Mittwoch, 28. Januar 2026

Warum E-Bikes für die Verkehrswende noch wichtiger sind als Elektroautos

Frau auf E-Bike
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Elektroautos gelten als sauberste Alternative zum Verbrenner. Dabei wird ein noch klimafreundlicheres Fahrzeug oft vergessen: das E-Bike. 

Studien zeigen: E-Bikes sparen mehr Ressourcen, verursachen deutlich geringere CO2-Emissionen und beschleunigen die Verkehrswende stärker als die Elektrifizierung des Autoverkehrs.

Weltweit sind rund 280 Millionen E-Bikes und E-Scooter im Einsatz. Analysen von Bloomberg New Energy Finance zeigen, dass sie rund eine Million Barrel Öl pro Tag einsparen – etwa ein Prozent der globalen Nachfrage. Im Vergleich erreichen die knapp 60 Millionen Elektroautos auf den Straßen davon nur etwa 25 Prozent. E-Bikes leisten somit einen wichtigen Beitrag dazu, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Dieser Trend macht sich auch in Deutschland bemerkbar.

E-Bikes ersetzen fast jede zweite Autofahrt

Eine im September 2025 veröffentlichte Studie der Bergischen Universität Wuppertal zeigt, dass Pedelec-Nutzende 43,1 Prozent ihrer Fahrten und 63,2 Prozent der zurückgelegten Kilometer ohne Elektrorad mit dem Auto zurückgelegt hätten. Im Durchschnitt legen sie täglich rund 14 Kilometer mit dem E-Bike zurück. Dadurch werden nicht nur Autofahrten, sondern auch CO2-Emissionen deutlich reduziert – und das ohne den Bedarf an einer aufwendigen Ladeinfrastruktur.

Zudem lassen sich Nutzerinnen und Nutzer von Pedelecs weniger stark von fehlender oder mangelhafter Radinfrastruktur abschrecken als Radfahrende auf konventionellen Fahrrädern. Letztere steigen unter solchen Bedingungen häufiger auf andere Verkehrsmittel um, so die Studie.

15,7 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen 

Während Elektroautos in erster Linie den Antrieb ersetzen und keine Autofahrten, greifen E-Bikes direkt in den Alltag ein: Sie verringern die Emissionen, den Stau auf der Straße und das Verkehrschaos in den Städten. Die Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Rebecca Peters sagt: „E-Bikes werden immer beliebter – und sie haben enormes Potenzial für die Verkehrswende. Denn wer ein E-Bike besitzt, fährt damit häufiger und längere Strecken als mit Fahrrädern ohne Motor“.

Das bestätigt auch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV): Laut einer Analyse des ZIV wurde der E-Bike-Bestand in Deutschland für 2024 auf rund 15,7 Millionen Fahrzeuge beziffert. Die Zahl der Zweiräder in Deutschland beläuft sich insgesamt auf 89 Millionen, davon entfallen 17 Prozent auf Pedelecs. Die Elektroräder haben sich innerhalb eines Jahrzehnts vom Nischenprodukt zur dominierenden Kategorie im Fahrradmarkt entwickelt, so das Ergebnis der ZIV-Marktdaten.

Eine kaum schlagbare Bilanz

Das E-Bike ersetzt nicht nur Autofahrten, sondern zeichnet sich auch durch eine sehr hohe Energieeffizienz aus. Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln gehören Elektroräder zu den emissionsärmsten Fortbewegungsmitteln. Bei der Nutzung eines E-Bikes entsteht durch den Stromverbrauch ein durchschnittlicher CO2-Ausstoß von lediglich 3 Gramm CO2 pro Personenkilometer (PKM).

Zum Vergleich: Laut einer Analyse von Bosch und TÜV Rheinland verursacht ein Auto mit Verbrennungsmotor 166 g CO2/PKM; der öffentliche Nahverkehr liegt derzeit zwischen 63 g und 93 g CO2/PKM und ein Elektro-Pkw bei 79 g CO2/PKM, wobei letztere im Betrieb keine direkten Auspuffemissionen erzeugen. Dennoch fallen von der Batterieproduktion über den Stromverbrauch bis zur Entsorgung Treibhausgasemissionen an. Durch den Fortschritt der Energiewende verbessert sich die Klimabilanz von Elektroautos jedoch kontinuierlich.

Noch mehr Förderung wäre gut

Die gemeinsame Analyse von Bosch und TÜV Rheinland zeigt zudem, dass ein E-Bike über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg einen CO2-Fußabdruck von etwa 263 kg CO2-Äquivalenten aufweist (das sind alle Treibhausgase von der Produktion bis zur Entsorgung eines E-Bikes). Damit hat sich ein E-Bike der Analyse zufolge bereits nach 515 gefahrenen Kilometern hinsichtlich des CO2-Verbrauchs amortisiert.

Während es in Deutschland staatliche Fördermittel für Elektroautos im Privat-PKW-Bereich gibt, beschränken sich Förderprogramme für E-Bikes bislang weitgehend auf die gewerbliche Nutzung, insbesondere auf E-Lastenräder. Heather Kaths, Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, meint deshalb, dass eine stärkere Förderung von E-Bikes – etwa durch Öffentlichkeitskampagnen, finanzielle Anreize oder andere Maßnahmen – einen bedeutenden Beitrag dazu leisten könnte, noch mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf das Elektro-Fahrrad zu bewegen.

Quellen: Ars Technica, Mobilitätsforum, ADFC, ZIV, Utopia, Umweltbundesamt, Bosch

Foto: Heybike / Unsplash (CC0)

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