Donnerstag, 29. Januar 2026

Nordsee - Gipfel: Historische Erklärung von 10 europäischen Ländern

Euronews hier Liam Gilliver   26/01/2026 

Zehn europäische Länder sagen 9,5 Milliarden Euro für Nordsee-Windprojekte zu

Offshore-Windparks werden bald mehrere Länder in Europa verbinden. Grundlage ist eine historische Erklärung, auf die sich viele europäische Staaten geeinigt haben.

Fast ein Dutzend Länder hat sich zusammengeschlossen, um von der „Achterbahn der fossilen Energien“ abzusteigen und die Windenergie grundlegend neu aufzustellen.

Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und das Vereinigte Königreich unterzeichnen heute (26. Januar) die Hamburger Erklärung. Sie ist ein Meilenstein: Bis 2050 sollen 100 GW gemeinsame Offshore-Windprojekte in den gemeinsamen Gewässern der Nordsee entstehen. Das reicht, um rund 143 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.


Das Abkommen über 9,5 Milliarden Euro soll die Nordsee zum weltweit „größten Reservoir für saubere Energie“ machen und
in Europa eine Billion Euro an Kapital mobilisieren. 

Es wird zudem erwartet,
dass mehr als 90.000 Arbeitsplätze entstehen und
die Stromerzeugungskosten in den nächsten 15 Jahren
um 30 Prozent sinken.

Die Hamburger Erklärung kommt nur wenige Tage, nachdem Donald Trump Länder, die in Windkraft investieren, als „Verlierer“ bezeichnet hat.

Wie die Nordsee zur Hochburg der Windkraft wird
Vor drei Jahren sagten die Nordsee-Staaten zu, bis 2050 300 GW Offshore-Wind zu errichten – als Reaktion auf Putins völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine und die „Instrumentalisierung“ der europäischen Energieversorgung.

Ein Drittel davon soll nun aus gemeinsamen Projekten für saubere Energie stammen. Dazu gehören neue Offshore-Wind-Hybridanlagen – Windparks auf See, die über Mehrzweck-Interkonnektoren (MPIs) direkt mit mehr als einem Land verbunden sind.

Es gibt bereits ein Netz von Unterseekabeln, das die Stromnetze europäischer Länder verbindet. Die Hamburger Erklärung markiert jedoch erstmals, dass Windparks direkt mit mehreren Staaten verknüpft werden.

In einer gemeinsamen Erklärung betonen der Branchenverband RenewableUK und National Grid Ventures, die kommerzielle Entwicklungssparte des britischen Netzbetreibers National Grid, dass der Einsatz von MPIs den Bedarf an Infrastruktur für den Stromtransport verringert. Das mindert die Belastung für Küstengemeinden und die Umwelt.

In Norwegen sind Interkonnektoren allerdings umstritten. Es gibt die Sorge, dass Strom aus MPIs ins Ausland verkauft wird. Das hält die Energierechnungen der Einwohner hoch und schmälert die inländische Versorgung.

Um das zu verhindern, führen Regierungen strenge neue Regeln ein. Stromexporte sind verboten, wenn die Versorgung im Inland gefährdet sein könnte.

Raus aus der „Achterbahn der fossilen Energien“
„Wir setzen uns für unser nationales Interesse ein, indem wir auf saubere Energie setzen. Sie kann das Vereinigte Königreich von der Achterbahn der fossilen Energien holen und uns Energiesouveränität und Überfluss geben“, sagt der Energieminister des Vereinigten Königreichs, Ed Miliband.

„Nach unserer Rekord-Ausschreibung für Erneuerbare gehen wir heute einen Schritt weiter: Wir schließen mit europäischen Verbündeten ein Sicherheitsabkommen für saubere Energie, damit wir das Potenzial sauberer Energie in der Nordsee maximal ausschöpfen.“

Deutschlands Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagt, das Abkommen biete „zuverlässige Perspektiven“ für den Offshore-Sektor, helfe, Jobs zukunftssicher zu machen und „Wertschöpfung in Europa“ zu sichern.

Im vergangenen Jahr erzeugten Solar- und Windkraft erstmals mehr Strom in der EU als fossile Energien. Fachleute loben diesen Meilenstein, doch viele halten das EU-Netz für „veraltet“ und sehen darin eine Bremse für den Fortschritt.


Manuel Berkel 26. Januar 2026

Nordsee-Gipfel: Signal an Trump und Erfolg für Bornholm

Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg stellten die Anrainerstaaten engere Kooperationen bei der Finanzierung von Offshore-Windparks in Aussicht. 

Die Industrie antwortete mit einem Investitionspakt.



Zeit hier
 26. Januar 2026, Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa, hap

Windenergie: Dänemark und Deutschland planen Offshore-Stromdrehkreuz auf Bornholm

Die Wirtschaftsminister von Dänemark und Deutschland haben beschlossen, an einem Stromdrehkreuz auf Bornholm zu arbeiten. So soll Windstrom in die Länder geleitet werden.

Deutschland und Dänemark planen, auf der Ostseeinsel Bornholm eine erste gemeinsame Stromverbindung von Offshore-Windparks in beide Länder zu bauen. Das teilte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf dem Nordsee-Gipfel in Hamburg mit. Auf der dänischen Insel soll demnach ein Stromdrehkreuz entstehen, das Offshore-Windstrom aus der Ostsee nach Deutschland und Dänemark weiterleitet.

Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Übertragungsnetzbetreiber Energien und 50Hertz mit dem Ziel, drei Gigawatt Offshore-Windenergie in das europäische Stromnetz einzuspeisen. Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge können damit etwa drei Millionen Haushalte mit Elektrizität versorgt werden.

