Sonntag, 25. Januar 2026

Die AfD hat Angst vor der Kirche

Frank Hennemann  

Nicht dieses kokette „Wir werden verfolgt“-Theater, sondern echte, nackte Panik. Die Art Angst, die man bekommt, wenn einem jemand ruhig sagt: Nein. Nicht hier. Nicht mit uns.

Was wir hier sehen, ist kein politischer Beitrag.

Es ist ein öffentlicher Nervenzusammenbruch mit Corporate Design.

„Hetz-Kampagne“: Ein Wort, das in der AfD immer dann fällt, wenn jemand wagt, Haltung zu zeigen. Früher waren es Journalisten. Dann Lehrer. Jetzt Pfarrer.

Und verbreitet wird das alles von Andreas Bleck, MdB, Mitglied des Deutschen Bundestages. Nicht von irgendeinem Troll.

Nicht von einem X-Kanal mit Rechtschreibschwäche. Ein Abgeordneter. Einer, der dieses Land vertreten soll.

Wenn ein MdB so argumentiert, ist nicht die Kirche das Problem, sondern das Niveau.

Denn was hier betrieben wird, ist nicht Kritik an der Kirche. Es ist Angstkommunikation.

Die Angst davor, dass eine Institution mit moralischer Autorität öffentlich sagt: Das passt nicht zu unseren Werten.

Die evangelische Kirche sagt nicht: AfD verbieten. Sie sagt nicht: Wähler ausgrenzen.

Sie sagt nicht einmal: Ihr seid böse Menschen.

Sie sagt etwas viel Schlimmeres aus AfD-Sicht: Ihr kommt hier nicht rein.

Dieser Satz ist Gift für autoritäre Parteien.

Weil er nicht diskutiert. Weil er nicht verhandelt. Weil er einfach gilt.

Und plötzlich flippt eine Partei aus, die sonst ständig davon redet, Grenzen zu ziehen.

Jetzt steht sie selbst davor. Und jault.

„Aber unsere Kirchensteuer!“

Ja. Überraschung. Steuern sind keine Eintrittskarte für moralische Anerkennung.

Man bezahlt sie auch nicht, um christliche Werte nach Belieben umzuschreiben.

Wichtig ist dabei eine Differenzierung, die die AfD bewusst verwischt: AfD-Wähler sind nicht AfD-Mitglieder.

AfD-Wähler sind Menschen.

Verunsichert, enttäuscht, wütend, sich schlicht falsch informieren.

Mit ihnen kann man reden. Manche kann man erreichen. Manche sogar zurückholen.

AfD-Mitglieder hingegen sind die, die diese Wut professionalisieren. Die sie zuspitzen.

Die sie zur politischen Strategie machen.

Und genau diese Leute mögen die Kirchen nicht.

Warum? Weil Kirchen nicht parieren. Weil sie widersprechen. Weil sie sich nicht vereinnahmen lassen.

Und umgekehrt gilt das genauso: Die Kirche mag die AfD nicht.

Nicht aus Parteipolitik. Sondern weil Ausgrenzung, Menschenverachtung und Daueropferrolle schlecht mit Nächstenliebe harmonieren.


Und jetzt der Teil, den man in der AfD offenbar verdrängt:

Die Geschichte hat uns sehr deutlich gezeigt, dass man sich mit der Kirche besser nicht anlegt.


Nicht weil sie immer recht hatte.
Sondern weil sie eines kann wie kaum eine andere Institution: Zeit. Geduld. Und autoritäre Bewegungen überleben.

Parteien kommen und gehen. Empörungswellen kommen und gehen. Die Kirche bleibt.


„Ihr kommt hier nicht rein“ ist keine Hetze. Es ist eine Grenze.

Und wer so hysterisch reagiert, zeigt nur eines: Diese Grenze sitzt.


Quelle:  Facebookprofil Herr Beck https://lnkd.in/dHiJsEBz

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