Dirk Specht LinkedIn
Der Markt regelt das. Fragt sich nur, wie. Anbei ein Beispiel zum Zusammenspiel Mensch, Natur, Erdgas, Strom.
Liest sich mit etwas Abstand sehr unterhaltsam, ist es aber nicht.
In Texas ist es selten kalt, daher ist die Energieinfrastruktur nicht frostsicher.
Um die gängige Schnappatmung zu vermeiden: Alle Bereiche sind gemeint, Stromnetze, Öl- und Gasförderung sowie deren Logistik. Führte 2021 bei einem Wintersturm zu einer Versorgungskatastrophe.
Nun wird "der Markt" umdisponieren: Das Wetter spielt nicht mit, es gibt Frost. Woanders kein Thema, hier schon. Daher werden nun Gaspreise wie 2022 erwartet, die erste Verdopplung ist in Sicht. Das wird "der Markt" also wie folgt lösen: Die Preise eskalieren, was sich physikalisch produzieren lässt, wird gemacht, der Strompreis wird folgen, weil in den USA immer noch Gaskraft der wichtigste Stromproduzent ist und den "Rest" regelt die Natur: Was an Infrastruktur frostbedingt ausfällt, fällt halt aus. Das wird "der Markt" offensichtlich nie regeln, denn auch nach 2021 hat "der Markt" keine bessere Infrastruktur hingestellt, weil Frost in Texas immer noch selten ist. Dafür gibt es den in Texas also nicht, diesen "Markt", der kann nämlich auch zum Ergebnis kommen: Kein Markt.
In Deutschland hat die sogenannte Wirtschaftsministerin entschieden, die Gasspeicherung "dem Markt" zu überlassen und der hat genauso wie in Texas entschieden. Erdgas wurde immer billiger, in fallende Preise speichert "der Markt" nichts ein, wäre ja blöde - für "den Markt" jedenfalls. Nun wird es in Deutschland auch knapp, manche reden bereits von Gasmangellage, was Experten aber nicht erwarten. Es ist wohl in der Logistik dahinter, also in den vielen LNG-Tankern genug "auf Lager". Das ist aber innerhalb von wenigen Tagen doppelt so teuer geworden und findet inzwischen auch woanders einen "Markt".
So dürfen wir in Deutschland (noch) davon ausgehen, dass die Gasheizungen nicht ausfallen, aber teuer wird es nun sehr sicher, wie teuer, weiß niemand, auch "der Markt" nicht. In Europa ist übrigens Gaskraft nicht so wichtig wie in den USA, aber mit Merit-Order ist der Preiseffekt sogar noch stärker. Beim Strompreis werden wir das hier also ebenfalls erleben.
Scheint aber die Stammtische nicht abzuhalten, über Erneuerbare bzw. zu teure Netze zu pöbeln. Die Wirtschaftsministerin wird nicht innehalten, Erdgas in allen Bereichen der Energieversorgung nicht zurück zu nehmen, sondern sogar auszubauen. Das gilt als versorgungssicher, bestimmbar, für ein Industrieland notwendig und blablubb.
Der Mensch, der Markt, die Politik, die Stammtische - anstrengend.
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