Dienstag, 21. April 2026

Ausweichmanöver mit Substanz

 Diesen Artikel empfinde ich als zwiespältig: im Grunde richtig - nur tut er Schneider auch Unrecht.

Schneider ist Umweltminister und seine Bemühungen zum Moorschutz liegen damit folgerichtig in seiner Zuständigkeit. Amtsvorgängerin Steffi Lemke hatte dabei schon sehr viel Vorarbeit geleistet. Und jetzt könnte man groß jubeln: da wird ein vorbereiteter Weg tatsächlich weiter gegangen, keine Rolle rückwärts!

 Natürlich ist es äußerst bedrückend zu sehen, wie alleine Schneider in dieser Regierung mit dem Anliegen Klimaschutz steht. Wie dumm, dass in der Ampel auf Betreiben der FDP so großzügig die Sektorenziele abgeschafft wurden!
Seine lieben Kollegen und Kolleginnen wiegen sich nun auf der sicheren Seite - soll doch ein anderer ihre unpopuläre Arbeit machen, sie sind fein raus - es wird schon jemand hinter ihnen aufräumen!

Was kann Schneider  denn machen bei so viel Ignoranz? Seine Kollegen reden lieber öffentlich davon, dass Klimaschutz ausgebremst werden müsse. Unter solchen Umständen die Koalition aufzukündigen wäre folgerichtig. Aber was kommt dann?

Daniel Mautz / LinkedIn

1,75 Milliarden für Moore sind klug.
Der Grund dafür ist es nicht.

Die Bundesregierung will trockengelegte Moore wiedervernässen. Dafür stellt sie 1,75 Milliarden Euro bereit. 

Trockengelegte Moore verursachen rund 7 Prozent der deutschen CO2-Emissionen. Werden sie wiedervernässt, könnten sie von einer CO2-Quelle zur Senke werden. Gleichzeitig soll die Fläche weiter landwirtschaftlich genutzt werden. Fachlich ist das sinnvoll.

Politisch ist es vor allem bequem. Umweltminister Schneider verknüpft Klima- und Naturschutz bewusst, weil Naturschutz in der Bevölkerung populärer ist als Emissionsreduktion. 

Er vermeidet die großen Konflikte. An die fossile Fraktion in der CDU traut er sich nicht ran. An Industrie, Autoverkehr und Gebäudeheizung auch nicht. Stattdessen schichtet er die Klimapolitik um. Weg von den Sektoren, die weh tun, hin zu grünem Strom und natürlichem Klimaschutz.

Das ist nicht dumm. Aber es ist kein Masterplan, sondern ein Ausweichmanöver mit Substanz. Wenn Wälder, Moore und Böden in den 2030ern tatsächlich CO2 binden, könnte das der Schwerindustrie Zeit verschaffen. 

Chemie-, Stahl- und Betonkonzerne werden wegen einer Mischung aus Ambitionslosigkeit und echten technischen Hürden noch bis in die 2040er massiv CO2 ausstoßen. Die Natur soll kompensieren, was die Industrie nicht liefert. Das ist keine Antwort auf die Klimakatastrophe. Das ist Verrechnungslogik.

Moore wiedervernässen ist richtig. Es als Kern einer Klimapolitik zu verkaufen, die sich vor Industrie, Verkehr und Wärme drückt, ist ein Eingeständnis. 

Schneider landet nicht aus Versehen auf dem richtigen Weg. Er wählt den Weg, auf dem ihm niemand im Weg steht. 


Link: https://lnkd.in/em3G8TPv

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