Samstag, 11. April 2026

Krisen lassen sich nicht vermeiden - höhere Energiepreise müssen wir selbst tragen, nicht unsere Kinder


ZDF hier

Monika Schnitzer / Vorsitzende des Sachverständigenrates /LinkedIn

Heute morgen habe ich mit Dunja Hayali im ZDF-Morgenmagazin über die Auswirkungen des Iran-Konfliktes auf die Energiepreise und das Wirtschaftswachstum gesprochen. 

Wir haben durch diesen Krieg bereits massiv an Wirtschaftsleistung verloren, weil das Gas- und Ölangebot verknappt wurde und dadurch die Energiepreise angestiegen sind. Produkte werden teurer, die Inflation hat bereits zugelegt. Die angepassten Prognosen der Forschungsinstitute geben erste ernste Warnhinweise. Selbst wenn der Krieg heute aufhören würde, wonach es überhaupt nicht aussieht, werden die Folgen noch Monate zu spüren sein, weil Produktionsanlagen zerstört und Lieferketten nachhaltig unterbrochen sind. 

Die Preise an den Tankstellen werden also weiterhin hoch bleiben und dieses Preissignal sollten wir nicht aussetzen. Es signalisiert Knappheiten im Angebot von Benzin und Diesel.
Die Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürger sollen ihr Verhalten anpassen und auf den für sie besten/günstigsten Wegen die Nachfrage reduzieren. 

Ein Eingriff der Politik, wie etwa beim Tankrabatt 2022, verzerrt die Signalwirkung und wird schnell sehr teuer. Dieses Geld sollte lieber dafür ausgegeben werden, uns für die Zukunft unabhängiger zu machen von fossilen Importen. 

https://lnkd.in/d6qUW2xq


Gestern habe ich im ZDF heute-journal mit Dunja Hayali über die verschiedenen Politikmaßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konfliktes, die aktuell in der Diskussion stehen, gesprochen.

So verständlich das politische Ansinnen ist, für schnelle Entlastung bei den Bürgerinnen und Bürgern zu sorgen, die meisten Ideen überzeugen leider ökonomisch nicht. Für Unternehmen und Bürger:innen gilt zuallererst, den Verbrauch so gut es geht zu reduzieren. Und der Staat sollte lieber das Geld für Investitionen ausgeben, die uns in Zukunft unabhängiger von fossilen Energieimporten machen, statt für kurzfristige Entlastungen. 

Die Reaktionen an den Märkten auf die vereinbarte Waffenruhe zeigen, dass ein schnelles und nachhaltiges Ende des Konfliktes die mit Abstand beste Politik für die globale und somit auch unsere Wirtschaft ist. Die Ölpreise sind auf das Niveau von Anfang März gefallen und an der Tankstelle sehen wir bereits um 5-6 Cent niedrigere Preise, Tendenz weiter fallend.


Joachim Plesch hier  /LinkedIn

Monika Schnitzer über die beste Lösung der Energiekrise... ich hoffe, die Bundesregierung hört zu.

Sie ist im Sachverständigenrat, eine sogenannte Wirtschaftsweise und berät die Regierung in volkswirtschaftlichen Fragen und packt die Antwort in nicht einmal 1 Minute.

Es wäre doch zu hoffen, dass die Bundesregierung Ihren Sachverständigen zuhört...

Man hat leider den Eindruck, dass das zumindest bei Frau Reiche nicht verfängt: Das Video ist vom 1.4.2026, also noch vor dem Gastbeitrag von Frau Reiche in der FAZ.


‪Monika Schnitzer‬ ‪@monika-schnitzer.com‬

Investitionen in Energienetze, Infrastruktur & Bildung erhöhen die Produktionskapazitäten & stärken die Resilienz der Wirtschaft. Sie setzen genau dort an, wo der Schock wirkt. 

Krisen lassen sich nicht vermeiden und ihre unmittelbaren Wohlstandsverluste auch nicht kompensieren.

