Angesichts der US-Zollpolitik ist das ein großer Fortschritt für Europa und Indien. Das dürfte auch für den deutschen Maschinenbau eine sehr gute Nachricht sein.
Ich habe selbst vor einigen Jahrzehnten, zum Ende der 80er Jahre mal Export Maschinenbau nach Indien und USA gemacht. Damals war das immer ein Wust von Papieren, der dafür bearbeitet werden musste. Das wird zukünftig hoffentlich auch einfacher.
Begleittext:
Die EU und Indien rücken wirtschaftlich enger zusammen. Die Verhandlungen über den Aufbau einer Freihandelszone seien abgeschlossen. Das teilen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi am Dienstag in Neu-Delhi mit.
Modi bezeichnete die Einigung als "Mutter aller Abkommen", die den 1,4 Milliarden Menschen in Indien und der Bevölkerung Europas große Chancen eröffne. Es stehe für fast ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung und ein Drittel des Welthandels, so Modi.
Vor der Umsetzung steht eine fünf- bis sechsmonatige juristische Prüfung an. Der indischen Regierung zufolge könnte das Abkommen innerhalb eines Jahres in Kraft treten.
Der Einigung gingen - mit Unterbrechungen - fast 20 Jahre Verhandlungen voraus. Das Abkommen fällt in eine Zeit, in der sowohl die EU als auch Indien unter den Folgen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump leiden.
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Standard hier Jakob Pflügl Andreas Danzer 27. Jänner 2026
EU-Indien-Deal: Warum die Bauern bisher nicht protestieren und die USA
scharfe Kritik üben
Euronews hier
Größter Deal aller Zeiten: EU und Indien besiegeln Freihandelsabkommen
Die EU und Indien haben die "Mutter aller Deals" auf den Weg gebracht. DER STANDARD gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten
Verhandelt wurde zwar schon lange, doch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump dürfte dem Vorhaben zusätzlichen Schub verpasst haben: Am Dienstag präsentierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi die "Mutter aller Deals", wie die beiden das Abkommen bezeichneten. Neben einem verstärkten Handel wollen die EU und Indien auch in den Bereichen Sicherheit, Mobilität und Weltraum kooperieren. Der Deal muss auf beiden Seiten noch offiziell angenommen werden. In der EU sind nun EU-Parlament und EU-Rat am Zug.
Frage: Warum kommt es gerade jetzt zu diesem Abkommen?
Antwort: Beide Seiten suchen angesichts der geopolitischen Spannungen nach stabilen Handelspartnern, zudem wollen sie ihre Abhängigkeiten von China und den USA reduzieren. Indien stellt für die EU einen wachsenden Absatzmarkt dar sowie ein strategisches Gegengewicht zu China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Indien will sich stärker im globalen Handel einordnen und in die Wertschöpfungsketten integrieren. Man hofft auf steigende ausländische Investitionen, ohne den Markt gleich komplett zu öffnen.
Industrie profitiert
Frage: Welche konkreten Erleichterungen soll es im Handel geben?
Antwort: Laut EU-Kommission sollen bei 90 Prozent aller EU-Exporte die indischen Zölle entweder ganz gestrichen oder reduziert werden, das entspreche rund vier Milliarden Euro an Zöllen jedes Jahr. Im Fokus steht vor allem die Industrie. Ein paar Beispiele: Die Zölle für europäische Autos sollen für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr von 110 Prozent auf zehn Prozent sinken. Die bisherigen Zölle von 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf chemische Erzeugnisse und elf Prozent auf Pharmazeutika sollen größtenteils ganz wegfallen. Die EU-Kommission erwartet sich dadurch eine Verdoppelung der Exporte nach Indien.
Frage: Welche europäischen Unternehmen profitieren?
Antwort: Das Abkommen dürfte vor allem europäischen Autobauern wie VW, BMW, Mercedes oder Renault in die Karten spielen. In den Chefetagen dieser Unternehmen begrüßte man den Abschluss. Vor allem in höherpreisigen Klassen ist Indien ein Wachstumsmarkt, der durch die Zölle bisher stark abgeschottet wurde.
Frage: Warum kritisieren indische Autobauer das Abkommen?
Antwort: Aktien der führenden indischen Autoproduzenten sanken teilweise um bis zu fünf Prozent. Hersteller wie Mahindra, Tata oder Maruti Suzuki fürchten schärferen Wettbewerb durch günstige Importe. Sie argumentieren, dass niedrigere Zölle Investitionen in lokale Produktionen unattraktiver machen. Vor allem im Luxus-Segment gibt es diese Sorgen.
Frage: Wie profitieren die Inder dann?
Antwort: Die EU schafft umgekehrt auch die Zölle auf 90 Prozent der indischen Waren ab, die Senkung soll in den kommenden Jahren sukzessive erweitert werden. Wichtige indische Exporte in die EU sind etwa Elektronik, Chemikalien, Kunststoffe/Gummi, Leder/Schuhe, Textilien, Bekleidung und unedle Metalle.
Heikle Landwirtschaft
Frage: Wie steht es um die Landwirtschaft?
Antwort: Derzeit fallen auf EU-Agrarexporte nach Indien im Schnitt Zölle von 36 Prozent an. Diese Handelsschranken sollen deutlich reduziert werden, damit europäische Landwirte einen besseren Zugang zum indischen Markt bekommen. Das betrifft etwa Wein (von 150 Prozent auf 30 Prozent), Bier (von 110 Prozent auf 50 Prozent) und Würstel (von 110 Prozent auf 50 Prozent). Umgekehrt betont die Kommission, dass heikle Agrarprodukte wie Rindfleisch, Zucker, Reis, Hühnerfleisch und Milchpulver vom Abkommen ausgenommen sind. Das ist wohl auch der Grund, warum es seitens der EU-Landwirte bisher kaum Widerstand gab – ganz anders als beim Mercosur-Abkommen.
