Montag, 26. Januar 2026

„Störfall Stromnetz“

 Tim Meyer  • 

„Störfall Stromnetz“ – unter diesem bewusst provokanten Aufhänger ist heute mein Plädoyer für eine radikale „Agenda 2030“ zur Reform des Stromnetzbetriebes im Handelsblatt Journal erschienen. 

Es ist höchste Zeit, sich ehrlich zu machen bei der Analyse der größer werdenden Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit unserer Verteilnetze: in ihrer Organisation, ihren Logiken für Planung und Betrieb, ihrer Digitalisierung und Flexibilisierung und natürlich ihrer Regulierung.

In der jetzigen Organisation und dem jetzigen Reformtempo werden wir die Modernisierung unserer Energieinfrastruktur und die Energiewende nicht bis 2045 hinbekommen. 


Mein Fazit: wir müssen aufhören, Veränderungen im Verteilnetzbetrieb dem Hier und Jetzt im zähen Ringen Einzelnorm für Einzelnorm abringen zu müssen. Daher stelle ich in dem Artikel meine streitbaren TOP 5 Thesen zur Diskussion, wie der Verteilnetzbetrieb nach einer großen Reform aussehen könnte:

1. Einfache, großflächige Plattformen für Netzbetrieb mit Standard-TAB, digitalem Prozess-Backbone und klaren Schnittstellenvorgaben für Netzkunden und Marktpartner – aber auch sinnvollen Spielräumen für lokales Elektrohandwerk

2. Zentraler Netzanschluss-Stack mit standardisierten APIs, verbindli hen Fristen und Regeln für Netzreservierungen 

3. Klare wirtschaftliche Anreize auch nach KPI zu Netzauslastung, Engpassmanagement, Kundenorientierung etc.

4. Digitalisierung First und Transparenz statt Black Box, auch im Niederspannungsnetz – und auch für Marktpartner. Infrastruktur optimal zu nutzen ist Gemeinschaftsaufgabe, keine Einbahnstraße von VNB 

5. So viel Wettbewerb wie möglich, so wenig Monopol wie nötig – vom Messstellenbetrieb bis zu Planung und Bau von Netzanschlüssen.  

Klar kostet eine große Strukturreform Kraft und Geld. Und sie wird finanzielle Anreize brauchen, um die widerstrebenden Interessen der verschiedenen Akteure auszugleichen. Aber wo für haben wir den Infrastrukturfonds? Und eins scheint klar: wenn wir so fragmentiert, sperrig und langsam weiter machen wie bisher, wird es noch teurer. Nicht nur im Netzbetrieb selbst, sondern auch für Netzkunden, Dienstleister, Projektentwickler, Elektrohandwerker etc. 

 Hier der Link zum Handelsblatt Journal: https://veranstaltungen.handelsblatt.com/journal/go/gjpo

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