Donnerstag, 15. Januar 2026

Insgesamt verursachen die 180 größten Emittenten fast 60 Prozent aller menschengemachten Treibhausgase

 

Timothy Glaz   LinkedIn

Neue Faktenlage beim Klimaschutz: Wissenschaftler*innen können Emissionen erstmals gezielt einzelnen Unternehmen zuordnen.

Bisher konnten Klimaforscher*innen zwar zeigen, dass der Klimawandel Extremwetter verstärkt. Aber wer genau dafür verantwortlich ist, blieb oft im Vagen.


Das ändert sich jetzt. Eine neue Studie unter Federführung der ETH Zürich stellt erstmals eine Kausalkette von einzelnen Emittenten zu konkreten Klima-Ereignissen her. Die im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Analyse untersuchte dafür über 200 Hitzewellen in den Jahren zwischen 2000 und 2023.

👉 Die Forscher*innen nutzten das Erdsystemmodell OSCAR und simulierten damit zwei verschiedene Szenarien: Eine Welt mit den Emissionen bestimmter Konzerne, und eine zweite Welt ohne diese Emissionen.

👉 So konnten sie in zahlreichen Szenarien ermitteln, wie stark bestimmte Unternehmen reale Hitzewellen beeinflusst haben.

👉 Das Ergebnis: Selbst die Emissionen einzelner Konzerne reichten aus, um Hitzewellen auszulösen, die andernfalls wohl nicht stattgefunden hätten.

An der Spitze der Klimasünder stehen die üblichen Verdächtigen: Saudi Aramco, Chevron, Exxon Mobil, Gazprom. Aber auch deutsche Konzerne finden sich auf der Liste.

Allein Saudi Aramco machte 51 Hitzewellen mehr als 10.000-fach wahrscheinlicher. Ähnliche Werte zeigen sich bei Exxon, Shell und BP.

Insgesamt verursachen die 180 größten Emittenten fast 60 Prozent aller menschengemachten Treibhausgase. Diese sogenannten "Carbon Majors" sind für etwa die Hälfte der globalen Erwärmung seit der Industrialisierung verantwortlich.

Das zeigt deutlich, wie dringend notwendig weltweite, verbindliche Regulierungen des CO₂-Ausstoßes sind.

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie reichen da nicht aus. Der einzige wirksame Weg führt über starke internationale Abkommen, die alle Staaten in die Pflicht nehmen.

Doch genau hier offenbart sich das aktuelle Dilemma: Im August 2025 scheiterten die Verhandlungen zum UN-Plastikabkommen in Genf. Maßgeblich blockiert von Staaten wie Saudi-Arabien, Iran und Russland, die massiv von der Erdöl- und Fossilindustrie profitieren. Unterstützt wurden sie dabei von den Lobbyisten eben jener Großkonzerne, die in der Studie so prominent erwähnt werden.

Dennoch bleiben internationale Abkommen der einzig gangbare Weg, um eine globale Herausforderung wie die Klimakrise zu bewältigen. Nicht zuletzt, weil die Hauptemittenten weltweit agierende Großkonzerne sind, die sich nationalstaatlicher Regulierung oft entziehen können.

Mehr. https://lnkd.in/dQi_CcaJ

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