Mittwoch, 22. Dezember 2021

Aufgeheizte Debatte um Kies, Wald und Klima

Eine schöne Zusammenfassung zum KlimaCamp im Altdorfer Wald

Schwäbische Zeitung von Katrin Neef

Im geplanten Kiesabbaugebiet im Altdorfer Wald entsteht aus Protest ein Baumcamp

Der Protest gegen die geplante Kiesgrube im Altdorfer Wald schlägt immer höhere Wellen. Es gab Demos, das Projekt war Wahlkampfthema - und im Frühjahr bauten junge Menschen im umkämpften Waldgebiet bei Vogt ein Baumhauscamp. Bei den Aktionen geht es inzwischen allerdings um mehr als den Streit über Kiesabbau in Grund.

Baumbesetzer in Oberschwaben: Was man bis dato aus dem Ballungsraum Nordrhein-Westfalen kannte, wo Aktivisten gegen die Rodung des Waldes zugunsten von Braunkohleabbau protestierten, fand Ende Februar seinen Weg in die Provinz. Eine kleine Gruppe von Klimaaktivisten aus der Region besetzte Bäume im Altdorfer Wald bei Vogt, um sich gegen den geplanten Kiesabbau bei Grund zu positionieren. Im Laufe des Jahres kamen Sympathisanten aus ganz Deutschland dazu, es entstand ein Baumhausdorf.

Auch Bürger aus der Umgebung unterstützen die Baumbesetzer. Inzwischen geht es nicht mehr nur um die umstrittene Kiesgrube in Grund und die Befürchtung, dass durch den Kiesabbau die Trinkwasserquellen im Altdorfer Wald beeinträchtigt werden könnten. Die vorwiegend jungen Aktivisten fordern zudem ein gesellschaftliches Umdenken, weniger Flächenverbrauch und konkrete Maßnahmen hinsichtlich des Klimawandels. Einige Aktionen richteten sich gegen den neuen Regionalplan, der laut Kritikern zu wenig ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt. Unter anderem schaltete sich die Bewegung „Scientists for future“ in die Debatte ein.

Anfang April blockierten Aktivisten über Nacht die Zufahrt zum Kieswerk und der Asphaltmischanlage in Grenis. Beides wird von dem Unternehmen „Meichle & Mohr“ betrieben, das im umstrittenen Waldgebiet Kies abbauen will. Drei Wochen später gab es Blockaden an den Zufahrten zu den Kiesgruben in Roßberg und Mennisweiler. Diese Kiesgruben gehören zu anderen Unternehmen. Die Aktionen führten zu Polizeieinsätzen. Die Aktivisten aus dem Baumhausdorf teilten später mit, die Blockierer in Roßberg und Mennisweiler seien nicht Teil der Baumbesetzer-Gruppe gewesen.

Die aufgeheizte Debatte um Kies, Wald und Klima führte zu Demonstrationen in Wolfegg und Vogt - ein seltenes Bild in den kleinen Landkommunen. Im Juni formierte sich ein zweites kleines Baumcamp - organisiert von erwachsenen Anwohnern, die sich mit den Zielen der jungen Baumbesetzer solidarisch erklärten. Dieses Camp musste jedoch auf Anordnung der Behörden am Folgetag wieder abgebaut werden.

Ende Juni wurde dann der viel diskutierte Regionalplan beschlossen. Damit steht nun fest, dass in Grund bei Vogt ein Kiesabbau möglich ist. Wann und ob dieses Projekt Realität wird, ist noch nicht klar. Das Unternehmen hält an den Plänen fest, es ist aber ein Genehmigungsverfahren notwendig.

Viele weitere Berichte rund um die Themen Kiesabbau und Altdorfer Wald finden sich online in einem Dossier unter schwäbische.de/kiesabbau

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