Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen.
Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
Elektroautos
gelten als sauberste Alternative zum Verbrenner. Dabei wird ein noch
klimafreundlicheres Fahrzeug oft vergessen: das E-Bike.
Studien zeigen:
E-Bikes sparen mehr Ressourcen, verursachen deutlich geringere
CO2-Emissionen und beschleunigen die Verkehrswende stärker als die
Elektrifizierung des Autoverkehrs.
Weltweit sind rund 280 Millionen E-Bikes und E-Scooter im Einsatz. Analysen von Bloomberg New Energy Finance
zeigen, dass sie rund eine Million Barrel Öl pro Tag einsparen – etwa
ein Prozent der globalen Nachfrage. Im Vergleich erreichen die knapp 60
Millionen Elektroautos auf den Straßen davon nur etwa 25 Prozent.
E-Bikes leisten somit einen wichtigen Beitrag dazu, die Abhängigkeit von
fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Dieser Trend macht sich auch in
Deutschland bemerkbar.
E-Bikes ersetzen fast jede zweite Autofahrt
Eine im September 2025 veröffentlichte Studie
der Bergischen Universität Wuppertal zeigt, dass Pedelec-Nutzende 43,1
Prozent ihrer Fahrten und 63,2 Prozent der zurückgelegten Kilometer ohne
Elektrorad mit dem Auto zurückgelegt hätten. Im Durchschnitt legen sie
täglich rund 14 Kilometer mit dem E-Bike zurück. Dadurch werden nicht
nur Autofahrten, sondern auch CO2-Emissionen deutlich reduziert – und
das ohne den Bedarf an einer aufwendigen Ladeinfrastruktur.
Zudem lassen sich Nutzerinnen und Nutzer von Pedelecs weniger stark
von fehlender oder mangelhafter Radinfrastruktur abschrecken als
Radfahrende auf konventionellen Fahrrädern. Letztere steigen unter
solchen Bedingungen häufiger auf andere Verkehrsmittel um, so die Studie.
15,7 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen
Während Elektroautos in erster Linie den Antrieb ersetzen und keine
Autofahrten, greifen E-Bikes direkt in den Alltag ein: Sie verringern
die Emissionen, den Stau auf der Straße und das Verkehrschaos in den
Städten. Die Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs
(ADFC) Rebecca Peters sagt: „E-Bikes werden immer beliebter – und sie
haben enormes Potenzial für die Verkehrswende. Denn wer ein E-Bike
besitzt, fährt damit häufiger und längere Strecken als mit Fahrrädern
ohne Motor“.
Das bestätigt auch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV): Laut einer Analyse des ZIV
wurde der E-Bike-Bestand in Deutschland für 2024 auf rund 15,7
Millionen Fahrzeuge beziffert. Die Zahl der Zweiräder in Deutschland
beläuft sich insgesamt auf 89 Millionen, davon entfallen 17 Prozent auf
Pedelecs. Die Elektroräder haben sich innerhalb eines Jahrzehnts vom
Nischenprodukt zur dominierenden Kategorie im Fahrradmarkt entwickelt,
so das Ergebnis der ZIV-Marktdaten.
Eine kaum schlagbare Bilanz
Das E-Bike ersetzt nicht nur Autofahrten, sondern zeichnet sich auch
durch eine sehr hohe Energieeffizienz aus. Im Vergleich zu anderen
Verkehrsmitteln gehören Elektroräder zu den emissionsärmsten
Fortbewegungsmitteln. Bei der Nutzung eines E-Bikes entsteht durch den
Stromverbrauch ein durchschnittlicher CO2-Ausstoß von lediglich 3 Gramm
CO2 pro Personenkilometer (PKM).
Zum Vergleich: Laut einer Analyse von Bosch und TÜV Rheinland
verursacht ein Auto mit Verbrennungsmotor 166 g CO2/PKM; der
öffentliche Nahverkehr liegt derzeit zwischen 63 g und 93 g CO2/PKM und
ein Elektro-Pkw bei 79 g CO2/PKM, wobei letztere im Betrieb keine
direkten Auspuffemissionen erzeugen. Dennoch fallen von der
Batterieproduktion über den Stromverbrauch bis zur Entsorgung
Treibhausgasemissionen an. Durch den Fortschritt der Energiewende
verbessert sich die Klimabilanz von Elektroautos jedoch kontinuierlich.
Noch mehr Förderung wäre gut
Die gemeinsame Analyse von Bosch und TÜV Rheinland zeigt zudem, dass
ein E-Bike über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg einen CO2-Fußabdruck
von etwa 263 kg CO2-Äquivalenten aufweist (das sind alle Treibhausgase
von der Produktion bis zur Entsorgung eines E-Bikes). Damit hat sich ein
E-Bike der Analyse zufolge bereits nach 515 gefahrenen Kilometern
hinsichtlich des CO2-Verbrauchs amortisiert.
Während es in Deutschland staatliche Fördermittel für Elektroautos im
Privat-PKW-Bereich gibt, beschränken sich Förderprogramme für E-Bikes
bislang weitgehend auf die gewerbliche Nutzung, insbesondere auf
E-Lastenräder. Heather Kaths, Professorin an der Bergischen Universität
Wuppertal, meint deshalb, dass eine stärkere Förderung von E-Bikes –
etwa durch Öffentlichkeitskampagnen, finanzielle Anreize oder andere
Maßnahmen – einen bedeutenden Beitrag dazu leisten könnte, noch mehr
Menschen zum Umstieg vom Auto auf das Elektro-Fahrrad zu bewegen.
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