T-Online hier Amy Walker am 15.01.2026
Wärmepumpen-Trend
Die Bundesregierung will bis Februar ein neues Gebäudeenergiegesetz ausarbeiten. Doch auch ohne neues Gesetz kommt die Wärmewende wohl in Schwung.
Noch vor wenigen Jahren galt die Gasheizung als Standardheizung für jedes Gebäude. Seit der Gaskrise und den zunehmenden Risiken, die mit fossilen Brennstoffen in Verbindung gebracht werden, suchen viele Eigentümer nun doch nach Alternativen. Gemessen an den Verkaufszahlen liegt derzeit die Wärmepumpe vorn: 2025 wurden mit 284.000 erstmals mehr dieser Anlagen verkauft als Gasheizungen, die 230.000-mal verkauft wurden.
Dem Beratungsportal co2online zufolge gibt es Anzeichen dafür, dass die Wärmewende auch in diesem Jahr weiter vorankommen wird. Demnach wird die Wende zunehmend von Marktentscheidungen, Investitionen und betrieblicher Praxis vorangetrieben – und ist damit weniger abhängig von politischen Stimmungen als vielfach angenommen.
Handwerker bewerben häufiger die Wärmepumpe
Auch im Handwerk zeigt sich laut der Analyse ein klarer Trend. Installationsbetriebe bewerten Wärmepumpen demnach deutlich häufiger positiv als Gasheizungen. Zudem sei die Nachfrage nach entsprechenden Schulungen stark gestiegen, Kapazitäten seien in vielen Betrieben ausgebaut worden. In der Praxis wachse das Vertrauen in die Technologie: Ein Drittel aller Neuinstallationen gehe laut dem Zentralverband Sanitär, Heizung und Klima auf die Wärmepumpe zurück.
Auch polarisiert dieses Thema die Bürgerinnen und Bürger weniger als noch vor drei Jahren, so co2online. 2023 hatte die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes ("Heizungsgesetz") viel Ärger ausgelöst. Die neue Bundesregierung will das Gesetz deshalb "abschaffen", bis Februar sollen für ein neues Gesetz die Eckpunkte stehen. Doch wenn co2online mit seiner Analyse recht hat, dann steckt im Thema heute weniger politische Sprengkraft als 2023. "Im Dezember 2025 ist die Wärmepumpe das Heizsystem der Wahl, bereits heute würde sich jede dritte Person in Deutschland für eine Wärmepumpe entscheiden", so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Portals.
An Bedeutung verliert nach Einschätzung von co2online zunehmend das Kostenargument. Wärmepumpen gelten inzwischen als günstigste Heiztechnologie im laufenden Betrieb. Ein durchschnittlicher Haushalt könne gegenüber einer Gasheizung mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen, unter anderem wegen der für fossile Energieträger steigenden CO2-Kosten. Nach den Preisspitzen der Jahre 2022 bis 2024 sinken zudem die Anschaffungskosten. Die Hersteller erwarten mittelfristig Einsparungen von bis zu 40 Prozent. Das Portal erwartet, dass bis 2030 Wärmepumpen 18.000 Euro kosten werden – 2025 lagen sie im Schnitt bei 30.000 Euro.
Industrie hat in die Wärmewende investiert
Möglich wird dies durch die Skalierung und Serienfertigung, die in den meisten Betrieben nun Einzug hält. "Europas Industrie investiert Milliarden in neue Werke und Produktionslinien: ein Vertrauensbeweis, der weit über kurzfristige Förderkulissen hinausgeht. Wer heute in dieser Größenordnung investiert, rechnet nicht mit einem politischen Rollback."
Auch im Gebäudebestand sei die Technik besser einsetzbar als vielfach angenommen. Nach Angaben von co2online ist bereits etwa jedes zweite Mehrfamilienhaus ohne größere Umbauten für den Einsatz von Wärmepumpen geeignet. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die kommunale Wärmeplanung, die für mehr als zwei Drittel der Bevölkerung bereits läuft oder abgeschlossen ist. Hinzu kommen verbindliche EU-Vorgaben, die einen Ausstieg aus fossilen Heizsystemen bis 2040 vorsehen.
"Die Wärmewende ist keine fragile politische Absichtserklärung mehr, sondern eine ökonomische Realität", sagt Julia Hellmer, Projektmanagerin bei co2online. "Der Markt hat seine Entscheidung längst getroffen."

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