Daniel Mautz /LinkedIn
Mallorca bekommt keinen Wintermonsun, sondern die Quittung für ein Klimasystem, das wir destabilisieren
Schlammregen peitscht über die Insel, Sturmböen drücken Warnstufen hoch, der Engelssonntag am Schloss Bellver fällt aus Sicherheitsgründen aus, nachts stürzen die Temperaturen auf fünf Grad.
Man könnte meinen es würde regelrecht eine neue Jahreszeit entstehen, ein Monsun oder so. Doch die Klimakatastrophe bringt nicht die verlässliche Ordnung eines neuen Wetterregimes. Sie bringt ist das Gegenteil von Ordnung. Chaos und Unberechenbarkeit.
Die Balearen haben sich seit 1975 um über 0,4 Grad pro Jahrzehnt erwärmt. Spanien insgesamt um 3,27 Grad seit 1971. Das Mittelmeer erwärmt sich 20 Prozent schneller als der globale Durchschnitt.
Die Prognose für 2050 lautet nicht Monsun, sondern Steppe. Forscher:innen der UPC Barcelona rechnen mit bis zu 20 Prozent weniger Niederschlag und einer Verschiebung vom mediterranen Klima Richtung Wüstenklima.
Das Paradoxe dabei ist, dass es insgesamt weniger regnet, die einzelnen Niederschläge aber heftiger ausfallen. Extremniederschläge auf den Balearen nehmen zu. Drei-Meter-Wellen, 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, Schlammregen aus Saharastaub. Das ist keine fünfte Jahreszeit.
Das ist atmosphärisches Chaos mit klarer Ursache.
Wer sagt, Wetter war schon immer unberechenbar, verwechselt Variabilität mit Eskalation. Wer Mallorcas Tourismusindustrie vor der Realität schützen will, indem Extremereignisse als Ausreißer verkauft werden, betreibt dasselbe Spiel wie seit Jahrzehnten.
Billigflüge subventionieren, Kerosin steuerfrei halten, ein Ökosystem grenzenlos belasten. Wenn der Himmel braun wird, teilt man den Wetterbericht statt die Ursache zu benennen.
Link: https://lnkd.in/eQnZc2kb
Tagesspiegel hier
Neun Meter hohe Wellen: Supertaifun „Sinlaku“ trifft US-Außengebiet mit
voller Wucht
„Es ist absolut beängstigend“: Supertaifun „Sinlaku“ wütet mit mehr als 210 Kilometern pro Stunde in US-Außengebiet
Orkanböen, neun Meter hohe Wellen und zerstörte Häuser auf den Nördlichen Marianen „Sinlaku“ ist bisher der schwerste Sturm des Jahres. Und noch ist nicht klar, wie groß das Ausmaß des Schadens ist.
Daniel Mautz / LinkedIn
Noch nie in der aufgezeichneten Geschichte hat im April ein Tropensturm auf Guam Landfall gemacht. Bis jetzt.
Nun rast ein Kategorie-5-Monster mit 300 km/h Spitzenwindgeschwindigkeit auf die Nördlichen Marianen zu.
Super Typhoon Sinlaku ist der stärkste Sturm auf dem Planeten in diesem Jahr. Windböen von bis zu 350 km/h. Regenmengen von 400 bis 630 Millimetern. Das Auge steuert direkt auf Saipan und Tinian zu, wo rund 50.000 Menschen leben.
Auf Guam, dem strategischen US-Militärstützpunkt im Pazifik, wurden Notunterkünfte geöffnet, Flüge gestrichen, Marinestützpunkte auf Notbetrieb heruntergefahren. Präsident Trump hat den Katastrophenfall ausgerufen.
Der entscheidende Kontext, der in vielen Meldungen fehlt: Die Wassertemperaturen im westlichen Pazifik liegen aktuell 2 bis 3 Grad über dem April-Normalwert. Genau diese anomale Wärme hat Sinlaku seine explosive Intensivierung ermöglicht. Niedrige Windscherung, 28 bis 29 Grad Oberflächentemperatur, Wärme, die bis in große Tiefe reicht. Perfekte Bedingungen für ein Monster. Und die Zahl der Kategorie-5-Stürme weltweit steigt seit 1982 mit einer statistischen Signifikanz von 99,5 Prozent.
Das ist keine Anomalie. Das ist ein Trend mit physikalischer Ursache. Die Klimakatastrophe liefert den Treibstoff für immer intensivere Stürme. Wärmere Ozeane bedeuten mehr Energie im System. Mehr Energie bedeutet schnellere Intensivierung. Schnellere Intensivierung bedeutet weniger Vorwarnzeit für Menschen, die ihr Leben schützen müssen.
Wer jetzt noch „abwarten und beobachten" als klimapolitische Strategie verkauft, meint damit: abwarten, bis es andere trifft.
Die Nördlichen Marianen haben diese Strategie nicht gewählt. Sie bekommen sie trotzdem aufgezwungen.
Link: https://lnkd.in/ebK2f-Ru
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