Wer stattdessen auf Anpassung und strukturelle Stärkung setzt, nutzt die Krise als Chance. 


Mein Beitrag im Handelsblatt hier  Monika Schnitzer  09.04.2026

Höhere Energiepreise müssen wir selbst tragen, nicht unsere Kinder

Krisen wie der Iran-Krieg lassen sich nicht vermeiden und ihre unmittelbaren Wohlstandsverluste auch nicht vollständig kompensieren. Es kommt auf etwas anderes an. Ein Gastbeitrag.

Durch den Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus verteuert sich Energie, Produktionsketten werden unterbrochen, zentrale Vorleistungen werden knapper. Die Folge: steigende Kosten bei gleichzeitig sinkender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Solche Krisen machen uns ärmer.

Ökonomisch ist die Diagnose klar. Wir erleben einen klassischen negativen Angebotsschock. Die Folge sind höhere Preise für die Verbraucher, sofort an der Zapfsäule, mit etwas Verzögerung im Supermarkt. Denn die Unternehmen können weniger produzieren und das zu höheren Kosten. 

Der Ruf nach Deckelung der Preise und nach breit angelegten staatlichen Entlastungspaketen lässt da nicht lange auf sich warten. Dabei löst eine Stabilisierung der Nachfrage nicht das Problem – das Angebot bleibt weiterhin eingeschränkt. Stattdessen werden die Preissignale verzerrt, Ressourcen werden nicht dorthin gelenkt, wo sie am dringendsten benötigt werden. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck bestehen und die fiskalischen Kosten steigen.


Zudem entsteht aufs Neue ein gefährliches Signal:
Der Staat gleicht Verluste aus.
Im Zweifel mit Schulden, die künftige Generationen zurückzahlen sollen


Dabei wäre die richtige Botschaft:
Höhere Energiepreise,
die wir an ausländische Exporteure zahlen,
machen uns als Land ärmer.
Diese Verluste müssen wir selbst tragen, nicht unsere Kinder.


Die Erwartung, der Staat, also andere, werde für die Verluste schon aufkommen, untergräbt die notwendigen Anpassungsprozesse. Unternehmen und Haushalte haben geringere Anreize, auf veränderte Knappheiten zu reagieren, etwa durch Investitionen in Effizienz, Substitution oder neue Technologien. Langfristig schwächt das die wirtschaftliche Dynamik.


Chance für strukturellen Wandel

Dabei gilt gerade in Krisenzeiten Churchills Zitat:
Never waste a good crisis


Angebotsschocks erzwingen Anpassung und eröffnen damit die Chance für strukturellen Wandel.
Die Bundesregierung hat sich hierfür finanzielle Spielräume geschaffen durch Ausnahmen bei der Schuldenbremse und zusätzliche Investitionsmittel. Diese sollten gezielt eingesetzt werden.

Nicht zur kurzfristigen Stabilisierung von Konsum, sondern zur Ausweitung und Modernisierung des Angebots. Investitionen in Energienetze, Infrastruktur und Bildung erhöhen die Produktionskapazitäten und stärken die Resilienz der Wirtschaft.
Sie setzen genau dort an, wo der Schock wirkt.

Deutschland steht vor der Aufgabe, seine Wachstumsbasis neu zu definieren und zu gestalten. Künstliche Intelligenz, digitale Geschäftsmodelle, eine klimaneutrale Industrie oder eine innovationsgetriebene Gesundheitswirtschaft bieten hierfür wichtige Ansatzpunkte. Doch ohne klare Prioritäten und eine kohärente Strategie bleiben diese Potenziale ungenutzt.

Krisen lassen sich nicht vermeiden und ihre unmittelbaren Wohlstandsverluste auch nicht vollständig kompensieren. Wer stattdessen auf Anpassung und strukturelle Stärkung setzt, nutzt die Krise als Chance.

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