FAZ hier Artikel von Rüdiger Soldt,
Fünf Wochen nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg legen die Grünen in einer Meinungsumfrage zu.
Die bei der Wahl knapp unterlegene CDU verliert.
Die AfD profitiert offenbar von den langwierigen Sondierungsgesprächen und legt zu. Außerdem lehnt eine breite Mehrheit Neuwahlen ab. Wäre jetzt wieder eine Landtagswahl, würden die Grünen 32 Prozent bekommen (bei der Wahl waren es 30,2 Prozent). Die CDU käme nur noch auf 26 Prozent (29,7 Prozent). Diese Werte ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach, wie die Zeitung „Südkurier“ berichtete.
Die Mehrheit der befragten Wählerinnen und Wähler wünscht sich eine rasche Regierungsbildung.
Laut der Allensbach-Meinungsumfrage wünschen sich 69 Prozent der Grünen-Wähler und 55 Prozent der CDU-Wähler, dass die beiden bisherigen und vermutlich neuen Koalitionsparteien möglichst rasch wieder eine Regierung bilden. Eine gute Zusammenarbeit der beiden Parteien wünschen sich 69 Prozent der CDU-Wähler und 76 Prozent der Grünen-Wähler. Nur acht Prozent der CDU-Wähler sprechen sich in der Umfrage für Neuwahlen aus, bei den Wählern der AfD sind es 28 Prozent.
Die Gespräche stocken abermals
Nach den Wahlen hatten CDU und Grüne vor drei Wochen beschlossen, zunächst Sondierungsgespräche zu führen. Beide Parteien regieren seit zehn Jahren erfolgreich miteinander. Sondierungsgespräche dienen eigentlich zur Vorauswahl eines Koalitionspartners und wären in diesem Fall also eigentlich nicht nötig gewesen. Die CDU hatte jedoch darauf gedrängt, weil sie wegen der Parität der Regierungsfraktionen eine Koalition auf Augenhöhe bilden will, die aus ihrer Sicht einer besonders gründlichen Vorbereitung bedarf.
In dieser Woche sind die Sondierungsgespräche abermals ins Stocken geraten. Derzeit verhandeln Cem Özdemir und Manuel Hagel nur noch im kleinen Kreis, um überhaupt Fortschritte zu erzielen. Eckpunkte für ein Sondierungspapier, das den Schwerpunkt auf den Umgang mit der Wirtschaftskrise legt, haben beide Parteien bereits formuliert, hierüber herrscht dem Vernehmen nach weitgehend Einigkeit.
Uneins sind Grüne und CDU über das weitere Vorgehen bis zum Abschluss der Gespräche: Die Grünen wollen das Sondierungspapier und die Ergebnisse möglichst bald der Öffentlichkeit vorstellen und den Landesvorstand auffordern, die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zu empfehlen.
Die CDU dagegen möchte schon in den Sondierungsgesprächen den Zuschnitt des künftigen Kabinetts und die Verteilung der Ressorts festlegen, um die Gleichberechtigung der künftigen Regierungsparteien zu verankern. Normalerweise werden Ressortzuschnitte erst am Ende von Koalitionsverhandlungen festgelegt, auch damit die Inhalte für die jeweiligen Ressorts neutral verhandelt werden können. Der künftige Ministerpräsident Özdemir bekennt sich zum Prinzip der Augenhöhe, lehnt aber eine detaillierte Vorfestlegung von Ressortzuständigkeiten und andere Details zum jetzigen Zeitpunkt ab.
Hagel bittet um Vertrauen in Özdemir und ihn
Aus Verhandlungskreisen heißt es, die CDU wolle die Handlungsmöglichkeiten des künftigen Ministerpräsidenten auf ein absolutes Mindestmaß begrenzen und durch die Macht-Arithmetik der künftigen Regierung verhindern, dass Özdemir ein ähnlich populärer Ministerpräsident wird wie der noch amtierende Regierungschef Winfried Kretschmann. Daran haben die Grünen kein Interesse, sie wollen vor allem das für die politische Steuerung wichtige Finanzministerium nicht an die CDU abgeben. Wann die Gespräche mit den jeweils mit sieben Personen besetzten Teams fortgesetzt werden können, war am Freitagnachmittag unklar.
