SWR 14.8.2025 hier
Tiktok, Youtube und Co.: Deshalb ist Zukunftsforscher Tristan Horx für Social Media ab 16 Jahren
Tristan Horx forscht an der Zukunft der Digitalisierung, Globalisierung und Nachhaltigkeit. Er ist Digital Native und schaut kritisch auf die Entwicklung von Social Media.
Wir als Gesellschaft haben das vergurkt. Wir werden in 10-20 Jahren darauf zurückschauen und sagen ‚Soziale Medien, das ist eine wunderbare Angelegenheit, aber erst ab einem gewissen Alter, weil es ein unglaubliches Suchtpotenzial hat‘.
Smartphones und Social Media beenden die Kindheit
Die Generation Z, also die Jahrgänge ab den späten 1990ern bis 2010, sind komplett mit Smartphones, dem Internet und Social Media aufgewachsen. Zukunftsforscher Tristan Horx nennt sie auch "Digital Zombies".
Laut der KIM-Studie 2024 nutzen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren in Deutschland Whatsapp (73 Prozent), Tiktok (42 Prozent) und Instagram (25 Prozent) bereits wöchentlich, obwohl die Nutzung eigentlich erst ab 13 Jahren erlaubt ist.
Tristan Horx sagt, es sei ein wichtiger pädagogischer Schritt Kindern ein Smartphone zu geben. Die Kindheit werde beendet und gleichzeitig mache Social Media häufig süchtig.
In Australien sind Soziale Medien mittlerweile erst ab 16 Jahren erlaubt. Tristan Horx ist davon ein großer Fan. Auch wenn er einräumt, dass man mit Pädagogen sprechen müsse, ob Verbote der richtige Weg sind. Aber er sagt: "Immerhin probiert es mal ein Land aus und schaut, welche Konsequenzen es hat".
Wie muss sich Social Media verändern?
Zukunftsforscher Tristan Horx erzählt: Es gab eine Befragung unter Jugendlichen, ob ihre eigenen Kinder später Tiktok haben sollten. Die Mehrheit sagt: Nein. Von radikalisierenden Inhalten über Bilder und Videos aus Kriegen, sehen Kinder und Jugendliche alles auf Social Media-Plattformen.
Gegen die aktuellen Entwicklungen in der Welt von Social Media müssten wir uns wehren. Soziale Medien seien ein Gemeinwohl. Tristan Horx fordert eine öffentlich finanzierte Social Media-Plattform aus Europa.
Wenn wir Information und Wahrheit nur an ökonomische Prinzipien binden, dann geht das schief und das sehen wir jetzt gerade.
Zukunftsforscher Tristan Horx entstammt einer der bekanntesten Zukunftsforscherfamilien Europas. Sein Vater Matthias Horx hat sich mit seinem Trendbüro, einer Beratungsfirma für gesellschaftlichen Wandel und seinem Zukunftsinstitut zu einem der bekanntesten Trend- und Zukunftsforscher hochgearbeitet.
Tristan Horx studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, hält unter anderem Vorträge zu den Themen Mobilität und Globalisierung. 2018 wurde er Dozent an der SRH Hochschule Heidelberg im Studiengang Trendforschung.
Die Sendung wurde am 10.1.2025 aufgezeichnet.
Stern hier 01. Januar 2026
Gesetzentwurf: Kein Social Media mehr für unter 15-Jährige in Frankreich
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat das Verbot der Online-Netzwerke für unter 15-Jährige zu einer seiner Prioritäten erklärt
Zum Schutz der Kinder hat Australien das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder eingeführt. Frankreich will nachziehen – ein Herzensprojekt von Emmanuel Macron.
Die Regierung in Frankreich will Online-Plattformen wie Instagram und Tiktok ab dem Herbst 2026 für alle Jugendlichen unter 15 Jahren verbieten. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte und der demnächst im Parlament behandelt werden soll.
Das Verbot soll demnach ab dem Ende der Sommerferien, ab dem 1. September 2026, gelten. Zur Begründung heißt es, zahlreiche Studien und Berichte hätten die Risiken einer "exzessiven Nutzung" von Online-Netzwerken durch Minderjährige aufgezeigt. Genannt werden insbesondere der Zugang zu "unangemessenen Inhalten", "Online-Mobbing" und "Veränderungen des Schlafs".
Emmanuel Macron will Social-Media-Nutzung einschränken
Im ersten Artikel des Gesetzentwurfs wird die Behörde Arcom, die für die Regulierung digitaler Kommunikation zuständig ist, mit der Überwachung des Verbots betraut. Im zweiten Artikel wird das Verbot der Nutzung von Handys auf Gymnasien ausgeweitet. Eine entsprechende Maßnahme gilt bereits seit 2018 ab der Vorschule an anderen Schulen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der ein Verbot der Online-Netzwerke für unter 15-Jährige zu einer seiner Prioritäten erklärt hat, will den Gesetzentwurf schon ab Januar im Parlament beraten lassen.
Kinder können Social-Media-Nutzung nicht kontrollieren
In Australien war im Dezember das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder in Kraft getreten. Das Gesetz erlaubt die Nutzung von Plattformen wie Tiktok, Instagram und Snapchat erst ab 16 Jahren.
Laut einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation WHO vom vergangenen Jahr haben elf Prozent der Jugendlichen Schwierigkeiten, ihre Nutzung der sogenannten sozialen Medien, die laut Kritikern keineswegs sozial sind, zu kontrollieren.
Andere Untersuchungen fanden einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Nutzung der Plattformen und Schlafproblemen, einem negativen Körperbild, schlechten Leistungen in der Schule sowie emotionalen Schwierigkeiten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen