Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz
Das Ziel dieser Fachgruppe ist es, den Klimaschutz auf kommunaler Ebene politisch und in der Umsetzung durch wissenschaftliche Expertise und Wissenschaftskommunikation weiterzubringen.
Hierzu vernetzen sich in der Fachgruppe WissenschaftlerInnen interdisziplinär zu kommunalem Klimaschutz und dienen als Ansprechpartner:innen und Expertenpool (im Aufbau) für alle Beteiligten in Prozessen des kommunalen Klimaschutzes. Zudem befördert die Fachgruppe die Zusammenarbeit unter den S4F-Regionalgruppen speziell zu kommunalem Klimaschutz.
Die Fachgruppe analysiert und kommuniziert Werkzeuge und Methoden kommunalen Klimaschutzes, so dass die vor Ort jeweils besten Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden können. Bewertet werden dabei sowohl inhaltliche Fragen als auch praktische Umsetzbarkeit, mögliche Widerstände und unterstützende Faktoren.
Die Fachgruppe hat zu einigen Schwerpunkten kommunalen Klimaschutzes Arbeitsgruppen gegründet: Kommunale Wärmewende; Mobilität; Best Practices und Kommunenvergleich; Kommunale Klimaziele.
Publikationen der Fachgruppe
Realitätscheck: Energiepolitik der Bundeswirtschaftsministerin
Parallel zu dem am 15. September 2025 veröffentlichten Monitoring-Bericht zur Energiewende hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt, der einen „Realitätscheck“ einleiten soll. Ihr Plan betone Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, so die Ministerin. Dazu sollen Subventionskürzungen bei den Erneuerbaren Energien und der beschleunigte Bau von Gaskraftwerken beitragen, sowie auch CCS/CCU als Klimaschutztechnologien.
Die Ministerin suggeriert einen fundamentalen Widerspruch zwischen den aktuellen Regelungen zum Klimaschutz und der Wirtschaftsstabilität. Die Fachgruppen Kommunaler Klimaschutz und Energie der Scientists for Future analysieren und bewerten die vorgeschlagenen Maßnahmen bezüglich der Zielkriterien wirtschaftliche Stabilisierung, Finanzierbarkeit, Versorgungssicherheit und soziale Gerechtigkeit. Daraus werden von den Autoren Handlungsoptionen für eine zukunftsfeste Energieversorgung abgeleitet.
Dezentrale Stromerzeugung, Speicher und intelligente
Steuerung ersetzen nicht den Netzausbau über alle Ebenen
Bei der Umsetzung erster Maßnahmen zum Ersatz fossiler Energieträger stoßen im kommunalen Klimaschutz tätige Mitglieder der Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz der S4F immer öfter auf das Argument, dafür sei kein Strom da. Ob individuelle Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus oder Großwärmepumpen für Wärmenetze, ob Elektrifizierung des ÖPNV oder Motorisiertem Individualverkehr oder Umstellung der Prozesswärme in Industrie und Gewerbe – immer öfter erweist sich ein zu schwaches Stromnetz als Bremse. Auf der anderen Seite bezeichnen Kritiker einen umfangreichen Stromnetzausbau als vorschnell und unnötig. Denn Energieeinsparung sei wichtiger als Netzausbau. Auch angesichts der tatsächlich benötigten Menge an elektrischer Energie sei der Netzausbau übertrieben. Und es gäbe Alternativen, denn Batteriespeicher und intelligente Steuerung könnten den Netzausbau minimieren. Ja, angesichts der Möglichkeiten des Ausbaus von lokaler und dezentraler Stromerzeugung und -speicherung sei ein Netzausbau sogar weitgehend überflüssig. Michael Huber und Thomas Seifert haben diese Aussagen anhand des Netzentwicklungsplans und den ihm zugrunde gelegten Szenarien sowie weiteren über 120 Studien, Szenarien und Veröffentlichungen gründlich und interessenneutral überprüft.
Klärschlamm – Verbrennung, Pyrolyse, Phosphor-Recycling
Noch immer gibt es eine Auseinandersetzung um eine nachhaltige, umwelt- und klimafreundliche Entsorgung von Klärschlamm. Dabei wird aus Teilen von Natur- und Klimaschützern aber auch von wirtschaftlich interessierten Firmen die Pyrolyse gegen die ursprünglich als beste Lösung betrachtete Verbrennung hochgehalten. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für die eine oder andere Technologie spielt dabei auch die Vorgabe, dass in Zukunft der im Klärschlamm enthaltene Phosphor möglichst komplett zurückgewonnen werden soll. Um hier zu vernünftigen Entscheidungen zu kommen, hat Dr. Michael Huber Fakten in einem umfangreichen Dossier zusammengestellt und bewertet.