Der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel kommentierte die Allensbach-Umfrage auf Nachfrage nicht. Allerdings gab er eine Stellungnahme zum Stand der Sondierungsgespräche ab: „Wenn Bürgerinnen und Bürger, wenn Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und die Wirtschaft im Land im Moment etwas ungeduldig werden, verstehe ich das. Ich bitte um Vertrauen in Cem Özdemir und mich.“
Seine Partei habe ein „Programm des Aufbruchs“ versprochen, an dem er nun mit den Grünen arbeite. Er sei überzeugt, dass am 13. Mai der Ministerpräsident gewählt werde, bis dahin sei eine arbeitsfähige Regierung im Amt. Der grüne Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz äußerte sich zum weiteren Verlauf der Sondierungen ebenfalls nicht, sagte der F.A.Z. aber zur Meinungsumfrage: „Diese Umfrage unterstreicht den Wunsch vieler Menschen nach einer neuen Landesregierung unter grüner Führung mit Cem Özdemir als Ministerpräsident. Das spricht dafür, zeitnah mit Koalitionsverhandlungen zu beginnen.“
Staatsanzeiger hier Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer 10.04.2026
Wahlumfrage: Umfrage sieht die Grünen deutlich vor der CDU
Sechs Prozent trennen Grüne und CDU in der neuesten Wahlumfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach. Das ist ebenso bemerkenswert wie ein anderes Ergebnis der Meinungsforscher. Demnach sehen 39 Prozent die Verantwortung für die sich lange hinziehenden Sondierungen bei der CDU und nur 24 Prozent bei den Grünen.
Vor fünf Wochen bei der Landtagswahl war die Sensation für viele in Baden-Württemberg, dass die Grünen vor der CDU landeten. Jetzt stehen neue Zahlen für eine ähnlich große Überraschung: Wäre am Sonntag Wahltag, kämen die Grünen auf 32 Prozent und die CDU nur noch auf 26. Erhoben wurde diese erhebliche Veränderung vom Institut für Demoskopie in Allensbach und veröffentlicht vom Südkurier.
SPD und FDP stagnieren
Zwischen dem 2. und 9. April sind 1017 Interviews geführt worden, also in jener Zeit, in denen sich die Sondierungsverhandlungen zu einer Hängepartie entwickelten. Nutznießerin des Absturzes der CDU von 29,7 Prozent am 8. März auf 26 Prozent knapp fünf Wochen später sind neben den Grünen (plus knapp zwei Punkte) die Alternative für Deutschland, die um gut drei Punkte auf 22 Prozent zulegen könnte. Nicht profitieren würden dagegen SPD und FDP. Die Sozialdemokraten kommen demnach weiterhin nur knapp über fünf Prozent, die Liberalen hängen darunter fest.
Die meisten Befragten wollen Grün-Schwarz
Einen Fingerzeig für das weitere Vorgehen des CDU-Sondierungsteams rund um Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel liefern die Antworten auf die Frage nach der Fortsetzung der Koalition zwischen Grünen und CDU: 50 Prozent der Wahlberechtigten äußern die Hoffnung auf eine „gute Zusammenarbeit“, in der CDU-Wählerschaft sind es 69 Prozent, unter Grünen 76 Prozent.
Bemerkenswert sind auch die Reaktionen auf die sich zäh hinziehenden Sondierungen: Nur 18 Prozent haben den Eindruck, dass die Gespräche konstruktiv verlaufen, 42 Prozent meinen, dass sie sich schwierig gestalten. Und die wiederum sehen zu 39 Prozent die Verantwortung bei der CDU, zu 33 Prozent bei beiden und zu 24 bei den Grünen.
Aus dem Südkurier:
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