Das Stromdrehkreuz auf Bornholm diene dazu, den Strom aus den zukünftigen Offshore-Windparks vor der Küste der Ostseeinsel aufzunehmen, auf ein bestimmtes Spannungsniveau anzuheben und dann bedarfsgerecht über See- und Landkabel den Verbrauchern in Deutschland und Dänemark zur Verfügung zu stellen, teilte das Unternehmen 50Hertz mit. 

Die beiden Länder einigten sich nach Ministeriumsangaben darauf, die Kosten für die erforderliche Unterstützung für die Offshore-Windenergie zu teilen. Das Projekt sei das erste Beispiel für die gemeinsame Finanzierung einer Offshore-Windfarm durch zwei Länder. Es wurde von der EU-Kommission als vorrangig eingestuft und zählt zu einer von acht zentralen "Energieautobahnen".  


NTV hier

Windkraft aus Nordsee soll neue Abhängigkeiten verhindern

Die Nordsee soll bis zur Mitte des Jahrhunderts eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung Europas spielen. Windkraftanlagen und Netze sollen massiv ausgebaut werden. Geplant sind Milliarden-Investitionen und Zehntausende Jobs

Ungeachtet der Kritik von US-Präsident Donald Trump planen die europäischen Staaten einen massiven Ausbau der Offshore-Windkraft in der Nordsee. "Unser Ziel ist es, den größten Energiehub der Welt zu entwickeln", sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf dem dritten Nordsee-Gipfel in Hamburg.

Die europäischen Staaten wollen gemeinsam sicherstellen, dass bis 2050 Windparks und Stromnetze in der Nordsee mit bis zu 300 Gigawatt Leistung durch grenzüberschreitende Projekte installiert werden. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Windenergie dennoch als "Übergangstechnologie" - er setze auf die Kernfusion, die alle anderen Stromerzeugungsmethoden mittelfristig überflüssig machen werde.

In einer "Hamburger Erklärung" verpflichten sich Deutschland, Frankreich, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Island, Irland, Luxemburg, die Niederlande und Norwegen, dabei 100 Gigawatt durch grenzüberschreitende Projekte beizusteuern und einen gemeinsamen Finanzrahmen zu entwickeln. Deutschland und Dänemark wollen über einen Windpark vor Bornholm gemeinsam Strom beziehen. Auf der dänischen Insel soll ein Stromdrehkreuz entstehen, das Offshore-Windstrom aus der Ostsee nach Deutschland und Dänemark weiterleitet. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Netzbetreiber Energinet und 50Hertz mit dem Ziel, drei Gigawatt Offshore-Windenergie in das Stromnetz einzuspeisen. Damit können laut Ministerium etwa drei Millionen Haushalte versorgt werden.

Kanzler Merz, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der belgische Ministerpräsident Bart De Wever betonten, wie wichtig der Ausbau der Erneuerbaren Energien für die größere Energieunabhängigkeit Europas sei. Man habe sich nicht von russischen Energielieferungen unabhängig gemacht, um dann erneut von einem nicht-europäischen Lieferanten abhängig zu werden, sagte Frederiksen in Anspielung auf die wachsenden Importe von LNG-Erdgas aus den USA. 

Zugleich hieß es, die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Offshore-Anlagen müssten angesichts der veränderten geopolitischen Lage hochgeschraubt werden. Erstmals nahm die Nato deshalb an einem Nordsee-Gipfel teil.

Der dänische Energiekonzern Ørsted wies darauf hin, dass sich die Offshore-Windindustrie dazu verpflichtet habe, die Kosten für Strom aus Offshore-Windkraft bis 2040 um 30 Prozent zu senken. Das Wirtschaftsministerium verwies darauf, dass die Industrie sich auch verpflichte, in Europa 9,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 in neue Produktionskapazitäten zu investieren und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

"Offshore-Energie soll erheblich effizienter werden, dazu werden wir mehr koordinieren und enger koordinieren", beschrieb Merz das Ziel der engeren Abstimmung der europäischen Staaten. Reiche sagte, der Gipfel setze mit seinen langfristigen Zielsetzungen auch ein wichtiges industriepolitisches Signal. Werften und Turbinenbauer wüssten nun, dass es sich um ein langfristiges Investment handele. Reiche räumte ein, dass Ausschreibungen für Offshore-Windparks in Deutschland zweimal gescheitert seien - anders als in Großbritannien. Gestiegene Finanzierungs- und Bauteilkosten sowie Unsicherheiten bei der Stromnachfrage hatten zuletzt auch in anderen Nordsee-Staaten zu erfolglosen Auktionen für Windparks geführt.

Deshalb müsse ein "guter Investitionsrahmen" geschaffen werden, sagte Reiche. Sie kündigte neue Förderinstrumente und geänderte Auktionsregeln an. So sollten zeitnah sogenannte Differenzverträge eingeführt werden. Dabei wird ein fester Abnahmepreis für den Strom garantiert. Der Staat gleicht die Differenz aus, wenn der Marktpreis niedriger ist, und schöpft Mehrerlöse ab, wenn er höher liegt. Zudem würden die Ausschreibungsauflagen für die Flächen angepasst, um den Bau neuer Windparks auf See für Investoren attraktiver zu machen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP


NDR hier

Nordsee-Gipfel in Hamburg beschließt Investitionspakt für Windenergie



NDR hier  26.1.26

Nordsee-Gipfel: Droht der Windkraft auf See der Stillstand?

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