Schnapsglas Propan", fest verbaut, überwacht, leckagegeprüft und normativ abgesichert in einer Wärmepumpe 

Und fühlen uns gleichzeitig sicher mit 22 Kilogramm Propan, mobil, wechselbar per Handanschluss, im Betrieb auf Campingplätzen mit Grill, Vorzelt und Gasheizer 

Oder anders gesagt:

Wenn Propan in dieser Größenordnung wirklich das Risiko wäre, das manche daraus konstruieren (wollen), müsste Camping trotz G607 verboten sein. Wohnwagen wären Sondermüll. Und der ADAC hätte ein eigenes Explosionsdezernat 

Die Realität ist nüchterner. Nicht das Gas ist das Risiko.

Das Risiko entsteht durch schlechte Technik, fehlende Überwachung und nicht bestimmungsgemäßen Betrieb.

Natürlich kann bei Propan etwas passieren. Das bestreitet kein seriöser Techniker. Genau deshalb gibt es Normen, Sicherheitskonzepte, Überwachungssysteme und klare Mengenbegrenzungen 

Und genau deshalb ist Propan in modernen Wärmepumpen technisch beherrschbar.

Zur sachlichen Einordnung

Propan ist kein exotischer Sonderstoff, sondern ein etablierter Energieträger mit klaren Regeln. Entscheidend ist nicht das Medium, sondern Technik, Überwachung und fachgerechte Ausführung.

Genau deshalb ist der Einsatz von Propan in Wärmepumpen kein Sonderrisiko, sondern ein sauber beherrschter Anwendungsfall moderner Gebäudetechnik. Auch bzgl. Hauseinführung und evtl. Szenarien mit Kältemittel R290 im Heizungskreislauf.

Und so sollte es vertrauen stiftend mit positiver Headline in den Medien stehen: 
Sachlich. Einordnend. Ohne Dramatisierung.


Dr. Richard Lucht   LinkedIn

„Never let a good crisis go to waste“ - erst recht beim Reizwort Wärmepumpe.

Ich bin froh, dass die Masche längst bekannt ist und mittlerweile schnell durch seriöse Medien wie den tagesspiegel - siehe Artikel  von Marius Ochs - gekontert werden.


Herzlichen Dank auch an die gute sachliche und schnelle Aufklärung zum Thema durch die Innung SHK Berlin und den Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V. in dieser Woche. 

Das ist bitter nötig, denn die Installateure habe gerade alle Hände voll zu tun. Aufgeregte Anrufe wegen panikmachender Headlines sind keine Hilfe.

Hier sei auch nochmal der CHIP-Artikel von Josef Reitberger prominent erwähnt, der das Thema gut einordnet: hier








Tagesspiegel hier  08.01.2026

Nach tagelangem Blackout: Innung: Keine größeren Probleme mit Heizungen nach Blackout

Nach dem tagelangen Stromausfall bei bitterer Kälte galt ein sorgenvoller Blick auch den Heizungen. Nachdem die Versorgung wieder angelaufen ist, atmen viele auf.

Nach der Wiederherstellung der Stromversorgung im Berliner Südwesten sind die Heizungsanlagen nach Angaben der Innung weitestgehend problemlos angelaufen. Nach Angaben von der für Energie zuständigen Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sind auch alle der rund 12.000 von dem tagelangen Stromausfall betroffenen Kunden an die Fernwärme wieder angeschlossen.

9.000 davon seien bereits am Wochenende in Lichterfelde zugeschaltet worden. 3.000 seien jedoch noch offen gewesen. „Die sind aber gestern alle wieder ans Netz gegangen“, so Giffey bei einem Besuch in dem Seniorenheim Mathildenhof in Zehlendorf nach Wiederanlaufen der Stromversorgung. 

Innung: viele alte Anlagen
Der Geschäftsführer der Innung SHK Berlin, Andreas Koch-Martin, erklärte: „Die Anlagen sind weitestgehend relativ gut angelaufen. Es ist nicht das große Chaos ausgebrochen.“ Was in Einzelfällen vorgefallen sei, könne er nicht sagen. Aber Gas - und Ölheizungen seien nach seiner Kenntnis größtenteils automatisch angelaufen. Ansonsten gebe es die Möglichkeit, diese mit dem sogenannten Entstörungsknopf in Betrieb zu nehmen. 

„Dort, wo es nicht geklappt hat, sind es im wesentlichen Fragen des Alters der Anlagen“, erklärte Koch-Martin. 45 Prozent der Gasheizungen in Berlin sind nach seinen Angaben älter als 25 Jahre, Ölanlagen seien oft noch älter. Nach Angaben des Innungs-Geschäftsführers gebe es einen großen Sanierungsstau. „Das fällt einem in so einer Situation auf die Füße“, so Koch-Martin.....



Zeit hier  Von Erwin Hitzler  7. Januar 2026,

Frostschäden durch Stromausfall: Strom wieder an, Heizung kaputt

In Berlin ist der Strom zurück, schon droht die nächste Gefahr: Geht die Heizung problemlos wieder an? Werden Wärmepumpen explodieren? Und wer haftet bei Schäden?

....
Für ihn beginnt erst jetzt, nachdem der Strom wieder kommt, der Stress – und eine Art Triage. Er und seine Leute müssen einschätzen, welche Situationen sofort Hilfe benötigen und bei welchen Fällen die Hausbesitzer sich notdürftig selbst helfen können. "Durch die Kälte haben wir zwar so oder so ein erhöhtes Störungsaufkommen. Aber so eine Situation hatten wir noch nie", sagt er. 

Frankenstein ist Geschäftsführer einer Firma, die sich auf Heizungen und Sanitäranlagen spezialisiert hat. Aber er ist nicht nur Retter in der Not: Er ist selbst Betroffener. Auch sein Haus ist vom Stromausfall betroffen. Auch er bangt um seine Heizung. 

Alle modernen Heizungssysteme brauchen Strom, um zu funktionieren, egal ob ein Haushalt mit Gas, Pellets oder Öl heizt oder eine Wärmepumpe installiert hat. Sie alle unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie sie Wasser erhitzen. Aber moderne Heizungen haben kleine Computer als Gehirn, die regeln, wie stark geheizt wird, wie warm das Wasser in den Rohren sein soll, und werten dauerhaft Daten aus. Ihr Herz besteht aus einer elektrischen Pumpe, die das warme Wasser erst in die Heizkörper im Haus pumpt. Ohne Strom sind Heizungen herz- und hirntot: Jetzt, wo er wieder da ist, werden sie reanimiert.

Das ist mitunter nicht mit einem simplen Anschalten getan. "Bisher ist natürlich niemand davon ausgegangen, dass es in Deutschland so eine lange Stromunterbrechung gibt", sagt Frankenstein. Er kann am Morgen noch nicht einschätzen, wie groß das Problem ist. "Das wird sich die nächsten Stunden und Tagen zeigen."

Denn was viele unterschätzen: Nur weil der Strom wieder an ist, bedeutet es nicht, dass die betroffenen Häuser und Wohnungen auch wieder schnell warm werden. Ein Stromausfall kann Heizungen schädigen, im schlimmsten Fall sogar zerstören. 

In den Heizungen können die elektronischen Steuerelemente durch den Stromausfall oder die lange Kälte beschädigt werden. Da viele Steuerungseinheiten für ältere Geräte nicht mehr hergestellt werden, ist eine Reparatur oft unmöglich. In solchen Fällen ist der Austausch der gesamten Regelungstechnik meist teurer als die Anschaffung einer neuen Heizung.

Auch bei Wärmepumpen sieht Frankenstein ein Risiko: "Wenn die Aggregate eingefroren sind, können die Geräte komplett kaputt sein." Selbst das Anschalten ist ein Risiko: "Normalerweise sollte man die Geräte nur bei Plusgraden in Betrieb nehmen. Jetzt machen wir das eben bei Minus acht Grad Celsius."

Der schlimmste Fall seien aber Wasserschäden in den Heizrohren, sagt der Heizungsexperte. Wenn Wasser in Leitungen gefriert, dehnt es sich aus und kann das Material sprengen. Das Tückische: Solange es kalt bleibt, bildet das Eis einen Pfropfen, der das Rohr zusammenhält. Erst wenn es wieder warm wird und das Eis schmilzt, läuft das Wasser aus dem Rohr.

Unterschiede gibt es jedoch im Start der Heizung: Öl- und Gasheizungen fahren im Regelfall automatisch wieder hoch. Bei ihnen müssen nur noch die Zeiteinstellungen manuell neu justiert werden. Betreiber von Wärmepumpen müssen sich an einen Fachbetrieb wenden, sie können die Wärmepumpen nicht eigenständig in Betrieb nehmen.

Wärmepumpen werden nicht explodieren
Mehrere Medien berichteten von der Gefahr, dass Wärmepumpen aufgrund des Stromausfalls explodieren könnten. Peter Kuscher vom Bundesverband Wärmepumpe e. V. hält das für unwahrscheinlich. "Mit viel Mühe kann man einen Fall konstruieren, bei dem es zu einem Explosionsrisiko kommt." Dieses würde aber nur außerhalb des Gebäudes entstehen, wo die Wärmepumpe aufgestellt ist. Dort würden selbst bei einer Beschädigung die Kältemittel in der Außenluft verdünnt und innerhalb kürzester Zeit unschädlich werden.

Man müsse schon direkt neben einer defekten Wärmepumpe rauchen, um sich einem Risiko auszusetzen. "Man kann Gefahren nie abschließend ausschließen. Aber die Gefahr, die von Wärmepumpen ausgeht, ist nicht höher als zum Beispiel die extrem geringe Restgefahr einer Explosion im Umfeld von Gasheizungen."


Es sieht besser aus als erwartet
13:20 Uhr, seit mehr als zwei Stunden fließt der Strom wieder: Mark Frankenstein ist mitten in einem Einsatz. Wie ist die Lage? "Ich bin gerade bei meiner fünften Anlage heute: Es sieht besser aus, als wir erwartet haben." Die meisten Heizungen würden ohne größere Probleme wieder anspringen – nur die Schaltuhren müssten neu programmiert werden. Und bei ihm selbst – er war ja genauso vom Stromausfall betroffen wie seine Kunden? "Die Heizung ist angelaufen."

Aber erst in einigen Stunden, wenn die Heizungen wieder länger laufen, wird klar sein, ob und wo Rohre in den Wänden gebrochen sind. Dann zeigt sich, ob die Heizungsbesitzer in Südberlin noch glimpflich davongekommen sind. 

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