Biogas in der Energiewende
Biogas galt aus Umwelt- und Klimaschutzgründen aber auch wegen des hohen Subventionsbedarfs eigentlich als Auslaufmodell. In Folge des Ukraine-Kriegs wurde unter der Devise „Flexibilisiertes Biogas stabilisiert die Stromversorgung“ das Thema wiederbelebt. Aktuell wird Biogas im Rahmen des Bioenergiedörfer-Konzepts von der FNR und anderen Institutionen massiv propagiert. Diese sogenannten „Bioenergiedörfer“ sollen sich energetisch „überwiegend mit Biomasse“ versorgen können. Das Paper zeigt auf Grundlage aktuell recherchierter und Interessen neutral ausgewerteter Daten, dass dies die meisten Kommunen in eine Sackgasse führen würde:
Waldzustand und Holznutzung national und international
Holz galt lange als klimaneutraler Rohstoff, da er bei der Verbrennung nur so viel CO2 freisetzt, wie er zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Holznutzung galt auch als regenerativ, denn entnommene Bäume werden durch Neupflanzungen ersetzt. Doch das gilt nur, wenn im selben Zeitraum durch Nachwuchs mindestens genau so viel CO2 gebunden wird, wie durch Holznutzung freigesetzt wurde. Doch wie die aktuelle Bundeswaldinventur zeigt, ist dies nicht mehr der Fall. Auch von Forstwirtschaft und Bauindustrie wird Holz immer noch als ‚ökologischer‘ Baustoff gehandelt, da er das aufgenommene CO2 langfristig in Gebäuden speichert. Auch das muss nun in Frage gestellt werden. Das vorliegende Kurzdossier beleuchtet die Holznutzung vor dem Hintergrund von Klimawandel und Waldschwund und hinterfragt das Geschäftsmodell der nachhaltigen Forstwirtschaft.
Versteckter Energieverbrauch bei Warmwasser
Tipps zum Wasser sparen sind hinlänglich bekannt, z.B. beim Duschen. Doch Energie geht schon verloren, bevor das warme Wasser am Sparduschkopf ankommt.
Ein Team von Scientists for Future aus der Fachgruppe Energie hat diese Verluste nun aufgedeckt: in Kooperation mit der Organisation co2online wurden fast 700 Haushalte zu ihrem Gasverbrauch (für die sommerliche Warmwasserbereitung) befragt und diese Daten ausgewertet.
Der Löwenanteil an Energie geht verloren, wenn Warmwasser nutzlos in den Leitungen zirkuliert. Die Auswertung der Umfrage gibt Handlungsempfehlungen je nach vorhandener Anlagentechnik.
Richtlinien zur dezentralen Wärmeversorgung der Zukunft
Alle Kommunen in Deutschland beschäftigen sich derzeit mit der Neuaufstellung der kommunalen Wärmeversorgung auf der Basis von erneuerbaren Energien. Die Errichtung oder der Ausbau von Wärmenetzen spielt dabei eine zentrale Rolle, da diese Netze die unterschiedlichsten erneuerbaren Energiequellen nutzen und effizient für viele Haushalte verfügbar machen können. Wie aber können Häuser, die nicht an ein Wärmenetz angeschlossen werden können, in Zukunft ohne CO2-Emissionen beheizt werden? Sind Wärmepumpen eine sichere Alternative und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Welche Rolle werden Gasnetze in Zukunft spielen? Diese Fragen werden in knappen Stichpunkten auf einer Seite beantwortet. Dieses Dokument soll als leicht lesbare Orientierungshilfe dienen und eine Beratung und Diskussion vor Ort erleichtern.
Dossier: Aufbau von Wasserstoffnetzen – Kosten und Bedarfsabdeckung
Laut der Nationalen Wasserstoff-Strategie soll bis 2032 ein Wasserstoff-Kernnetz aufgebaut werden, das mit circa 9700 km Länge die wichtigsten Industriezentren und die großen Reservekraftwerke mit grünem Wasserstoff versorgt. Dazu sollen circa zwei Drittel des alten Erdgasfernnetzes übernommen und ein Drittel als echter Neubau beziehungsweise Zubau umgesetzt werden. Dr. Michael Huber beschreibt in folgendem Dossier die technische Problematik, die mit dem Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes und der Nutzung von Wasserstoff für Gebäudewärme verbunden ist. Er kommentiert die mit dem Ausbau verbundenen Kosten und weist auf die zweifelhafte Verfügbarkeit des Wasserstoffs als Brennstoff für die Erzeugung von Gebäudewärme hin, sei es durch Fernwärme oder Gaskessel im Haus.
Dossier: Carbon Capture and Storage (CCS): Rettet uns CCS vor der Klimakatastrophe?
Die Notwendigkeit von Carbon Capture and Storage (CCS) bzw. von Carbondioxid Removal (CDR) ist laut IPCC unbestritten. Dies gilt sowohl für die „unvermeidbaren Emissionen“ von Landwirtschaft und Industrie als auch für die Wiederabsenkung der atmosphärischen CO2-Konzentration. Doch der Umfang der Anwendung von CCS und CDR, die Zeitachse der Umsetzung, die natürlichen und technologischen Möglichkeiten und der jeweils erforderliche Aufwand sind umstritten. Anlass, dieses Thema aus der interessierten Sicht einer schnellen Energiewende zu Treibhausgas-Null und Nachhaltigkeit – aber ansonsten völlig interesseneutral – einmal gründlich zu recherchieren und zu bewerten.
Stellungnahme der FG zum Einsatz von Wasserstoff-Bussen im ÖPNV
In einigen Städten Deutschlands werden Wasserstoff-Busse betrieben und weitere sollen angeschafft werden, wobei erhebliche Fördergelder in Anspruch genommenen werden. Eine Stellungnahme von S4F-Autoren beleuchtet die Zukunftsfähigkeit von Wasserstoff-Bussen im Vergleich zu rein elektrischen Bussen unter Berücksichtigung der aktuellen technischen Entwicklung.
Offener Brief an die Bundesregierung: Sparpolitik der Bundespolitik bremst kommunale Wärmeplanung
Mitarbeit an „Keypoints Wärmewende“
Mitglieder der Fachgruppe beteiligten sich am UBA-geförderten S4F Projekt „Keypoints Wärmewende“ (2022/23).
FG Koordinationsteam
Thomas Seifert, Enzo Messina, Christina West
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