Na Hoppla, ich hatte mich noch darüber gewundert, dass die einst so seriöse FAZ faktenferne Beiträge unhinterfragt veröffentlicht.
Jetzt im Nachhinein scheint es doch Bedenken zu geben, allerdings stehen diese nun hinter der Bezahlschranke und kommen etwas sehr spät, der Schaden ist angerichtet. Wäre doch gut gewesen, den Gegenartikel parallel zu veröffentlichen.... Oder wäre so viel Transparenz denn doch zu viel des Guten, wenn es um eine Ministerin geht?
Utopia bringt es auf den Punkt: Das mag als politische Positionierung funktionieren. Aber es ist etwas anderes als eine sachliche Einordnung der Lage....Gerade von einer Wirtschaftsministerin wäre mehr analytische Redlichkeit zu erwarten.
Wo bleibt dieser moralische Anspruch bei der FAZ?
Hanna Decker Wirtschaftsredakteurin F.A.Z. | Energiepolitik / LinkedIn hier
Kaum ein Gastbeitrag hat zuletzt so viele Reaktionen hervorgerufen wie der von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in dieser Woche in der Frankfurter Allgemeine Zeitung.
„Jahrelang“ hätte Deutschland sich „mit ehrgeizigen Zielen beruhigt“, schrieb Reiche darin mit Blick auf das Ziel, bis 2030 vier Fünftel des Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien zu stillen und bis 2045 klimaneutral zu werden.
Doch die Kosten des Stromsystems summierten sich mittlerweile auf mehr als 36 Milliarden Euro im Jahr. „So kann es nicht weitergehen“, schrieb Reiche: „Eine Energiewende, die Systemkosten ignoriert, wird das Land ruinieren, das sie zu retten vorgibt.“
Die Erneuerbaren-Branche und Grüne, aber auch der eigene Koalitionspartner sind erbost. Die energiepolitische Sprecherin der SPD, Nina Scheer, warf Reiche etwa vor, "faktenfremd" zu argumentieren und das Klimaziel 2045 "ins Lächerliche" zu ziehen.
Heute gibt es in der F.A.Z. einen Überblick – mit weiteren Stimmen von Tobias Goldschmidt, Carolin Dähling, Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE), Philipp Schröder und Dr. Timm Kehler:
Und Nina Scheer hatte noch eine gesonderte Replik verfasst: https://lnkd.in/dTDKwRqt
Debatte über Energiewende: Was Ministerin Reiche unterschlägt, verschweigt und unterlässt
Gastbeitrag Von Nina Scheer 09.04.2026
Martin Tillich / Chefredakteur Utopia LinkedIn
Reiche wirft der Energiepolitik „Selbsttäuschung“ vor – und verzerrt dabei selbst die Debatte.
Zu Katherina Reiches FAZ-Gastbeitrag ist vieles bereits geschrieben und vieles davon zu Recht korrigiert worden. Jenseits der einzelnen Korrekturen bleibt für mich vor allem:
Am Ende liest sich dieser Text weniger wie eine nüchterne Analyse als wie ein politisches Angebot an ein wirtschaftsnahes, konservatives Publikum, das in der Energiewende vor allem Belastung, Kontrollverlust und Überforderung erkennen soll.
Das mag als politische Positionierung funktionieren. Aber es ist etwas anderes als eine sachliche Einordnung der Lage.
Wer die Energiewende mit schiefen Zahlen, verkürzten Gegensätzen und verschobenen Ursachen kleinredet, verzerrt die Debatte. Gerade von einer Wirtschaftsministerin wäre mehr analytische Redlichkeit zu erwarten.
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