Frage: Was bedeutet das Abkommen für Konsumenten in Europa?
Antwort: Direkte Auswirkungen auf Konsumentinnen und Konsumenten in Europa sind vorerst nicht zu erwarten. Indirekt können europäische Produzenten von höheren Absatzmengen profitieren, was die globale Wettbewerbsposition stärkt und womöglich dem Personal zugutekommt.
Frage: Was heißt das Abkommen für europäische Sicherheits- und Gesundheitsstandards?
Antwort: Alle Importe aus Indien in die EU unterliegen weiterhin den strengen Gesundheits- und Produktsicherheitsvorschriften der EU, ohne Ausnahme. Die EU-Kommission erklärt, dass sie die Einhaltung durch Kontrollen gewährleisten will.
Frage: Könnte Österreich profitieren?
Antwort: Potenzial gäbe es, denn bisher macht Indien – immerhin das bevölkerungsreichste Land der Welt – nicht einmal ein Prozent des österreichischen Außenhandels aus. Im vergangenen Jahr exportierte Österreich Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro nach Indien, hauptsächlich Maschinen. Aus Indien kamen Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro nach Österreich. Da geht es vor allem um Elektronik und Textilien. "Wir dürfen nicht den Gamechanger erwarten", erklärte Mario Holzner vom Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) jüngst dem STANDARD. Dennoch sieht er wirtschaftliches Potenzial. "Man kann es auch als Wette auf 'Indien als das neue China' betrachten", erklärte Harald Oberhofer, Ökonom beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Bundeskanzler Christian Stocker sprach am Dienstag auf X von einem "neuen Kapitel mit enorm viel Potenzial".
Kritik der USA
Frage: Wie reagieren die USA auf das Abkommen?
Antwort: US-Finanzminister Scott Bessent kritisierte den Deal in einem Interview mit ABC News scharf. Europa würde dadurch den Krieg gegen sich selbst finanzieren, denn Indien kaufe Öl aus Russland. Auch die USA verhandeln derzeit mit Indien. Trump hatte im vergangenen Jahr im Zuge der Ukrainegespräche Druck auf Neu-Delhi aufgebaut, weil das Land einer der wichtigsten Käufer von fossiler Energie aus Russland ist. Aktuell sieht es jedoch nach Entspannung aus. Die indischen Importe russischen Öls gingen Ende 2025 stark zurück. US-Finanzminister Scott Bessent ließ vergangene Woche durchblicken, dass die USA die Zölle im Gegenzug senken könnten. (Andreas Danzer, Jakob Pflügl, 27.1.2026)
Größter Deal aller Zeiten: EU und Indien besiegeln Freihandelsabkommen
Indien und die Europäische Union haben die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zur Vertiefung der wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen abgeschlossen. Das hat Regierungschef Narendra Modi am Dienstag mitgeteilt.
Beide Seiten begrüßen "neues Kapitel"
Die Ankündigung erfolgte während eines hochrangigen Besuchs von führenden Politikern der Europäischen Union, darunter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie war vom Weltwirtschaftsforum in Davos nach Indien gereist. Beide Seiten begrüßten ein „neues Kapitel in den strategischen Beziehungen“, da beide Seiten nach Alternativen zum US-Markt suchen.
Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Von der Leyen fügte hinzu: „Wir haben der Welt ein Signal gesendet, dass eine auf Regeln basierende Zusammenarbeit nach wie vor großartige Ergebnisse liefert.“ Diese Äußerung darf wohl als Anspielung auf das Vorgehen der US-Regierung gewertet werden.
Mittel gegen Trumps Zolldrohungen
Fast zwei Jahrzehnte hatten beide Seiten miteinander verhandelt. Es betrifft rund zwei Milliarden Menschen. Von beiden Seiten wurde die Übereinkunft als „Mutter aller Abkommen“ bezeichnet.
Die Gespräche zwischen der EU und Indien hatten erstmals im Jahr 2007 begonnen, stießen jedoch schnell auf Hindernisse. Die Verhandlungen wurden 2022 wieder aufgenommen und im vergangenen Jahr intensiviert, da beide Seiten versuchten, die Auswirkungen von Trumps Rückkehr ins Weiße Haus abzufedern.
Das Abkommen wird die Zölle auf fast 97 Prozent der europäischen Exporte senken oder ganz abschaffen. Pro Jahr sollen sich so bis zu vier Milliarden Euro einsparen lassen.
"Mutter aller Abkommen"
Tatsächlich handelt es sich um eines der größten bilateralen Handelsabkommen weltweit. Zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, sowohl Indien als auch die EU mit hohen Einfuhrzöllen zu belegen.
Neu-Delhi sieht sich derzeit mit Zöllen in Höhe von 50 % seitens der Trump-Regierung konfrontiert, was seine Exporte stark beeinträchtigt hat. Nach dem Abschluss des Mercosur-Abkommens mit lateinamerikanischen Ländern Anfang dieses Monats hat die EU erklärt, dass sie ihre Handelsagenda mit neuen Partnern vorantreiben wolle.
Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, müssen der Europäische Rat und das Europäische Parlament es ratifizieren, was ein langwieriger Prozess werden könnte.
Die Kommission hofft, mit der Umsetzung des Abkommens ab Januar 2027 beginnen zu können.
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