Donnerstag, 9. April 2026

Spanischer Strommarkt zeigt, wie es gehen kann

 

Tim Meyer / LinkedIn

Wer niedrigere Strompreise will, muss weniger Erdgas verstromen, nicht mehr. 

So weit, so bekannt. Doch entscheidend ist dabei auch die Struktur des Strommarktes und wie häufig Erdgasverstromung preissetzend ist. 

Ember hat dazu jetzt konkrete Zahlen zu vier europäischen Ländern geliefert. Demnach war im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 im deutschen Strommarkt die Gasverstromung zu 40% der Zeit preissetzend, ähnlich wie in Holland. In Italien waren es 89% der Zeit, in Spanien nur 15%. 


Und die durchschnittlichen Börsenstrompreise? Lagen in Deutschland im selben Zeitraum bei knapp 10 ct/kWh, in Italien bei 13 ct/kWh und in Spanien bei 4,2 ct/kWh. Obwohl der Erdgaspreis in allen Ländern ähnlich liegt und seit der jüngsten Energiekrise in allen Ländern um gut 50% gestiegen ist. 

Einen wesentlichen Zusammenhang liefert die Merit-Order im Stromhandel: je häufiger Erdgasverstromung die Marktpreise für alle setzt - also die teuerste aller Stromerzeugungsarten - desto höher sind eben auch die durchschnittlichen Marktpreise. 


Umgekehrt gilt: je häufiger Erneuerbare Energien und Speicher das Erdgas aus dem Stromsystem verdrängen, desto günstiger. 

 

Allerdings hat auch Spanien da noch einen weiten Weg vor sich: denn die Kehrseite von viel erneuerbarer Erzeugung und (noch) zu wenig Speichern oder anderer Flexibilität sind sehr niedrige oder negative Preise. Auf Dauer ist das volkswirtschaftlich auch nicht sinnvoll, denn neue Erzeugungsanlagen aus Wind und Sonne rechnen sich bei zu geringen Preisen nicht. 

Und für die Systemstabilität laufen in Spanien auch bei niedrigen Strompreisen 2-3 GW Gaskraftwerke (von 30 GW installierter Leistung). Auch das kann und muss langfristig noch mit Speichern überflüssig gemacht werden.

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